„Spielweg“: Wildwunder

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© Hans Lauber
„Spielweg“: Wildwunder

Das Echt essen-Gasthaus im November: Ein außergewöhnliches Wildmenü serviert Karl-Josef Fuchs im Münstertaler “Spielweg”: Neun kleine Gänge mit seltenen Spezialitäten wie Hirschherz zu einem erfreulich gastfreundlichen Preis

Wahrlich eine Traditionsadresse ist der “Spielweg” im schönen Münstertal bei Freiburg: Bereits 1705 wurde das Gasthaus erstmals in einer klösterlichen Urkunde erwähnt. Inzwischen ist aus dem kleinen Gasthof ein stattliches Landhotel mit vielen Anbauten, mit Wellness und großzügigen Zimmern geworden. Geblieben ist aber als Herzstück das Stammhaus mit seinen herrlichen Wirtsstuben, einigen Zimmern der preiswerteren Kategorie.

Verbindet Tradition und Moderne: Gasthaus Spielweg

Auf Wild hat sich Karl-Josef Fuchs spezialisiert, der Koch und Inhaber des Hauses. Er ist selbst Jäger, hat Standardwerke zur Wildküche verfasst. Zusammen mit dem Essenskritiker Jürgen Dollase hat er ein Wildmenü konzipiert, das bewusst auch die sonst selten servierten Teile des Wilds umfasst, etwa Innereien. Das Menü ist ein idealer Einstieg in eine längst vergessene Urküche – und das alles zu einem äußerst attraktiven Preis: Die neun kleinen Köstlichkeiten kosten gerade mal 42 Euro. Das Schönste: An ausgewählten Tagen wird das Menü noch bis Januar 2015 serviert.

© Hans Lauber
Gemütlich und frivol: Ungerer-Stube

Aus kleinen und größeren Räumen besteht das Gasthaus. Alle sind gemütlich und stilsicher eingerichtet, keine Spur von Kitsch. Es herrscht eine angenehme Atmosphäre, verstärkt durch den freundlichen Service unter der souveränen Leitung von Sabine Fuchs. Am Besten gefällt mir die “Ungerer-Stube”, benannt nach dem großen Elsässer Zeichner und Schriftsteller Tomi Ungerer, einem Stammgast des Hauses. Der lebensfrohe Ungerer, der Wein, Weib und gutes Essen liebt, hat für den Spielweg viele Originale geschaffen. Allein diese Stube lohnt den Besuch.

Wildwunder: Neun kleine Gänge, ein attraktiver Preis

Zügig aufgetragen werden die Gänge, nicht zu schnell, nicht zu langsam. Sehr angenehm: Auch wenn der Nebentisch schon zwei Gänge weiter ist, wird die Menüfolge nicht “eingependelt”. Eine bemerkenswerte Professionalität der Küche!

Gang 1: Wildgeflügel-Rillettes, Hirschleberparfait, Fenchelsalat

Es startet mit einem Rillette (im eigenen Saft gekochtes Fleisch) von Wildente und Fasan. Kommt dieses Gericht oft fettig daher, ist es hier fleischig-saftig. Ein kräftiger Genuss das halbmondförmige Hirschleberparfait (eine würzige Terrine). Einen frischen, verdauungsfördernden Kick gibt der Fenchelsalat – und die getrockneten Blaubeeren erden das Ganze. Fein dazu das angeröstete Brot vom heimischen Bäcker.

Gang 2: Rehschinken, Frischkäse, Honigwabe

Auf den ersten Blick verstörend: Honig und wunderbar saftiger Schinken. Auf den ersten Bissen ergänzen sich aber diese Komponenten zusammen mit dem Frischkäse aus eigener Manufaktur glänzend. Das mag auch daran liegen, dass die Honigwabe im Gegensatz zum “reinen” Honig nicht so süß schmeckt. Was der grüne Streifen ist, habe ich vergessen. Um so eindringlicher bleibt mir der intensive Duft der Tagetesblüte in Erinnerung – ein kleines Detail mit einem großen kulinarischen Effekt.

Gang 3: Waldpilze, gebratenes Hirschherz, Spinatknöpfle

Für mich der Höhepunkt des Menüs: Das in feine Streifen geschnittene, gebratene Herz vom Hirsch. So habe ich Wild noch nie gegessen, ein Erlebnis! Mancher mag den Kopf schütteln – Hirschherz. Ich bin der Meinung, wer gerne Wild isst, hat nicht nur Filet und Rücken zu genießen, sondern auch diese seltenen Teile – oder es ganz zu lassen. Dass solch großartige Innereien überhaupt auf den Tisch kommen, liegt daran, dass der Wirt Jäger ist. Sahnig-sämig die Sauce mit den Waldpilzen, passend die Spinatknöpfle, wie bei uns im Badischen die Spätzle heißen.


Nächste Seite: Gänge 4 bis 7: Jetzt wird’s mächtig +++ Mittags bekommt’s am Wohlsten +++ Wild ist bio pur: Mehr Natur geht nicht

Gang 4: Wildleberknödel auf Königsberger Art und Dampfkartoffeln

Intensiver als anderes Fleisch schmeckt Wild. Das kommt auch dem wunderbar fluffigen Knödel aus verschiedenen Wildlebern zugute. In einer leichten Sauce schwimmen die Kapern, die natürlich zur Königsberger Art gehören – und das Ganze leichter verdaulich machen. Zurückhaltend klug dazu die Dampfkartoffel mit Schnittlauch. Auch dieses Gericht wird auf ausgesprochen eleganten Tellern serviert.

Als Wein empfehlen kann ich den 2013er Riesling vom Weingut Ullmann aus der nahen Fauststadt Staufen für 6 Euro das Viertele. Kernig und saftig. Etwas weniger passend der 2013er Weißburgunder Kabinett vom Kaiserstühler Weingut Hiss aus Eichstetten. Ein zu fruchtiges Leichtgewicht.

Gang 5: Bachkresserahmsuppe mit gebratenem Zanderfilet

Ein angenehmer Gang zur Auflockerung: Ungemein intensiv die Rahmsuppe von der Kresse aus dem nahen Bach mit einem deutlich gerösteten Zanderfilet. Ein Gang, von dem ich einen ganzen Teller hätte löffeln können.

Gang 6: Wildwürste, Kutteln, Schnecken, Kalbsbries, Spätzle

Jetzt wird’s mächtig, jetzt grüßt das nahe deftige Elsaß: Nach eigenem Rezept hergestellt die angebratenen Wildwürste, dunkel geröstet die Kutteln, herrlich zart das Kalbsbries. Abgerundet das Ganze durch fein gewürzte Schnecken aus einer Zucht bei Freiburg und gekrönt von goldgelben Spätzle. Das muss nicht jeder mögen. Wer’s wie ich mag, ist begeistert. Gut, dass die Portionen so überschaubar sind, sonst wär´s zu viel.

So bekommt’s am Wohlsten: mittags

Wobei ich prinzipiell empfehle, dieses Menü mittags zu essen, das macht alles leichter verdaulich. Wer’s wie ich am Abend isst, braucht die Hilfe eines Hefe- oder Topinamburschnapses. Plus einen einstündigen Spaziergang durch den beleuchteten Kapellenweg in die Höhen des Schwarzwaldes Richtung Wiedener Eck.

Ausgezeichnet passt dazu der Spätburgunder von Martin Waßmer aus dem nahen Schlatt. Ein Winzer, der sein Geld mit der Massenproduktion von Spargeln gemacht hat, aber zum Ausgleich gute Weine produziert. Der 2009er ist jedenfalls seine 39 Euro wert, intensiv und vollmundig zugleich.

Gang 7: Wildschweinfilet, Birnen-Bohnen, Speck, Maronen

Schade, ausgerechnet der Hauptgang dieses ausgezeichneten Menüs schwächelt ein wenig: Leicht zu trocken gerät das geschmackstarke Wildschweinfilet. Um so besser gelingen die Bohnen mit Birnen, eine gute Kombination. Knusprig der Speck, köstlich die kleinen Kartoffeln.

Eine Wohltat die Maronen, schmecken sie doch nicht nur gut, sondern sind auch basisch, bändigen Säure. Da haben die Maronen bei diesem Menü eine Menge zu tun – und sie schaffen es natürlich kaum, diese geballten Säureladungen zu zügeln.

Bio at its best: Wild

Trotzdem ist dieses Menü zu empfehlen. Denn Wild ist bio pur, mehr unverfälschte Natur geht nicht, ernährt sich doch das Wild wesentlich von den Pflanzen des Waldes. Auch prunkt Wildfleisch mit der Aminosäure Taurin, die hilft, Fett besser zu verbrennen. Außerdem: Dieses Menü ist ein absoluter Glücksfall, schließlich ist es kaum sonstwo möglich, diese ausgefallenen Zutaten zu bekommen. Also, dem Glück nicht aus dem Weg gehen, sondern es einmalig genießen. Wer es für sich ernährungsphysiologisch optimieren möchte, lässt das ausgezeichnete Brot weg, verzichtet auf die Kartoffeln beim Wildschein – und rührt das wahrlich gute Dessert nicht an.


Nächste Seite: Dreierlei vom eigenen Käse +++Die süße Versuchung zum Schluss +++ Indian Summer im Schwarzwald

Gang 8: Dreierlei vom eigenen Käse

Wie es sich für ein echtes “Echt-Essen-Gasthaus” gehört, wird im Spielweg auch Eigenes produziert. Nämlich seit fast 20 Jahren Käse mit der Milch von Hinterwälder Kühen, die auf einem tausend Meter hoch gelegenen Hof beim nahen Schauinsland leben und dort saftige Gräser und Kräuter fressen.

Drei Sorten gibt es: Den aus der Molke hergestellten Frischkäse. Den würzigen Bergkäse (unten rechts), der mir besonders schmeckt und den zart schmelzenden Obermünstertaler Weichkäse. Die beiden letzteren lassen sich auch kaufen. Was sich lohnt, denn gerade der Bergkäse ist eine ausgezeichnete Delikatesse, die es so aus Deutschland nur selten gibt.

Gang 9: Mandelkuchenrolle mit Schokoglasur und Beereneis

Nicht widerstehen konnte ich der süßen Versuchung zum Schluss: Eine mit Mandeln gespickte Kuchenrolle mit Aprikosenkonfitüre und einer Schokoglasur, neckisch angekündigt als “Schokoladenrehrücken”. Dazu ein herrliches Eis, wohl Himbeeren mit einem Schuss Johannisbeeren. Natürlich ist es zu süß, aber es schmeckt prächtig.

Fazit: Eine ausgezeichnete Wildküche, die Lust auf weitere regionale Spezialitäten dieser gesegneten Landschaft macht.

Indian Summer im Schwarzwald: Sonnhaldeeck

Eine Schwarzwälder Bilderbuchlandschaft ist die Gegend rund um den Spielweg: Prächtige Bauernhöfe, grasende Kühe und Ziegen auf den Weiden, kaum störende Neubauten. Unbedingt empfehlen kann ich die knapp zweistündige Wanderung aufs Sonnhaldeeck. Der Weg führt vom Stammhaus vorbei am schönen Kräutergarten zum lehrreichen Bienenkundemuseum. Dort geht es dann rechts ab auf einem ziemlich steilen Weg nach oben.

Rund 300 Höhenmeter sind zu bewältigen – aber die Anstrengung lohnt sich: Vom Sonnhaldeeck bietet sich ein prächtiger Rundblick auf die herbstlich eingefärbten Schwarzwaldgipfel Schauinsland, Wiedener Eck, Belchen und Blauen. Nach Westen grüßen der mächtige Kaiserstuhl und die Berge der Vogesen. Ein idealer Auftakt für das spannende Wildmenü.

“Spielweg” Romantik Hotel, Familie Fuchs, 79 244 Münstertal, 076 36/70 90. Das ganze Jahr täglich mittags und abends geöffnet. Montag und Dienstag mit einer reduzierten Speisekarte. Das vorgestellte Menü ist unter dem Stichwort „Regio Tapas Menü“ zu buchen. Wann es angeboten wird, steht auf www.spielweg.com

Der hintergründige Humor von Tomi Ungerer kommt in dieser Zeichnung wunderbar zur Geltung. Mein Abschlussbild eines schönen Abends:

Wildes Weib, wilder Hirsch, zahmer Jäger: Tomi Ungerer


von Hans Lauber
E-Mail: aktiv@lauber-methode.de
, Internet: www.lauber-methode.de

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  • moira postete ein Update vor 2 Wochen

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 5 Tagen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

    • Hi Thomas 🙂
      Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
      Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.

      Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!

    • @crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.

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