- Eltern und Kind
Nachgefragt | Medizin: Diabetes, Pubertät und Alkohol: Worauf ist zu achten?
3 Minuten
Das “Diabetes-Eltern-Journal” beantwortet Ihnen in jeder Ausgabe medizinische Fragen aus unterschiedlichster Perspektive. Besonder wichtig für Eltern von Kindern mit Diabetes sind daneben Fragen vor psychosozialem Hintergrund. Alle Fragen werden von ausgewiesenen Experten beantwortet.
Die Frage
Unsere Tochter, 15 Jahre, hat seit sieben Jahren Diabetes. Seit drei Jahren, seit sie in der Pubertät ist, schwanken die Blutzuckerwerte und der HbA1c-Wert ist höher als vorher, manchmal sogar über 8,0 Prozent! Anfangs war es viel einfacher, den Diabetes gut zu behandeln. Jetzt geht oft alles durcheinander, das macht uns ratlos.
Frau B.
Die Antwort von Dr. Wolfgang von Schütz
Sie sprechen ein sehr wichtiges Problem an, vielen Dank für Ihren Brief!
So wie Ihnen geht es den meisten Eltern von Jugendlichen mit Diabetes. Während der Pubertät fällt es fast allen Jugendlichen schwer, ihren Diabetes gut zu behandeln. Das hat viele Gründe: Jugendliche streben weg vom Elternhaus, sie wollen selbständig und eigenverantwortlich ihren Tag gestalten, sich mit Freunden treffen, reisen, die Welt erobern. Der Diabetes tritt in den Hintergrund, wird vernachlässigt und ignoriert. Zusammen mit ausgeprägten Stimmungsschwankungen der Jugendlichen kommt es dann oft zu heftigen Auseinandersetzungen in der Familie.
Aber auch von Seiten der besorgten Eltern gibt es manchmal Probleme: Nach vielen Jahren intensiver Fürsorge fällt es ihnen verständlicherweise schwer, ihr Kind loszulassen und in die Eigenständigkeit zu entlassen.
Sexualhormone setzen Wirksamkeit des Insulins herab
Darüber hinaus gibt es vor allem körperliche Ursachen für die Behandlungsschwierigkeiten während der Pubertät. So setzen z. B. Sexualhormone die Wirksamkeit des Insulins herab und tragen entscheidend dazu bei, dass die Blutzuckerwerte deutlich schwanken. Das sind einige wichtige Gründe für den Anstieg des HbA1c-Wertes in der Pubertät.
Sie sollten daher jetzt den Kontakt zum Behandlungsteam in der Diabetesambulanz intensivieren mit dem Ziel, den HbA1c-Wert bei Ihrer Tochter wieder zu verbessern, aber vor allem, dass sie schrittweise die Behandlung ihres Diabetes in die eigene Verantwortung übernimmt. Das ist ein längerer Prozess und fordert von allen Beteiligten Vertrauen, Einfühlungsvermögen und Geduld.
Alkohol: Nie alleine!
Man kann Jugendlichen, auch mit Diabetes, nicht verbieten, in Maßen Alkohol zu trinken. Einige wichtige Voraussetzungen müssen allerdings unbedingt beachtet werden: Jugendliche mit Diabetes sollten nie alleine Alkohol zu sich nehmen, sondern ausschließlich zusammen mit Freunden in der Gruppe bzw. in der Familie! Und sie sollten nie so viel Alkohol trinken, dass sie im Rausch die Kontrolle über sich selbst verlieren.
Alkohol hemmt die Glukoseneubildung in der Leber. Daher kann es nach Alkoholgenuss zu schweren Unterzuckerungen mit Bewusstseinsverlust kommen, der sich nicht mehr von einem echten Alkoholrausch unterscheiden lässt. Falls es zu einer schweren Unterzuckerung im Zusammenhang mit Alkohol kommt, muss man wissen, dass das Notfallmedikament Glukagon nahezu wirkungslos ist.
Alkohol und Tanzen: Blutzucker kontrollieren!
Insgesamt bedeutet das: Nie auf nüchternen Magen Alkohol trinken, immer vorher eine gute Grundlage schaffen. Und, ganz wichtig, während der Party häufig den Blutzucker kontrollieren, vor allem dann, wenn viel getanzt wird.
Wichtiger Tipp für Sie als Eltern: Verständigen sie sich mit ihrer Tochter darauf, dass Sie bei ihr nach der Party, zu Hause, wenn sie ausschläft, noch einige Male den Blutzucker messen. Die Neigung zu Unterzuckerungen kann bis mehrere Stunden nach der Party anhalten.
Aus Erfahrung wissen wir, dass die meisten Jugendlichen mit Diabetes nach gründlicher Aufklärung bzw. strukturierter Schulung diese Regeln beachten und sehr verantwortungsvoll mit Alkohol umgehen. Daher kommt es nur noch ganz selten zu gravierenden Problemen im Zusammenhang mit Alkohol. Es gibt gute Schulungsunterlagen zu diesem wichtigen Thema. Die Mitglieder des Diabetesteams geben Ihnen hierüber sicher gerne Auskunft.
Alkoholgenuss – ein paar Regeln
- Jugendliche mit Diabetes sollten nie alleine Alkohol trinken, nur mit Freunden oder in der Familie.
- Nie so viel, dass sie im Rausch die Kontrolle über sich verlieren.
- Es kann zu schweren Unterzuckerungen mit Bewusstseinsverlust kommen.
- Nie auf nüchternen Magen.
- Auf der Party häufig den Blutzucker kontrollieren.
von von Dr. med. Wolfgang von Schütz
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2014; 7 (1) Seite 20-21
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moira postete ein Update vor 6 Tagen, 17 Stunden
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 1 Woche, 4 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55
