Magersucht und Diabetes

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Magersucht und Diabetes

Ich war 13 Jahre alt, als die schlimmste Zeit meines Lebens begann. Ehrlich gesagt kann ich nicht genau sagen, was der Auslöser für die Magersucht war. Ich denke, es waren viele Faktoren, die mich in diese Situation gebracht haben.

In der heutigen Gesellschaft leiden immer mehr Menschen an Essstörungen und an einem hartnäckigen Perfektionismus (besonders Mädchen). Nur wenn man perfekt ist, wird man geliebt. Man muss die perfekte Schülerin sein, die perfekte beste Freundin, die perfekte Tochter oder Schwester. Und wie schafft man das? Durch perfekte Noten, den perfekten Körper, den perfekten Charakter… Ganz schön viele Aufgaben und ein großer Druck für ein so kurzes Leben.

Erst war es nur eine Diät, nichts weiter. Doch aus dieser Diät wurde mehr, immer und immer mehr. Ich habe dieses Gefühl geliebt, auf der Waage zu stehen und eine fallende Veränderung zu erkennen. Ich wollte mehr davon. Ich habe gemerkt, wie die Menschen mich ansahen. Ich war nicht mehr einfach das sensible und schüchterne Mädchen, für das mich alle hielten. Ich war ganz plötzlich was Besonderes, und ich bekam mehr Aufmerksamkeit.

In einer eigenen Welt

Ich sage immer wieder: Die Magersucht war die beste Freundin, aber zugleich auch der größte Feind. Neben diesen Glücksgefühlen auf der Waage hatte ich schließlich noch ein Leben, was ich nie gelebt habe. Ich selbst nahm dies eher nicht wahr. Ich war in meiner eigenen Welt, wo es nur mich und die Magersucht gab, mich und meinen Körper. Auch wenn ich es vielleicht nicht wahrnahm, meine Familie und Freunde taten es.

Mein Bruder sagte mir, dass er mein Lachen vermissen würde. Ich hatte es verloren und vergessen, wie schön das Gefühl ist, wenn man vor Lachen Bauchschmerzen bekommt. In den Jahren habe ich viel verloren und ganz besonders die Zeit. Zwei Jahre weggeworfen, zwei Jahre nicht gelebt.

Das Lachen kam zurück

Ihr könnt nicht glauben, wie froh ich war, als ich mein Lachen zurückhatte, als ich mein Leben wieder leben konnte, als ich einen großen Teil meiner Magersucht hinter mir gelassen habe. Ein etwas kleinerer Teil ist noch in mir. Keine Ahnung, ob ich diesen Teil je loswerden kann, aber eines ist sicher, ich kann mit ihm leben.

Diagnose Diabetes – die Welt bricht zusammen

Dann kam im Jahr 2016 die Diagnose Diabetes Typ 1 und die Worte des Arztes „für immer“. Ich habe mich auf einmal in einem dunklen Zimmer befunden ohne Licht und Tür. Für mich brach erstmal eine Welt zusammen. Ich hatte meine eine Krankheit doch erst vor kurzem überwunden und dann kommt direkt die zweite.

Es brauchte etwas Zeit, bis ich mich mit der Krankheit abfinden konnte, bis ich gemerkt habe, dass es gar nicht so schlimm ist. Man kann mit ihr leben und man verliert nichts. Anfangs lief alles gut, meine Werte waren sehr zufriedenstellend und mein Arzt bewertet sie mit einer 1-. Ein halbes Jahr später geschah genau das Gegenteil. Wahrscheinlich hätte ich nun eine 5 oder noch schlechter verdient. Meine Werte waren nicht einfach schlecht, sie waren lebensbedrohlich und das machte mir mein Arzt in einem Gespräch sehr klar.

Die Magersucht bekam wieder mehr Macht

Wie es zu so einem Umsturz kam? Ich habe nicht mehr gespritzt. Erst waren es nur so Phasen, ein oder zwei Tage, dann aber ließ ich das Insulin mehrere Wochen lang weg, sowohl Basal als auch Bolus. Klar, ich habe es natürlich gemerkt. Der Durst kam wieder, mein Harndrang, die Wadenkrämpfe des Nachts, ich war oft müde und in der Schule konnte ich mich auch nicht wirklich konzentrieren. Aber diese Dinge waren mir egal, denn ich habe noch etwas anderes gesehen. Ich nahm ab. Ich wusste, dass ich essen konnte, was ich wollte.

Solange ich kein Insulin spritzte, setzte sich auch nichts an. Man kann sagen, ich habe die Krankheit ausgenutzt und habe meiner Magersucht im Kopf wieder etwas Macht über mich und mein Leben gegeben. Durch das lange Weglassen des Insulins heilten meine Wunden auch nicht. Ich hatte eine Entzündung am Fuß, die aber nicht wegging. Erst als ich meine Werte wieder etwas in den Griff bekam, heilte sie.

Das Leben ist schön!

Eine Frage, die mir immer wieder in den Kopf kommt und die mein Arzt mir am Anfang des Gesprächs gestellt hat, war: „Angenommen du hättest eine Entzündung am Arm und diese wäre so ausgeprägt, dass du nur zwei Optionen hast. Entweder der Arm wird abgenommen oder du musst sterben. Was würdest du tun?“ Und ich kannte meine Antwort. Ich wollte leben. Egal ob mit zwei oder mit nur einem Arm, das Leben ist doch das Schönste und das darf man sich nicht wegnehmen lassen. Ich habe durch meine Magersucht schon so viel Zeit verloren und ich will mir nicht noch mehr nehmen lassen.

Genauso ist es mit dem Diabetes Typ 1 auch. Entweder wir akzeptieren unser Leben mit der Krankheit oder wir werden sterben. Meine Entscheidung habe ich getroffen. Ich will ein Leben mit Diabetes Typ 1. Denkt immer daran. Das Leben ist schön!

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  • moira postete ein Update vor 1 Tag, 9 Stunden

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

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