- Aus der Community
Im herabschauenden Hund trinkt sich nicht gut Apfelsaft…
5 Minuten
Vor etwas mehr als drei Jahren setzte ich das erste mal die Füße auf eine Yoga-Matte. Das war eine komplett neue Welt für mich, mit der ich mich damals – offen gestanden – gar nicht beschäftigen wollte. Yoga kam mir zu langweilig vor, ich nahm es nicht als „richtigen“ Sport wahr. Man schwitzte ja nicht mal…
Dann lernte ich meinen Freund kennen. Der stand früh auf und machte vor dem Frühstück zum Wachwerden 15 Minuten Yoga. Schnell lernte ich, dass meine Vorurteile nicht viel Gehalt hatten. Er bekam mich – Morgenmuffel – dazu, mit ihm Yoga zu machen, und ich merkte, wie ich entspannter und lebendiger in den Tag startete. Trotzdem verging einige – auch yogafreie – Zeit, bis ich wirklich anfing, Yoga zu lieben.
Regelmäßigkeit ist das Zauberwort!
Immer mal wieder machte ich für einige Zeit regelmäßig Yoga. Dann wieder ein paar Wochen gar nicht. Mit einer Freundin kaufte ich ab und zu Probestunden in unterschiedlichen Yoga-Studios, doch der Funke sprang einfach nicht vollständig über. Dann entdeckte ich ein recht junges Studio, keine zehn Minuten von meiner Wohnung entfernt. Es wirkte auf Anhieb sehr sympathisch und ich kaufte mir sofort eine 5er-Karte zur Probe. Nach der ersten Stunde im neuen Yoga-Studio kam ich wie verzaubert und energiegeladen nach Hause. Dieses unbeschreibliche Gefühl der Leichtigkeit und Freude ist es, warum ich inzwischen nicht mehr ohne Yoga kann. Der Funke hat länger gebraucht, bis er entzündet war – dafür entzündete er sich umso heller. Von diesem Moment an besuchte ich mindestens eine Yoga-Stunde im Studio wöchentlich. Zusätzlich machte ich zu Hause mit YouTube-Videos ein- bis zweimal pro Woche meine eigenen Yoga-Sessions.

Und neben dem Yoga so?
Ich muss zugeben, eine Zeit lang habe ich, besonders aufgrund der COVID-19-Einschränkungen, keinen weiteren Sport gemacht. Und was soll ich sagen: Das war für mich kein Problem. Yoga ist unfassbar abwechslungsreich. Ich probierte Yin Yoga, Budokon Yoga, Alignment Flows oder sogar klassische Vinyassa Flows in meiner Mittagspause im neuen Homeoffice aus. Langweilig wurde mir nicht. Außerdem merkte ich den Fortschritt in meinem Körper: Da ich zusätzlich mehrfach die Woche einige Minuten meditierte, lernte ich meine Möglichkeiten und Grenzen neu kennen.
Yoga kann mich herausfordern und gleichzeitig genau das Level treffen, welches ich zielsicher absolvieren kann. Meistens werden Asanas (die einzelnen Yoga-Haltungen) mit verschiedenen Anforderungen erläutert, sodass man sich ausprobieren oder in Sicherheit wähnen kann – ganz nach Tagesverfassung. Ich traute mir immer mehr zu, was ich nicht nur beim Yoga, sondern auch in meinem alltäglichen Leben merkte. Der Effekt ist schwer in Worte zu fassen, weshalb ich jedem nur wärmstens empfehlen kann, es selbst auszuprobieren, sich über Yoga neu kennenzulernen.
Bestes Beispiel: Im Asana namens Bakasana (die Krähe) legt man die Knie auf den hinteren Oberarmen ab und stützt sich mit den Händen so ab, dass die Füße vom Boden abheben. Es hat mich viel Kraft, Konzentration und Überwindung gekostet, beide Zehen gleichzeitig vom Boden zu heben und mein ganzes Gewicht auf den Handgelenken zu tragen. Als ich vor einigen Wochen zum ersten Mal keine Angst hatte und es einige Sekunden in dieser Haltung aushielt, überkam mich ein Stolz auf mich und meinen Körper, den ich bisher nur nach einem absolvierten Halbmarathon gespürt habe. Den kann ich allerdings nicht zu Hause im Wohnzimmer laufen.
Und die Zuckerwerte so?
Selbstverständlich würde ich diesen Artikel hier nicht schreiben, wenn Yoga nicht irgendwie einen Einfluss auf meinen Diabetes gehabt hätte. Wenn man nach wissenschaftlichen Beweisen sucht, wie sich Yoga auf die Gesundheit auswirkt, findet man wenige aussagekräftige Berichte. Häufig wird der Effekt von Yoga speziell dadurch relativiert, dass jede Form von Bewegung einen Einfluss auf die Gesundheit (mental und physisch) hat. Wissenschaftlich fundierte Studien gibt es keine, jedoch umso mehr Erfahrungsberichte bei Instagram, Facebook und im persönlichen Austausch. Für mich entscheidend ist jedoch nicht die Wissenschaft, sondern das Gefühl, welches ich nach Yoga in mir wahrnehmen kann: eine Art von Nach-Hause-Kommen. Wohlfühlen und Frieden in mir.
Das sieht man auch an meinen Zuckerwerten: In den letzten 90 Tagen und vorher habe ich ohne weitere Anstrengung (Es gab viel Pizza, dank Katharina auch unfassbar viele selbst gebackene Croissants und wirklich insgesamt wenig Disziplin zu Gunsten meiner Zuckerwerte. Hey, wir sind inmitten einer weltweiten Pandemie – das ist schon Stress genug!) eine Time in Range von 80% erreicht. Mein täglicher Insulinbedarf (engl. Total Daily Dose = TDD) hat sich um 10-15 % gesenkt. Die Basalrate musste ich im Tagesverlauf neu anpassen und um ca. 15 % reduzieren. Ausreißer in beide Richtungen sind weniger stark, aber besonders am Anfang meiner sehr regelmäßigen Yoga-Praxis hatte ich viele nächtliche Unterzuckerungen. Insgesamt kann ich sagen, dass sich meine Insulinsensibilität stark verbessert hat.
Immer, sobald ich auf die Yogamatte gestiefelt bin, richtete sich der Pfeil meines CGMs stark nach unten. Zufall? Jedenfalls habe ich inzwischen immer Saft in Reichweite stehen. Eine Unterzuckerung im herabschauenden Hund mit schwitzigen Händen und nachgiebigen Muskeln ist wirklich kein Spaß. Besonders stark wurden diese Unterzuckerungen, sobald ich anfing, täglich Yoga zu machen. Ich begann Anfang Mai mit einem 30-tägigen Online-Kurs, der täglich bis zu 30 Minuten Yoga beinhaltete. Neben der Einbindung in den Alltag stellten mich meine Zuckerwerte teilweise wirklich vor eine Herausforderung: An einigen Tagen benötigte ich nur ca. 50 % meiner üblichen TDD. Ich vermutete, dass die Muskeln dahintersteckten, denn denen merkt und sieht man ihre Stärkung deutlich an.

Alles nur dank Yoga?
Ich glaube, dass der Effekt, den Yoga auf andere Bereiche in meinem Leben hat, sich wiederum auf meinen Diabetes auswirkt. Sicherlich ist nicht alles in direkter Weise ausschließlich auf Yoga zurückzuführen. Weiterhin bin ich auch regelmäßig Laufen gegangen, habe zeitweise noch auf einen Halbmarathon trainiert… dennoch:
Yoga fördert…
- den Abbau von Stress durch kontrollierte Atmung,
- den Abbau von Stress durch regelmäßige Bewegung,
- die Durchblutung.
Das sind nur einige Auswirkungen, die derzeit allgemein diskutiert werden. Zusätzlich meine Beobachtungen:
Yoga…
- steigert mein Wohlbefinden deutlich,
- hilft mir, gelassener mit Blutzuckerschwankungen umzugehen,
- ist gut, um den Geist zu beruhigen und einen klaren Kopf zu bekommen,
- ist gut, wenn man während einer weltweiten Pandemie einfach keine Lust hat rauszugehen,
- lässt mich meinen Körper wertschätzen und gleichzeitig herausfordern – je nach Tagesform.
Zuletzt: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Seit Anfang Mai habe ich nicht einen Tag ohne Yoga verbracht. Derzeit stecke in in meinem zweiten 30-tägigen Kurs und habe viel Erfahrung gewonnen, die mich sogar eigene Flows ausprobieren lässt. Ich vermute, ihr könnt nachvollziehen, warum sich die regelmäßige Yoga-Praxis in Ergänzung zu anderem Sport außerordentlich gut auf meine Zuckerwerte ausgewirkt hat. Physisch und psychisch war und ist die regelmäßige Yoga-Praxis besonders in unsicheren Zeiten eine tolle Stütze und die Yogamatte bietet eine unerwartet schöne Heimat. Probiert’s doch auch einfach mal aus! 🙂
Namaste!
Bei uns im Coaching-Bereich findet ihr übrigens tolle Yoga-Sessions mit Steffi: Coaching-Reihe Yoga für alle
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Bewegung
- Aus der Community
5 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
-
ckmmueller postete ein Update vor 2 Tagen, 22 Stunden
Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos
-
anseaticids postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen
Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.
Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“
Genau aus diesen Fragen heraus ist Hanseatic Kids entstanden: ein Herzensprojekt, das Kindern mit Diabetes im Alltag Sicherheit gibt und Familien entlastet.
Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.So können Kinder lernen, wachsen und
selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
Unsere Mission ist einfach:✔ Kindern Sicherheit geben
✔ Familien den Alltag erleichtern
✔ Kita- und Schulteams entlasten
✔ und vor allem: jedes Kind dabei unterstützen, frei und unbeschwert aufzuwachsen, trotz Diabetes.Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose oder wenn Unsicherheiten bestehen, sind wir an der Seite der Familien. Gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und Fachpersonal schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder sich wohlfühlen und ohne Angst lernen können.
Dieses Projekt ist für uns mehr als Arbeit, es ist eine Herzensangelegenheit. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe, Freude und Freiheit. Wir möchten dazu beitragen, dass dies Wirklichkeit wird.
Wer mehr über unsere Arbeit erfahren oder Unterstützung anfragen möchte, kann sich jederzeit melden:
📧 moin@hanseatic-kids.de
📞 040 851 59 747 -
stephanie-bagehorn postete ein Update vor 2 Wochen
Passend zu den kommenden Osterferien: Ein Backtipp für die ganze Familie: https://diabetes-anker.de/eltern-und-kind/wenn-diabetes-mit-im-osternest-liegt-gemeinsames-backen-mit-den-kindern/
Wenn Diabetes mit im Osternest liegt: gemeinsames Backen mit den Kindern – Diabetes-Anker
Ostern steht vor der Tür und im Gepäck sind viele süße Versuchungen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie zu starke Blutzucker-Anstiege bei Diabetes durch süßes Gebäck vermieden werden können. Selbst zu backen – erst recht gemeinsam mit den … Read more



