IdeenExpo in Hannover: Berufswahl mit Diabetes

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© Kirchheim-Verlag
IdeenExpo in Hannover: Berufswahl mit Diabetes

Alle zwei Jahre lädt die IdeenExpo in Hannover zum großen Rundgang durch die Berufswelt, um Hilfe bei der Wahl von Ausbildung und Studium zu bieten. Eine Gruppe Jugendliche von den Diabetikern Niedersachsen ließ sich diese Gelegenheit nicht entgehen und verbrachte ein erkenntnisreiches Wochenende auf der bunten Messe.

Die Berufswahl ist für Teenager eine bedeutende Entscheidung, die ihren zukünftigen Lebensweg maßgeblich beeinflusst. Für Jugendliche mit Typ-1-Diabetes kommen zusätzliche Herausforderungen hinzu, da sie ihre gesundheitlichen Bedürfnisse in das Planen ihres Berufswegs einbeziehen müssen. Ein frühzeitiges Ausloten der Interessen und die daraus resultierende Orientierung machen es leichter, eine erfüllende und erfolgreiche Karriere zu verfolgen, die sowohl den persönlichen Interessen als auch den gesundheitlichen Anforderungen gerecht wird.

Berufsziel Polizei: Mit Diabetes Typ 1 bisher noch ein wortwörtlicher Traumberuf.
Zunächst wurden die Jugendlichen von einem ­Guide geführt, später erkundeten sie die Messe selbstständig und durch ihre Interessen geleitet.

Was ist eigentlich Typ F?

Der Begriff ist angelehnt an die Bezeichnung verschiedener Arten von Diabetes nach Typen (1, 2 und 3). Das “F” steht für “Familie und Freunde” und bringt zum Ausdruck, dass bei Erkrankung eines Kindes an einem Diabetes Typ 1 die ganze Familie und das ganze Umfeld betroffen ist, sozusagen einen “Diabetes” vom Typ F hat.

Erkenntnisse und Enttäuschungen

Die IdeenExpo in Hannover – Europas größte Messe, um den passenden Beruf zu finden – bot hier eine willkommene Hilfe zur Orientierung, die im Verein Diabetiker Niedersachsen organisierte Jugendliche mit Typ-1-Diabetes zu nutzen wussten. In Kooperation mit dem Projekt “Diabetiker Kids” des Rotary Clubs Bad Orb konnte ein zweitägiger Messebesuch organisiert werden, der es in sich hatte. Neben vielen positiven Erkenntnissen hielt er aber auch kleine Enttäuschungen parat.

Viele der angereisten Jugendlichen hatten ernsthaftes Interesse am Dienst bei der Polizei, sowohl Victoria (12 Jahre), Lina (14), Marie (14) als auch Angelina (16) hatten mehr als den Wunsch nach reinem Entertainment am Info-Stand der Polizei Niedersachsen. Doch nach Vorschrift ist der Dienst als Polizeibeamte für Menschen mit Typ-1-Diabetes ausgeschlossen. Nach Aussage von Katrin Schulz von der Polizei Niedersachsen sei das Risiko von Stoffwechsel-Entgleisungen im Einsatz beim Erstellen der Vorschriften wohl entscheidend gewesen.

Jule, 13 Jahre

Jule ist ein Paradebeispiel für einen Diabetes vom Typ F. Ihre große Schwester Angelina hat seit ihrem neunten Lebensjahr einen Diabetes Typ 1.

Zu Beginn der Erkrankung fühlte sich die fast drei Jahre jüngere Jule deshalb durchaus ein bisschen vernachlässigt. Doch frohen Mutes hat ihre Familie – auch durch das Einbringen in die Selbsthilfe – die Situation gemeistert und inzwischen ist Jule stolz, eine “Diabetes-Expertin” zu sein.

Beruflich kann sie sich etwas im feinmechanischen Bereich vorstellen. Besonders faszinierend fand sie auf der Messe den Themenkreis Robotik. Im Gegensatz zu ihrer Schwester interessieren sie aber mehr die Gelenke und Getriebe der Roboter als deren Platinen und die Programmierung.

Angelina, 16 Jahre

Angelinas Diabetes ist inzwischen sieben Jahre alt und die Schülerin der neunten Klasse hat sich inzwischen gut mit ihm arrangiert. Stolz berichtet sie, dass für sie inzwischen ein Leben ohne Follower-App auf dem elterlichen Handy angefangen hat, aber dass man dabei auch mal “auf die Klappe fliegt”, wie ihr eine Unterzuckerung im Schwimmbad kürzlich zeigte.

Dies bestärkte sie aber nur in dem Entschluss, künftig ihr Diabetes-Management allein zu betreiben. Denn es sei auch ein gutes Gefühl, selbst die notwendigen Gegenmaßnahmen rechtzeitig eingeleitet zu haben und durch Erfahrungen zu lernen.

Angelina hätte sich auch einen Job bei der Polizei oder Bundeswehr vorstellen können, hat aber Verständnis dafür, dass der Typ-1-Diabetes dafür immer noch ein Ausschlusskriterium ist. Sie hat großes Interesse an Robotern und ihrer Programmierung und besuchte auf der IdeenExpo stolz einen Stand ihrer Schule, die dort ihre Robotik-Projekte vorstellte.

In den biologischen Berufen, hier bei der Veranschau­lichung künstlicher Membranen, darf man auch mal mit Glibberkram hantieren.
Natürlich sterben auch die handfesten Berufe nicht aus.

Dienst an der Waffe – ein zweischneidiges Schwert

Beim angebotenen Zirkeltraining der Polizei Niedersachsen wurde das anschaulich. Enric (13) rutschte schneller in die Unterzuckerung, als er selbst erwartete. Noch mit einem Wert stabil bei 140 mg/dl (7,8 mmol/l) gestartet, gab es direkt nach dem Lauf einen Alarm: 44 mg/dl (2,4 mmol/l) – Tendenz stark sinkend. Enric steuerte natürlich sofort mit Traubenzucker und Cola gegen. Es zeigte sich aber deutlich, dass plötzliche körperliche Anstrengung auch für erfahrene Menschen mit Diabetes tückisch sein kann – handelte es sich doch nur um eine sehr kurze intensive Aktivitätsphase, zeigte die Stoppuhr des betreuenden Beamten doch gerade mal etwas über eine Minute an.

Die Thematik ist ein zweischneidiges Schwert. Katrin Schulz schloss aber nicht aus, dass diese Vorschriften sich aufgrund der sich verbessernden Lage bei den Hilfsmitteln irgendwann ändern werde. Während vor allem Angelina Verständnis für den Ausschluss zeigte, waren Lina, Marie und Victoria weniger damit zufrieden. Hatten alle drei doch erlebt, wie rasant die fortschreitende Technik doch bereits in ihrem kurzen Leben das Management des Diabetes enorm vereinfacht, verbessert und eben auch wesentlich sicherer gemacht hat.

Marie, Victoria, Lina, 14, 12 und 14 Jahre

Das auf der Expo stets zusammen auftretende Trio zeigte sich ziemlich betreten darüber, dass eine Sprecherin der Polizei Niedersachsen auf Nachfrage unmissverständlich klarstellte, dass die geltenden Dienstvorschriften in Niedersachsen eine Ausbildung zum Polizeibeamten von Menschen mit Diabetes Typ 1 derzeit leider unmöglich machen.

Die Mädchen können sich aber auch Berufswege in der Medizin vorstellen. Vor allem Victoria zeigt Interesse an der Diabetologie und Endokrinologie. Insgesamt sind die lebhaften Jugendlichen aber noch etwas unentschlossen bei der Berufswahl.

Phil und Leander, beide 14 Jahre

Phil und Leander sind bei Typ-F-Angeboten der Diabetiker Niedersachsen ein unzertrennliches Duo und haben die IdeenExpo größtenteils gemeinsam erkundet. Neben der Faszination für schnelle Autos stieß auch das klassische Handwerk auf ihr Interesse. Dennoch gehen ihre Berufswünsche in ganz andere Richtungen.

Phil träumt vom Grundschul-Lehramt und würde gern Sport und Englisch unterrichten und dabei ein Lehrer sein, der Verständnis für Kinder mit Diabetes hat. Dafür will er nun erstmal seinen erweiterten Realschul-Abschluss mit Bravour meistern, um dann die Oberstufe absolvieren zu können.

Unverblümt berichtet Leander, dass er fest eine Karriere als Immobilienmakler plant, weil dies finanzielle Sicherheit und Abwechslung verspreche. Der Teenager wirkt beeindruckend souverän und informiert, wenn er über seine Zukunft spricht.

The Future is now: Viele Aussteller aus dem Industrie­bereich boten Informations-Angebote, die auf Virtual-­Reality-Technologien basierten.
Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) gab spannende Einblicke in seine Studiotechnik.

Über den Tellerrand schauen

Die Messe bot natürlich auch eine Menge an zivilen Alternativen zum Dienst in Uniform. Von Kunststoff-Herstellung über klassisches Handwerk, Medizin, Biotechnologie, Informatik bis Game-Design war gefühlt alles vertreten. “Gefühlt”, weil die Angereisten trotz hoher Motivation gar nicht in der Lage waren, in zwei Tagen alles zu erkunden. Einigen wurde trotzdem bewusst, dass es lohnt, über den Tellerrand der bisherigen Vorstellungen hinauszugucken. Denn außer den sensiblen Bereichen steht auch Menschen mit Diabetes Typ 1 eine weite Welt an Berufsmöglichkeiten offen.

Uwe Hehl, Projekt “Diabetiker Kids” des Rotary Clubs Bad Orb

Das Projekt “Diabetiker Kids” riefen die Rotarier Bad Orb 2019 ins Leben. Schwerpunkt war ein Schulungsprogramm für Menschen, die in Schule, Kita und in anderen Bereichen mit Kindern mit Diabetes arbeiten. Daneben erarbeiten die Projektbetreiber auch praktische Angebote, die Kinder und Jugendliche mit Diabetes fördern, mit ihrer Krankheit selbstbewusst und kompetent umzugehen.

Unter dieser Maßgabe organisierte Uwe Hehl in Kooperation mit den Diabetikern Niedersachsen den Besuch der IdeenExpo und sorgte auch für dessen Finanzierung.

Über das Projekt gibt es eine informative Website: www.diabetikerkids.org

Dass zum Leben aber nicht nur Arbeit, sondern auch das Vergnügen in der Freizeit gehört, wurde beim Konzertabend im exklusiven VIP-Bereich, organisiert von Uwe Hehl, deutlich. Neben verschiedenen Pop-Newcomern und Local Heroes aus Hannover präsentierte sich der Rapper Cro am Samstagabend einem vollen Messegelände mit einem mitreißenden Konzert. So mitreißend, dass es manche der jugendlichen Besucher nicht im abgetrennten Bereich hielt, sondern diese den Raum vor der Bühne stürmten. Denn gut eingestellt ist natürlich auch das mit einem Diabetes Typ 1 kein Problem. Vor allem dann nicht, wenn man in einer starken Gemeinschaft aufeinander achtet.

Die Exponate aus dem Bereich der Robotik stießen auf großes Interesse und waren auch inspirierend für Berufswünsche.
Ein Samstagabend, der die Hüften zum Wackeln brachte: Cro rockte die Bühne und die Jugendlichen mit.

von André Owczarek

Avatar von andre-owczarek

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2024; 73 (8) Seite 38-41

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  • Hallo zusammen,
    ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!

    • Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.

    • @calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!

    • @uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
      Liebe Grüße

  • Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 3 Wochen, 3 Tagen

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

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