Voll digital – der T1Day in Berlin

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Voll digital – der T1Day in Berlin

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Die Digitalisierung hält Einzug in der Diabeteswelt

Mit einem Blick in das Programmheft wird schnell klar, dass die Digitalisierung auch in der Diabeteswelt angekommen ist und eine große Rolle spielt. Für manche schon im Alltag durch einen selbst zusammengestellten Closed Loop, eine Verbindung zwischen Sensor, Pumpe und Open-Source-Geräten wie dem Riley Loop oder dem MiaoMiao Reader. Für wen dies eher nach Bahnhof klingt, der hatte es auf der Veranstaltung bei manchen Vorträgen schwer. Während munter über DIY AID (Do-it-yourself von automatischer Insulin-Dosierung) gesprochen wurde, rätselten einige Menschen im Publikum noch über die Bedeutung dieser Abkürzungen. Nachdem Begrifflichkeiten aber erklärt waren, waren die Vorträge sehr informativ und definitiv thematisch neu für die (meisten) Zuhörenden. Auch für „alte Diabeteshasen“ gab es hier noch neue Informationen! 

Höhen und Tiefen mit Diabetes. Foto: Stephanie Haack

Nach einer kurzen Begrüßung und einer tollen Aufführung von Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes, die das Leben mit Typ-1-Diabetes und den Höhen und Tiefen kreativ umgesetzt haben, ging es los mit den ersten Vorträgen. 

Künstliche Intelligenz für unsere Gesundheit?

Bertram Häussler vom IGES Institut berichtete in einem spannenden Vortrag über das Nutzen künstlicher Intelligenz in der medizinischen Versorgung. Er ist überzeugt, dass die Zukunft „viel persönlichere Medizin“ hervorbringen werde. In kurzen Videos erfahren wir mehr über die künstliche Intelligenz DINA, die dem Protagonisten Tim durch Messungen und Analysen großer Zahlen von Metaboliten (Stoffwechselprodukten im Körper) für seine Gesundheit und sein Wohlbefinden zur Seite steht. Vieles, was durch Ärzte untersucht werden müsste und lange Anfahrten und Wartezeiten mit sich bringen würde, erledigt DINA innerhalb weniger Minuten. Auch die Ärzt*innen sollen so in der Zukunft zeitlich entlastet werden, beispielsweise auch durch Videotelefonie. 

Die Diabetesberatung auf dem Bildschirm

Videotelefonie ist auch ein großer Teil des Projektes ViDiKi, welches in Schleswig-Holstein für Kinder, Jugendliche und ihre Familien gestartet ist. ViDiKi steht für eine Virtuelle Diabetes-Ambulanz. Hier findet der Austausch mit dem Team um Dr. Simone von Sengbusch 3x im Quartal, zusätzlich zu dem Quartalstermin beim Stamm-Diabetologen, über Videotelefonie statt. Es bleibt mehr Zeit, um z.B. über Themen wie die anstehende Klassenfahrt, chaotische Werte in der Pubertät oder die Unterzuckerungen während des Fußballturniers zu sprechen. 1-2 Tage vor den Terminen werden Daten an den/die Telemediziner*in gesendet. Diese/r hat nun schon Zeit, Werte anzuschauen und zu kommentieren. Wichtig: Dem Kommentieren der Werte stehen immer positive Worte voran. So wird die Diabetestherapie motivierender!

Der/Die Telemediziner*in berät und passt an, die eigentliche Therapie darf nur durch die hauseigene Diabetologin/den hauseigenen Diabetologen verändert werden. Dafür darf auch von zuhause mit Videochat gearbeitet werden, weshalb zeitlich spätere Termine möglich sind. Die Studien in Lübeck und Kiel laufen noch und werden zeigen, welchen Nutzen die Telemedizin in Zukunft bringen wird. Mehr zu dem Projekt unter: https://www.uksh.de/kinderhormonzentrum-luebeck/vidiki.html

Der T1 Day war mit ca. 600 Teilnehmenden gut besucht. Foto: Lea Raak

Online-Coaching in der Hosentasche

Auch das mySugr-Paket setzt auf Online-Coaching für Menschen mit Diabetes. Der „digitale Freund in der Hosentasche“, ins Handy tippende Diabetesberater*innen, motivieren textbasiert und beantworten im Chat schnell Fragen. Über eine App werden Daten der Patient*innen mit ihnen geteilt. Therapieempfehlungen werden als Nachrichten verschickt, auch positive Botschaften und wenn nötig ein stärkendes Telefonat halfen den Studienteilnehmenden bei der Verbesserung ihrer Blutzuckerwerte. 

Die rechtliche Situation für Looper

Zu der rechtlichen Situation beim Loopen hielt Jan Twachtmann, Jurist und Mensch mit Diabetes, einen kurzweiligen Vortrag und half uns durch den Paragrafen-Dschungel. In der Regel ist die Medizinprodukte-Gesetzgebung veraltet. Sie sieht die neuen Situationen, vor denen die Digitalisierung der Medizinwelt steht, nicht vor. In aller Kürze bleibt zu sagen, dass niemand für das Basteln eines Closed Loops bestraft werden wird. 

Hoch hinaus mit Diabetes in der Berufswelt

Zu dem Thema hielt Dr. med. Kurt Rinnert einen Vortrag – Was bringen die neuen Technologien für das Berufsleben? Hier erfahren wir über künstliche Intelligenz als Chance für Menschen mit Behinderungen, sich besser in den Arbeitsmarkt 4.0 zu integrieren, oder welche Kompensation nötig wäre, damit bestimmte Berufe ausgeübt werden können. Er wies auf ein interessantes Projekt hin: Pilot*in werden mit Typ-1-Diabetes. In einigen Ländern ist das private Fliegen bereits erlaubt, die Initiative hofft darauf, Menschen mit Typ-1-Diabetes ins berufliche Cockpit zu bekommen: http://pilotswithdiabetes.com

Foto: Lisa Schütte

Zukunftsmusik?

Bevor es in die Diskussionsrunden ging, versuchten Andreas Thomas von Medtronic, Katarina Braune und Bernd Kulzer das Jahr 2018 mit all seinen Neuigkeiten der Diabeteswelt zusammenzufassen. Welche spannenden Ansätze und Produkte gibt es? Woran wird geforscht?

Da wären beispielsweise CGMs, welche mit einer optischen Messmethode funktionieren werden, einer Absorption im nahen infraroten Lichtwellenlängenbereich. Auch Nanotechnologie spielt in der Zukunft der Sensoren eine Rolle. 

Durch den AID wird deutlich, dass eine adaptive Basalrate die Zukunft ist. Studien haben gezeigt, dass selbst nachts, wo der Mensch-gemachte Einfluss gering ist, die Insulindosis stark fluktuiert. 

Auch wird weiterhin an einer Gukagoninfusion gearbeitet, um Unterzuckerungen in Zukunft mit einem Sensor entgegenwirken zu können. Noch gibt es Glukagon allerdings nicht in gewünschter flüssiger Form, um diese Vorhaben umzusetzen.

Das OPEN Project, unterstützt von der EU durch das Horizon 2020 Program, wird nun beginnen, an der Charité in Berlin DIY-Forschung zu betreiben. Mehr über das Projekt hier: https://open-diabetes.eu

Big Data wertet Patient*innen-Daten aus

Neben vielen weiteren interessanten Ansätzen fehlt auch Big Data in der Diabeteswelt nicht. Durch die Auswertung von Millionen von Daten bereitgestellt von Glooko (ehemalig Diasend) konnte so beispielsweise der Tag des Jahres 2018 mit der höchsten Time in Range aller Nutzer*innen herausgefunden werden: Es war der 28. September.

Neben all den virtuellen und digitalen Themen darf nicht vergessen werden, dass der T1Day auch ein Tag für das Vernetzen von Menschen mit Typ-1-Diabetes im echten Leben darstellt. Durch Diskussionen, in den Pausen und bei den kleinen Messeständen wurden fleißig Kontakte geknüpft.


Vor 2 Jahren hat Tine ihre Eindrücke des T1Days für die #BSLounge zusammengefasst: T1Day in Berlin – Überraschungen, Top-Themen und ein neuer Blickwinkel

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  • moira postete ein Update vor 11 Stunden, 7 Minuten

    Ich warte, dass das Community Meeting beginnt, habe ich die Zeit falsch verstanden?

  • bloodychaos postete ein Update vor 1 Tag, 19 Stunden

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

  • thomas55 postete ein Update vor 6 Tagen, 7 Stunden

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

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