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“Na, wie läuft’s denn so an deinem Arbeitsplatz in der Sparkasse?”, fragte ich meine Frau Gabi kürzlich beim Abendessen. “Katastrophe”, antwortete sie, “bei uns werden immer mehr Filialen geschlossen und man fragt sich wirklich, wohin die Leute noch zur Beratung kommen sollen. Demnächst vielleicht mit künstlicher Intelligenz im Internet …”
Naja, das kennt man ja schon. Überall wird gespart und rationalisiert und so manches wird auch einfach wegrationalisiert. Bei uns in der Medizin ist das nicht anders. Offenbar ist es politisch gewollt, dass viele Krankenhäuser schließen müssen. Nicht weit von uns hat beispielsweise ein fast neues und mit Milliarden Euro gefördertes Krankenhaus wegen akuten Geldmangels seine Pforten zugemacht: Insolvenz, peng und aus.
So was hat natürlich erhebliche Konsequenzen für die medizinische Versorgung, zum Beispiel weil der Rettungsdienst mit Notfallpatienten jetzt oft eine halbe Stunde und länger unterwegs ist, bis er im nächsten Krankenhaus ankommt. Nicht anders sieht es bei den Fachkrankenhäusern wie unserer Diabetes-Klinik aus. Auch hier wird man von der Politik völlig im Unklaren gelassen, wie es weitergehen soll. Unser Chef meint, dass es ganz klar Absicht ist und die Vorgaben der geplanten Krankenhausreform so kompliziert aufgebaut werden, dass so manches Fachkrankenhaus dies nicht überleben wird.
“Ja, und dann?”, fragte Gabi. “Was passiert mit den 4000 Patienten, die ihr jedes Jahr stationär behandelt?” Eine gute Frage, auf die ich auch keine Antwort weiß. Die Antwort der Politik auf diese Frage ist ziemlich eindeutig, aber dafür auch wenig hilfreich. Sie lautet: Wird schon irgendwie gut gehen …
Fragt sich nur, für wen: für die Kostenträger, für die Leistungserbringer und vielleicht auch für die Patienten? Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob den Verantwortlichen in der Gesundheitspolitik die Tragweite ihrer Entscheidungen so bewusst ist.Natürlich haben wir den Pflegenotstand und den Fachkräftemangel. Nur darf der nicht in eine absichtliche Kürzung und Verschlechterung medizinischer Leistungen münden, schon gar nicht in einem Land wie Deutschland.
“Schwieriges Thema”, meinte Gabi, “aber so gesehen habt ihr’s ja in der Medizin noch schwerer als wir in der Sparkasse.” Ein schwacher Trost für meine Frau, aber immerhin …
von Dr. Hans Langer
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2024; 72 (6) Seite 82
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