Die Rettung vor dem „Selbstmord auf Raten“ – Teil #1

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Die Rettung vor dem „Selbstmord auf Raten“ – Teil #1

Das Zentrum für jugendliche Diabetiker liegt inmitten des grünen, hügeligen Sauerlandes in der kleinen Stadt Lüdenscheid. Es ist eine Einrichtung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die alle an Diabetes erkrankt sind und zu Hause Probleme damit haben – ob mit der Akzeptanz, der Therapie oder den familiären Umständen.

„Selbstmord auf Raten“

Auch ich bin dort hingezogen, nachdem ich den Diabetes jahrelang einfach schleifen ließ. Meine damalige Diabetologin legte mir das Zentrum ans Herz – sie wollte nicht länger dabei zusehen, wie ich „Selbstmord auf Raten“ beging.

Nicht selten verbrachte ich damals Wochenenden wegen einer Ketoazidose auf der Intensivstation. Den Katheter meiner Pumpe regelmäßig wechseln, für die Mahlzeiten bolen, überhaupt den Blutzucker messen… dafür hatte ich damals einfach keinen Kopf.

Im Aufenthaltsraum gibt es einen Tischkicker und einen Billardtisch

Letztendlich stimmte ich zu und zog 2011 nach Lüdenscheid, zunächst ins Haupthaus. Dort gibt es 5 Wohngruppen, eine Turnhalle, die Büros der Verwaltung, ein kleines Gästeappartement und einen Veranstaltungsraum. Außerdem findet man hier über zwei Etagen einen Aufenthaltsraum mit Tischkicker, Billardtisch und Sitzmöglichkeiten.

Auch ein hauseigener Schulungs-und Behandlungsraum mit kleinem Labor ist im Haupthaus integriert. Hier verbrachte ich die ersten zwei Jahre auf der Wohngruppe „Mark Twain“ mit 8 und zwischenzeitlich auch mal 9 weiteren Jugendlichen.

Vorbereitung für ein eigenständiges Leben

An das Hauptgebäude anschließend ist eine „außengelagerte Wohngruppe (AGW)“ untergebracht – also eine Wohngemeinschaft für drei Bewohner mit eigenen Bädern und einer Küche. Dort wohnt zurzeit auch immer noch ein Freund, der in Lüdenscheid seine Ausbildung macht.

Über die ganze Stadt verteilt findet man weitere Wohnungen oder kleine Wohngemeinschaften, die vom Zentrum angemietet werden, um einige Bewohner auf ein eigenständiges Leben vorzubereiten.

Meine letzten 2 Jahre in Lüdenscheid habe ich in einer eigenen Wohnung verbracht, die letzten paar Monate durfte dann auch meine Freundin mit einziehen.

Auch für Diabetiker mit starker körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung

Auf alle Wohnmöglichkeiten gerechnet können etwa 70 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene betreut werden. Auch für Diabetiker mit starker körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung wurde eine eigene Gruppe geschaffen, die besondere Betreuung bietet.

Die Bewohner auf den Wohngruppen sind im Schnitt zwischen 8 und 18 Jahre alt, in den ausgelagerten Wohnungen gibt es nur bedingt eine Altersgrenze. Ich verließ das Zentrum, als ich 20 Jahre alt war.

Betreuer sind rund um die Uhr erreichbar

Alle schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen besuchen verschiedene Schulen in Lüdenscheid, andere beginnen hier auch ihre Ausbildung oder arbeiten bereits, während sie noch vom Zentrum ambulant betreut werden. Hierfür steht ein großes Team 24 Stunden am Tag bereit.

Erzieher, Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, eine Psychologin, Diabetesberaterinnen, Ernährungsberaterinnen, Lehrer, Köche, Verwaltungsangestellte und Hauswirtschafterinnen decken eine ganze Palette an Angeboten und Leistungen für die Bewohner ab. Vor allem die Betreuer sind eigentlich Tag und Nacht erreichbar und kommen so auch im Notfall mitten in der Nacht zur Wohnung.

Förderung des Selbstbewusstseins

Während der Zeit im Zentrum soll natürlich trotzdem Stück für Stück das Selbstbewusstsein der Bewohner im (geschulten) Umgang mit dem Diabetes gefördert und auch die Selbstständigkeit im Alltag erlernt werden. Dazu später mehr…

Streicheleinheiten für Candy – die Diabetikerwarnhündin

Lüdenscheid selbst ist keine schöne Stadt – bietet aber trotzdem ein paar Freizeitangebote. Ein großes Einkaufszentrum, ein Schwimmbad, Kampfsportschulen, Sportvereine, Fitnessstudios, ein großer Stausee und auch ein Badesee liegen ganz in der Nähe.

Einige engagierte Leute organisieren regelmäßig Ausflüge oder Sporteinheiten im Zentrum selbst – Anja Renfordt zum Beispiel ist eigentlich jede Woche in der Turnhalle zu finden und macht Sport mit den Kindern und Jugendlichen, die Lust dazu haben. Andere kümmern sich um Candy, die sich gerne ihre Streicheleinheiten abholt!

Wer möchte, kann seine Eltern natürlich regelmäßig besuchen – die sind auch gern gesehene Gäste bei Schulungen, Gesprächen und Veranstaltungen!

…mehr über den Alltag und die Organisation im Zentrum für jugendliche Diabetiker erfahrt ihr nächsten Monat 🙂

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  • moira postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 6 Tagen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

    • Hi Thomas 🙂
      Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
      Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.

      Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!

    • @crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.

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