Ende der Pumpen-Plauderei

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Ende der Pumpen-Plauderei

Nachdem es beim ersten Mal aufgrund einer schmerzenden Einstichstelle scheiterte, hat Luca Anfang des Jahres der Pumpentherapie eine zweite Chance gegeben.

„Ja, ich will!“

Das Jahr 2013 ist exakt 17 Tage alt, als sich diese Szene abspielt. Luca hat seinen ganzen Mut zusammengenommen und bei der vierteljährlichen Generaluntersuchung im Kinderklinikum alle Fragen der Ärztin mit “Ja, ich will!” beantwortet.

Zwei Minuten später sitzt die Injektionsnadel knapp über seiner linken Pobacke – diese Stelle hat der Neunjährige für den ersten Probelauf ausgewählt. Mit Insulin versorgt die Pumpe Luca erst einmal nicht. Er soll zunächst herausfinden, ob ihm das Gerät an dieser Körperstelle angenehm ist oder nicht. Eine Entscheidung hat er fix getroffen: Er möchte eine Insulinpumpe.

Beim ersten Mal die Pumpe noch abgelehnt

Und das, obwohl er die Pumpentherapie Ende 2012 nach der ersten Euphorie abgelehnt hat, weil nach der Fixierung des Pumpenkatheters die Einstichstelle schmerzte. Im Januar 2013 widerlegt Luca den Slogan “Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance”, willigt für eine weitere Pumpen-Plauderei ein und lässt sich das Gerät testweise anlegen.

“Cool, nichts tut weh, und außerdem spüre ich kaum etwas”, sagt der Bub und strahlt. Wenige Tage danach fährt er mit seiner Schwester Schlitten, spielt mit seinem Bruder Fußball und trägt den Mini-Computer auch in der Schule. Die Schulung im März absolviert er mit Bravour. Zehn Tage muss er mit seiner Mama im Klinikum bleiben. Und das, obwohl er große Bedenken hat, als die Ärztin erklärt, was nüchtern bedeutet. Luca sauer: “Wie jetzt? Einmal am Tag nix essen? Das schaffe ich nicht!”

Er schafft es dann doch, während des Klinikaufenthalts je einmal auf das Frühstück und auf das Abendessen oder die abendliche Brotzeit zu verzichten, um die Insulinpumpe richtig einzustellen.

Pumpe bringt Luca auf kuriose Ideen

Ob es am (Teil-)Fasten liegt, dass er schon wieder einen Schabernack plant? “Papa, ich habe da eine Idee: Beim nächsten Kindergeburtstag stopfe ich mich mit Süßem voll und warte ab, wie die Kinder reagieren. Die wundern sich bestimmt, wenn ich nicht spritze. Sie wissen ja nicht, dass ich zuvor alles genau in die Insulinpumpe eingegeben habe. Toll, oder?”

Was sagt man als Vater in einem solchen Moment? Zunächst nichts! Man(n) freut sich darüber, wie sich ein junger Mensch seit seinem vierten Lebensjahr mit dem Handicap Diabetes abfindet und jetzt mutig einen weiteren Schritt in eine Zukunft geht, die ihm mehr Freiheit erlaubt als je zuvor.

Disziplin und Konstanz gehören auch zur Pumpentherapie

Wenig später machen meine Frau und ich Luca deutlich, dass er sich diesen Spaß aus dem Kopf schlagen soll. Wir erkären ihm außerdem, dass Begriffe wie Disziplin und Konstanz auch zur Insulinpumpentherapie gehören und dass er seinen Blutzuckerwert nicht regelmäßig nach oben treiben darf, wohl wissend, dass er ihn per Knopfdruck wieder flott regulieren kann.

Sollte ihm jedoch künftig außerplanmäßig der Sinn nach einem Fruchtjoghurt stehen, kann er das machen, was er im Grunde noch nie in seinem Leben gemacht hat: essen wie alle anderen, ohne dauernd zu fragen. Vorausgesetzt, er beherrscht die Pumpentherapie alleine. Das ist für uns alle – zumindest im Moment – ein ganz neues Lebensgefühl.

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von Michael Denkinger
Michael Denkinger (43) lebt mit seiner Familie nahe Memmingen und hat drei Kinder: Luca (10 Jahre), Angelina (13) und Timo (6). Er ist Inhaber der PR-Agentur Denkinger Kommunikation.

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2013; 62 (1) Seite 36

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  • Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

  • thomas55 postete ein Update vor 5 Tagen, 5 Stunden

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

  • sayuri postete ein Update vor 6 Tagen, 3 Stunden

    Hi, ich bin zum ersten Mal hier, um mich für meinen Freund mit Diabetes Typ 1 mit anderen auszutauschen zu können. Er versteht nicht alles auf Deutsch, daher schreibe ich hier. Etwa vor einem Jahr wurde ihm der Diabetes diagnostiziert und macht noch viele neue Erfahrungen, hat aber auch Schwierigkeiten, z.B. die Menge von Insulin besser abzuschätzen. Er überlegt sich, mal die Patch-Pad am Arm auszuprobieren. Kann jemand uns etwas über eingene Erfahrungen damit erzählen? Ich wäre sehr dankbar!🤗🙏
    Liebe Grüße
    Sayuri

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