Laubers Kolumne: Kochen für Typ-1-Diabetiker

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Laubers Kolumne: Kochen für Typ-1-Diabetiker

Hans Lauber wagt sich an die Frage: Wie lässt sich die Insulinmenge beim Typ-1 minimieren, und wie die Insulinwirkung maximieren?

Typ-1-Diabetes: Insulin-Spritzen ist maßgeblich

Ob ich nicht auch einmal für Typ-1-Diabetes bei der diabetestour kochen wolle, fragte kürzlich der Verlag. Gerne sagte ich zu, auch weil der sympathische Leichtathlet Daniel Schnelting bei der Tour am 26. Oktober in Hannover mein Gast sein wird. Der dreifache deutsche Meister über 200 Meter beweist eindrücklich, dass sportliche Spitzenleistungen auch bei Typ-1-Diabetes möglich sind.

Da ich mich aber prinzipiell nicht zu Typ-1-Diabetes äußere, fragte ich mehrere Ärzte nach einer adäquaten Ernährung. Meine Idee war, dass auch beim Typ-1 darauf geachtet wird, die zu spritzende Insulinmenge möglichst gering zu halten; darauf zu achten, dass das Hormon möglichst gut wirkt.

Aber bald merkte ich, dass ich damit wohl neben der therapeutischen Realität liege. Und die heißt zusammengefasst so: „Typ-1-Diabetiker können im Grunde alles essen, die korrekte Blutzuckereinstellung wird durch das Spritzen erreicht“.

Auch Typ-1-Diabetiker profitieren von „Messen! Essen! Laufen! “

Das Prinzip scheint ja gut zu funktionieren und ist von mir nicht zu hinterfragen. Allerdings weiß ich aus Leserzuschriften von Typ-1-Diabetikern, dass sich mit meiner Methode der Insulinbedarf deutlich reduzieren lässt. Auch hat mir aktuell eine Frau mit Typ-1-Diabetes aus Düsseldorf geschrieben, dass sie von Fit wie eine Diabetiker begeistert sei.

Denn bei ihr sei zusätzlich noch ein Typ-2-Diabetes ausgebrochen, den sie mit Hilfe der Lauber-Methode wieder in den Griff bekommen hätte. Ärzte bestätigen mir, dass durch das grassierende Übergewicht immer mehr Typ-1-Diabetiker zusätzlich auch noch einen Lifestyle-Diabetes haben.

Also macht es gerade angesichts des stark zunehmenden „Doppel-Diabetes“ Sinn, sich bei der kommenden diabetestour in der ersten von den drei Kochshows einmal diesem Thema zu widmen. Um 11 Uhr werde ich zusammen mit dem Spitzenkoch Uwe Steiniger folgende drei Gerichte zubereiten:

Salat, Gemüse, Bockshornklee: Was bei Typ1 hilft

Bin schon jetzt gespannt, wie Diabetes-Profi Daniel Schnelting diese drei Gerichte aus seiner Praxis kommentieren wird.

  • Endiviensalat mit Essig und Knoblauch. Die Endivie enthält sanfte Bitterstoffe, welche die Leberfunktion ankurbeln. Der Essig wirkt als Resorptions-Verzögerer, er lässt die Kohlenhydrate nicht so schnell ins Blut fließen, was die notwendige Insulinmenge reduziert. Und der Knoblauch enthält Stoffe, die das Insulin besser wirken lassen. Außerdem dämpft das Lauchgewächs Entzündungen. Und permanente Entzündungen gelten wiederum als ein wichtiger Diabetes-Auslöser.
  • Gemüse aus Lauch, Sellerie und Zwiebel. Eine kleine Parade der Ballaststoffe ist dieses zweite Gericht – und es ist eine kulinarische Herausforderung für Uwe Steiniger. Aber ich bin sicher, dass der erfahrene Koch, der auch Diätküche „drauf“ hat, eine gute Lösung findet. Sicher bin ich mir auch bei der Diabetes-Wirkung. Denn die Ballaststoffe, etwa das mehrkettige Kohlenhydrat Inulin im Lauch, dämpfen die gefürchteten Blutzuckerspitzen nach dem Essen, die sonst weggespritzt werden müssen. Außerdem enthält der Sellerie insulinähnliche Hormone. Auch wirkt das Knollengewächs basisch, beugt also Übersäuerungen vor, die im Verdacht stehen, Entzündungen auszulösen, was wiederum den Diabetes befördern kann.
  • Forelle, Wildreis, Bockshornklee. Die Forelle lockt mit wertvollen, herzschützenden Omega-3-Fetten, und sie ist leicht verdaulich. Prinzipiell gilt, dass fitte Fette, wie sie etwa im hochwertigen Olivenöl schlummern, ebenfalls den Blutzuckeranstieg dämpfen. Wildreis, der eigentlich ein Grasgewächs ist, hat einen niedrigen glykämischen Index, schont also die Insulinvorräte. Außerdem schmeckt er angenehm nussig. Bockshornklee, der Bestandteil aller Currys ist, gilt gleich in dreifacher Hinsicht als natürlicher Blutzucker-Balancierer: Er fördert sanft die Insulinproduktion, er lässt das Hormon besser wirken. Und er zügelt als Resorptions-Verzögerer die Kohlenhydratausschüttung ins Blut.

Chancen einer speziellen Küche für Typ-1-Diabetes

Welche interessanten Potentiale eine speziell für Typ-1-Diabetes ausgerichtete Küche böte, hat mir Prof. Morten Schütt erläutert: Der renommierte Lübecker Diabetologe hat eine Typ-1-Patientin, die kaum Insulin braucht, wenn sie zum Frühstück Haferflocken isst. Greift sie dagegen zu ungesundem Weißbrot, braucht sie rund die dreifache Menge von dem Hormon.

Eine weitere nachhaltige Möglichkeit, den Insulinbedarf zu senken, bietet nach Meinung des erfahrenen Klinikarztes Dr. med. Morten Schütt eine Insulinpumpe. Mit ihr lässt sich die Gesamttagesdosis im Vergleich zu einer intensivierten Insulintherapie um rund 25 Prozent reduzieren.

Das gesparte Insulin kann helfen, gefährliche Unterzuckerungen zu dämpfen – und es reduziert mögliche Gewichtszunahmen, die eine Ursache für den rapide steigenden „Doppel-Diabetes“ sind.

Früherer Behandlungsversuch: Haferkuren

Mit speziellen Haferkuren arbeitete auch die erste Diabetes-Klinik der Welt in Frankfurt. Der damalige Klinikchef Carl von Noorden konnte mit dem Getreide die Beschwerden seiner Patienten deutlich lindern.

Heilen konnte er seiner „Carl von Noorden-Privatklinik“ den Typ-1-Diabetes aber nicht, da es um 1900 noch kein künstliches Insulin gab. Dafür verschrieb er seinen Patienten einen ganz besonders wohlschmeckenden Blutzucker-Senker: Trockenen Wein. Die Privatklinik besaß deshalb einen der besten Keller mit großen Bordeaux-Weinen in Frankfurt.

Es wird Zeit, dass wir uns wieder der Von-Noorden-Diät besinnen!

Wer sich auf die diabetestour in Hannover einstimmen will, klicke hier


von Hans Lauber

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  • Hallo, ich bin noch ganz neu hier. Ich war heute beim T1day und bin dadurch auf den DiabetesAnker aufmerksam geworden. Ich bin Ende 20 und komme aus Berlin und bin auf der Suche nach anderen Menschen mit Typ 1 Diabetes (ungefähr in meinem Alter) zum Austauschen und Quatschen. Vielleicht hat ja jemand Interesse 🙂

  • jasminj postete ein Update vor 5 Tagen, 20 Stunden

    Hi,
    Ich bin Jasmin und gerade auf dem t1day 🙂 hab seit 23 Jahren Diabetes, aktuell mit Ypsopump und G7. Bin entweder in Hamburg oder Berlin anzutreffen und freue mich auf Kontakte und Austausch!

  • galu postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen

    hallo,
    ich bin d«Deutsche und lebe seit ca.40jahren in Portugal… meine Tochter, deutsch portugiesin, nun 27 ist seit ihrem 11.Lebensjahr Typ1.
    Nachdem ich, gleich nach der Diagnose, eine Selbsgthilfegruppe – die jungen Diabetiker der Algarve, gegruendet habe – finden wir nun so einige Beschraenkungen, was Selbsthilfe und relevante Info betrifft….meine Frage an die Gruppe:
    Kann mir jemand , irgendwo in Deutschland eine gute Diabetes Kur oder Kuren mit Hauptgewicht auf Diabetes empfehlen?
    Wir werden eh alles privat organsieren und bezahlen muessen – also sind eh nicht auf Krankenkassenangebote angewiesen (falls es diese ueberhaupt (wo?) geben sollte)
    Irgendwo in Deutschland (vielleicht nicht zuweit weg von internationalen Flughaefen, da wir ja immer aus Portugal kommen muessen.
    Hat vielleicht jemand eine Idee? vielen dank im Voraus

    • Hallo! Die beste Klinik für Diabetes ist in Bad Mergentheim! Ich hoffe Euch damit geholfen zu haben! Die Gesetzlichen Krankenkassen schicken die bei ihnen versicherten Diabetiker alle dahin! Privat geht aber auch? Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland!

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