TV-Reportagen werfen kritischen Blick auf Zucker

2 Minuten

© Fotolia
TV-Reportagen werfen kritischen Blick auf Zucker

Saccharose, Dextrose, Glukose oder auch Fruktosesirup – Zucker hat viele Namen und ist in nahezu allen industriell produzierten Lebensmitteln enthalten. Zwei Arte-Reportagen sehen hierin die Hauptursache für die weltweite Zunahme von Übergewicht und Folgeerkrankungen wie Diabetes.

Übergewicht und Diabetes sind global auf dem Vormarsch. Meist werden Bewegungsmangel und falsche Ernährung als Hauptursachen dieser Entwicklung genannt. Folgt man den Autoren zweier TV-Reportagen, die derzeit beim Sender Arte gestreamt werden können, ist es allerdings schwierig geworden, sich gesund zu ernähren und ungesunde Lebensmittel überhaupt zu erkennen. In Die große Zuckerlüge und in Dick, dicker, fettes Geld dokumentieren sie, wie die Lebensmittelindustrie es bislang schafft, eine strengere Kennzeichnung und Werbeverbote für besonders ungesunde Produkte zu verhindern.

Arte-Reportagen Dick, dicker, fettes Geld und Die große Zuckerlüge

Die These in Dick, dicker, fettes Geld, einer französischen Reportage aus dem Jahr 2020, lautet: Für Lebensmittel mit hohem Zuckergehalt müssten eigentlich die gleichen Regeln gelten wie für Tabakprodukte – eine Kennzeichnung auf der Verpackung, höhere Steuern und Werbeverbote. Umgesetzt wurde dies nach Angaben der Autoren in Chile, wo es bereits messbare Auswirkungen auf den Verkauf von gesüßten Getränken und Speisen hat. In Europa gibt es bislang jedoch keine politischen Mehrheiten für derartige Gesetze. Die Lebensmittelampel auf Verpackungen ist in Deutschland für die Hersteller freiwillig.

Der Film Die große Zuckerlüge ist eine kanadische Reportage aus dem Jahr 2013. Sie zeigt unter anderem die politische Lobbyarbeit der Nahrungsmittelhersteller in den USA. Kritisiert werden zum Beispiel irreführende Auszeichnungen von Lebensmitteln wie „ohne Zuckerzusatz“, die bei Verbrauchern den Eindruck erwecken können, ein Produkt sei gesund. Dabei enthalten zum Beispiel auch Fruchtsäfte ohne Zuckerzusatz ähnlich viele Kohlenhydrate wie Limonade oder auch Cola. Bereits ein Glas dieser Süßgetränke enthält mehr Zucker, als die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Maximalzufuhr für einen ganzen Tag empfiehlt.

Reportagen über Zucker noch bis Februar bzw. Mai 2023 in Arte-Mediathek verfügbar

Die Folgen der weltweiten Zunahme von Übergewicht sind gravierend. In Die große Zuckerlüge werden Kinder gezeigt, die bereits an Typ-2-Diabetes und einer Fettleber leiden. Dick, dicker, fettes Geld thematisiert unter anderem die medizinischen Auswirkungen der ungesunden Ernährung auf den Hormonhaushalt und die Darmflora. Da Zucker relativ billig ist und ein Suchtpotenzial besitzt, überfluten die Lebensmittelhersteller den internationalen Markt mit ungesunden Produkten, um ihren Gewinn zu erhöhen, lautet der Vorwurf in beiden Filmen. In einigen Entwicklungs- und Schwellenländern ist ein Liter sauberes Trinkwasser inzwischen teurer als ein Liter Limonade.

Der Film Die große Zuckerlüge kann noch bis 19. Februar 2023 kostenlos im Internet angeschaut werden. Dick, dicker, fettes Geld zählt bis 20. Mai 2023 zum Streaming-Angebot bei Arte. Beide Reportagen sind sehenswert und regen zum Nachdenken an. Wenngleich man kritisieren kann, dass die Argumentation bisweilen etwas einseitig und unausgewogen wirkt.


von Thorsten Ferdinand

Thorsten Ferdinand arbeitete von 2022 bis 2024 als Redakteur beim Diabetes-Journal (heute Diabetes-Anker). Er hat langjährige Erfahrung als Journalist und lebt selbst mit Typ-1-Diabetes.

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Typ-1-Diabetes: Wenn der Bolus nicht mehr im Mittelpunkt steht
Kohlenhydrate einschätzen, Insulin berechnen, Bolus abgeben – und das bei jeder Mahlzeit. Für Menschen mit Typ-1-Diabetes gehört diese Routine trotz moderner Diabetestechnik weiterhin zum Alltag. Gerade beim Essen im Restaurant, auf Reisen oder bei einem spontanen Snack kann das zusätzliche Aufmerksamkeit erfordern. Eine neue Funktion innerhalb der CamAPS FX App setzt genau hier an.
Typ-1-Diabetes: Wenn der Bolus nicht mehr im Mittelpunkt steht | Foto: mylife Diabetes Care

2 Minuten

Anzeige
Apotheker Manfred Krüger im Interview: Probleme erkennen und lösen
Der Apotheker Manfred Krüger aus Krefeld gehört seit Jahrzehnten wie ein stabiler Anker in die Diabetes-Szene. Für ihn ging und geht es immer um die Menschen, die Hilfe bei ihm suchen – und sie bekommen. Im Interview berichtet er über sein Engagement.
Apotheker Manfred Krüger im Interview: Probleme erkennen und lösen | Foto: Dirk Deckbar

14 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • Hallo, ich bin DT1 und trage seit etwa 1 Jahr eine Omnipod-Pumpe. Letztere löst seit mehrere Monaten eine Hautallergie an der Platzierungsstelle aus. Ich habe es bereits mit dem Cavillon-Spray und Pflastern (derzeit Omnifix von Hartmann und Unterpatch von My Sweet Stitch) für empfindliche Haut unter dem Pod probiert. Es hilft aber leider nicht oder nur bedingt, da auch mit Spray die Allergie ausgelöst wird und die Schutzpflaster nicht lange haften. Hat jemand vielleicht eine ähnliche Erfahrung gemacht und eine gute Lösung gefunden? Ich würde gerne weiterhin eine Pumpe tragen, wäre aber auch bereit das Modell zu wechseln, wenn es das Problem mit der Allergie löst. Ich bin um jeden Rat dankbar. Vielen Dank im Voraus 🙂

  • darktear postete ein Update vor 1 Tag, 14 Stunden

    Hallo,

    hat irgendwer der den Libre3 benutzt auch so massive Probleme ?
    Mein Kind hat ständig Ärger mit seinen Sensoren,selten wo mal einer durchhält. Entweder dauernd Sensorfehler oder ein neuer Sensor sitzt und nach kurzer Zeit kommt bitte neuen Sensor starten.
    Das kann ja nicht sein,ich hab selten mal einen Sensorfehler.
    Als ich das letzte mal bei denen angerufen hatte ,meinte dieser “sehr freundliche” Mitarbeiter nur es kann nicht sein das die so viele Fehler haben,es gab keinen Ersatz.
    Müßen wir jetzt ernsthaft selber Sensoren bezahlen?
    Weil bis der Nachschub kommt dauert es noch 🙁

    LG Sandra

  • uho1 postete ein Update vor 2 Wochen

    @calvin240
    Ich hätte eine Frage zum
    Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute