- Behandlung
Typ-1-Diabetes: Darauf kommt es in der Behandlung an
3 Minuten
Beim Typ-1-Diabetes führt kein Weg an einer Behandlung mit Insulintherapie vorbei. Allerdings gibt es verschiedene Arten, wie man dem Körper das lebensnotwendige Hormon von außen zuführen kann. Hier lernst du die wichtigsten verschiedenen Therapieformen kennen.
Bei der Autoimmunerkrankung Typ-1-Diabetes wird im Immunsystem ohne eindeutig erkennbaren Grund ein ‚Schalter‘ umgelegt: Der Körper nimmt die insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse nun als Fremdkörper wahr und zerstört sie. Deshalb kann der Organismus innerhalb recht kurzer Zeit kein bzw. nicht ausreichend viel Insulin produzieren. Beim Typ-1-Diabetes muss also in jedem Fall von außen Insulin zugeführt werden. Daran können auch ein gesunder Lebensstil oder vermeintliche Superfoods nichts ändern.
Behandlung des Typ-1-Diabetes: individuelle Therapieziele statt Schema F
Früher machte man allen Menschen mit Typ-1-Diabetes nahezu dieselben Vorgaben, welche Langzeit-Blutzuckerwerte (HbA1c) sie erreichen sollten. Inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass man mit individuell vereinbarten Stoffwechselzielen deutlich besser fährt. Auch bei der Behandlung schauen Diabetologinnen und Diabetologen mittlerweile viel mehr auf die persönlichen Bedürfnisse ihrer Patientinnen und Patienten – Schema F hat also ausgedient.
Glukosesensoren sind inzwischen Standard bei der Typ-1-Diabetes-Behandlung
Damit Menschen mit Typ-1-Diabetes ihr Insulin möglichst passgenau dosieren können, müssen sie regelmäßig ihre Glukosewerte messen. Mittlerweile hat sich hierfür die kontinuierliche Glukosemessung (CGM) mithilfe von Sensoren durchgesetzt. Sie werden am Körper getragen und messen mit einem Sensorfaden den Glukosegehalt im Unterhautfettgewebe. Mit der dazugehörigen Software bzw. Smartphone-App kann man im Alltag eigenständig die Stoffwechsellage analysieren. Damit findet man rasch genau die Punkte, an denen die Therapie ggf. angepasst werden sollte.
Intensivierte konventionelle Therapie (ICT) mit dem Insulinpen
Früher war es üblich, dass Menschen mit Typ-1-Diabetes von ihrer Diabetespraxis einen genauen Ess- und Spritzplan erhielten. Damit war von Vornherein festgelegt, zu welchem genauen Tageszeitpunkt wie viel gegessen und gespritzt werden muss – ob man nun Hunger hatte oder nicht. Dank moderner Insuline (sogenannte Analoginsuline), die besonders schnell wirken (Mahlzeiten- bzw. Bolusinsulin) oder eine sehr lange Wirkdauer haben (Langzeit- bzw. Basalinsulin) gehören solche Ess- und Spritzpläne zum Glück der Vergangenheit an. Heute startet man die Therapie des Typ-1-Diabetes in der Regel mit einer sogenannten intensivierten konventionellen Therapie (ICT). Sie besteht aus einem Basalinsulin, das die Grundversorgung des Körpers mit Insulin für 6–48 Stunden abdeckt, und einem Bolusinsulin für die Mahlzeiten. Mit letzterem kann man die Insulindosis genau an die Menge der enthaltenen Kohlenhydrate anpassen – und kann zudem essen, wann man Hunger oder Lust verspürt, und nicht wann der Ess- und Spritzplan es vorsieht. Anstelle von Spritzen verwendet man hierfür heutzutage in der Regel Insulinpens.
Kontinuierliche subkutane Insulininfusion (CSII) mit der Insulinpumpe
Wenn Menschen mit Typ-1-Diabetes im Tagesverlauf einen stark schwankenden Insulinbedarf oder in den Morgenstunden häufig sehr hohe Blutzuckerwerte (das sogenannte Dawn-Phänomen) haben, dann stößt die ICT mit Insulinpens allerdings an ihre Grenzen. Mit einer Insulinpumpe kann man in diesen Fällen eine noch flexibler einstellbare Insulinzufuhr erreichen. Der exakte Terminus für die Insulinpumpentherapie lautet kontinuierliche subkutane Insulininfusion (CSII). Das bedeutet, dass eine Insulinpumpe über einen auf der Haut platzierten Katheter kontinuierlich Insulin ins Unterhautfettgewebe abgibt.
Automatisierte Insulindosierung (AID)
Noch gibt es keine technischen Hilfsmittel, die Menschen mit Typ-1-Diabetes jegliches Rechnen abnehmen. Doch es wird intensiv geforscht und entwickelt, damit die Insulindosierung möglichst automatisch ablaufen kann. Ein erster Schritt auf dem Weg zu dieser Vision ist die Verknüpfung von Insulinpumpen und CGM-Systemen mithilfe eines Algorithmus. Auf Basis der aktuell gemessenen Glukosekonzentration (und den Werten in der unmittelbaren Vergangenheit) und weiterer Parameter steuert dieser die Insulinzufuhr und schätzt den Glukoseverlauf in den nächsten Stunden ab. Bei den aktuell verfügbaren Systemen zur automatisierten Insulindosierung (AID) müssen Anwenderinnen und Anwender allerdings noch immer etliche Parameter selbst kontrollieren und eingeben – insbesondere die Menge der Kohlenhydrate bei einer Mahlzeit.
Internationale Behandlungsstandards für Typ-1-Diabetes
Worauf es bei der Therapie des Typ-1-Diabetes ganz allgemein ankommt, haben internationale Fachleute im Jahr 2021 in einem Konsensus-Report zusammengefasst. Ziel sollte es demnach sein,
- genug Insulin zuzuführen, damit ein möglichst hoher Anteil der Glukosewerte im Zielbereich liegt,
- Unterzuckerungen (Hypoglykämien) und diabetischen Ketoazidosen zu vermeiden
- die Risiken für Folgeerkrankungen im Blick zu behalten und
- die psychosoziale Belastung im Alltag durch den Diabetes möglichst gering zu halten.
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Behandlung
- Aus der Community
7 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
-
uho1 postete ein Update vor 1 Tag, 19 Stunden
Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?
-
diahexe postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen
Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?
-
gregor-hess antwortete vor 5 Tagen, 1 Stunde
Liebe diahexe,
Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
Viele Grüße
Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion -
diahexe antwortete vor 4 Tagen, 20 Stunden
@gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.
-
-
ckmmueller postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen
Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos
-
diahexe antwortete vor 1 Woche, 3 Tagen
Hallo, ich habe ein ähnliches Problem gehabt. Samstags neuen Sensor gesetzt, hat nach 2 Stunden aktualisiert, lief dann ein paar Stunden, wieder aktualisiert und dann aufgefordert den Sensor zu wechseln. Bis Montag hatte ich dann 4!Sensoren verbraucht. Habe dann einen neuen Transmitter geben lassen und eine völlig neue Einstichstelle gewählt. Danach ging es. Mein neustes Problem ist, dass sich meine Pumpe und mein Smartphone dauernd entkoppelt und sich dann stundenlang nicht mehr koppeln lassen. Manchmal muss ich dann die App neu laden bis es wieder funktioniert.
-
