- Eltern und Kind
Corona-Virus: auch Diabetes-Auslöser?
3 Minuten
Dass Viruserkrankungen mit der Entstehung des Typ-1-Diabetes in Zusammenhang stehen, ist nicht neu. Aktuelle Beobachtungen weisen nun auf einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Corona-Virus und einer Zunahme von Typ-1-Diabetes bei Kindern hin. Professor Thomas Danne fasst die Diskussion zusammen.
Ein erster Hinweis für die Möglichkeit eines ursächlichen Zusammenhanges zwischen Virusinfektionen und Diabetesmanifestationen war die Beobachtung, dass Typ-1-Diabetes gehäuft im Herbst und Winter auftritt und immer wieder örtliche und zeitliche Häufungen von Diabetesmanifestationen vorkommen.
Bis heute wurden insgesamt 13 verschiedene Viren mit der Entstehung des Typ-1-Diabetes in Verbindung gebracht, bei Menschen insbesondere Entero-, (besonders Coxsackie-), Mumps-, Röteln-, Zytomegalie-, Varizellen-, Poliomyelitis-, Hepatitis-A- und Influenzaviren. Dazu muss man jetzt vielleicht auch das SARS-CoV-2-Virus zählen, worauf Beobachtungen aus Deutschland und den USA hinweisen.
Mehr Kinderdiabetes in der Pandemie?
Die Arbeitsgruppe von Professor Holl aus Ulm, die Daten aus Deutschland, Österreich und Luxemburg im DPV-Register auswertet, fand zunächst beruhigende Ergebnisse, als sie keinen Effekt direkt nach dem ersten Lockdown im Frühjahr des Jahres 2020 fand.
Eine im Januar 2021 veröffentlichte erweiterte Analyse, die die erwarteten Typ-1-Diabetes-Neuerkrankungen vom 1. Januar 2020 bis zum 30. Juni 2021 im Vergleich zu den Daten aus den Jahren 2011 bis 2019 untersuchte, zeigte jedoch einen Anstieg der Typ-1-Diabetes-Zahlen um etwa drei Monate nach dem Höhepunkt der Pandemie.
Ähnliche Daten berichtete das Center of Disease Control in den USA kürzlich über die Analyse aus zwei großen Datenbanken, die zeigen, dass das Risiko, an Diabetes zu erkranken, bei Kindern unter 18 Jahren innerhalb von 30 Tagen nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 um 31 % bzw. 116 % anstieg, ohne dass bei dieser Auswertung zwischen Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes unterschieden werden kann.
Wie könnte COVID-19 Diabetes auslösen?
Es werden gegenwärtig drei mögliche Wege erörtert, wie SARS-CoV-2 mit dem Auftreten von Typ-1-Diabetes in Verbindung gebracht werden könnte: erstens, das Corona-Virus als direkte Ursache von Typ-1-Diabetes durch direkte virusbedingte Schädigung der insulinproduzierenden Betazellen, zweitens, als Beschleuniger eines bereits laufenden Immunprozesses, der die insulinproduzierenden Zellen letztlich zerstört oder schließlich als letzte Stufe der schubweise verlaufenden Diabetesentstehung, wenn Betazellen nur noch grenzwertig ausreichend Insulin produzieren, und im Rahmen einer Viruserkrankung mit Fieber das klinische Bild mit Gewichtsabnahme, viel Durst und hohen Zuckerwerten ausgelöst wird.
Verschiebung der jahreszeitlichen Verteilung durch COVID-19
Länderübergreifende Analysen zeigen eine Verzögerung der Typ-1-Diagnose im Zusammenhang mit dem Lockdown. Somit scheint der vorübergehende Anstieg der Fälle im Jahr 2020 eher auf die Unterbrechung des Zugangs zur Gesundheitsversorgung während des COVID-19-Lockdowns als auf eine (möglicherweise unbemerkte) Virusinfektion zurückzuführen zu sein.
Zudem könnten COVID-assoziierte Hygienemaßnahmen und soziale Distanzierung allgemeine Virusinfektionen im Winter/Frühjahr zusätzlich reduziert haben, wodurch die Auswirkungen viraler Auslöser für den Ausbruch von Typ-1-Diabetes bei den potenziell empfänglichen Menschen verringert wurden. Dadurch kann es zu einer Verschiebung des Häufigkeitsgipfels von Neuerkrankungen von der kalten Jahreszeit in den Sommer gekommen sein. Und dies könnte letztendlich eine Corona-bedingte Steigerung von Erkrankungszahlen vortäuschen. Diese Diskussionen zeigen, wie wichtig es ist, den Verlauf der Pandemie längerfristig zu beobachten und bei frühen Beobachtungen eines lokalen Anstiegs der Zahl der Typ-1-Diabetes-Manifestationen, die möglicherweise nur eine saisonale Verschiebung widerspiegeln, Vorsicht walten zu lassen.
Corona-Impfung kann keinen Typ-1-Diabetes auslösen
Ein weiterer Aspekt, der in Zukunft berücksichtigt werden muss, ist der mögliche Einfluss von Corona-Impfungen in Schul- und Jugendpopulationen. Allerdings ist hier von einem schützenden Effekt der Corona-Impfung auszugehen, nicht zuletzt deshalb, weil keine lebenden Viren verimpft werden. Die Impfung reduziert bekanntlich das Risiko für eine Erkrankung erheblich und verringert die Schwere der Erkrankung nachweisbar, wenn man trotz Impfung erkrankt. Sollte es also einen geringfügigen Zusammenhang zwischen dem Corona-Virus und einer Typ-1-Diabetes-Entstehung geben, wäre auch dafür eine Corona-Impfung von Kindern eine wichtige Maßnahme.
Und andere Impfungen?
Auch schon vor der Corona-Impfdiskussion wurde immer wieder die mögliche Gefahr einer Diabetesentstehung durch eine Impfung (z. B. Mumps) diskutiert. Inzwischen liegen gute epidemiologische Daten vor, die keinen Hinweis für eine Verbindung zwischen Impfungen und Typ-1-Diabetes ergeben haben. So zeigte sich kein Zusammenhang zwischen Impfungen und dem Auftreten diabetesassoziierter Antikörper bei erstgradig verwandten Kindern von Menschen mit Typ-1-Diabetes. Auch für die neueren Impfungen bzw. Abweichungen vom empfohlenen Zeitpunkt im Impfkalender fanden sich keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Typ-1-Diabetes.
Autor:
|
|
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2022; 13 (1) Seite 6-7
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Technik
Intelligente Einlegesohle: Sensortechnik soll Füße bei Diabetes schützen
2 Minuten
- Aus der Community
Die Kunst des Krieges: Kenne den Diabetes und dich selbst!
9 Minuten
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Über uns
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
Werde Teil unserer Community
Community-Feed
-
moira postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
-
bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen, 4 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
-
ole-t1 antwortete vor 3 Wochen, 2 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
-
-
thomas55 postete ein Update vor 1 Monat
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55-
crismo antwortete vor 6 Tagen, 11 Stunden
Hi Thomas 🙂
Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!
-
thomas55 antwortete vor 6 Tagen, 10 Stunden
@crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.
-
