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Klammheimlich wurden die Ernährungsregeln geändert. Sie nähern sich jetzt dem, was Kolumnist und Erfolgsautor Hans Lauber seit über 10 Jahren empfiehlt.
So macht es sonst nur die Katholische Kirche: Ein scheinbar unfehlbares Dogma postulieren – und es irgendwann ohne weitere Begründung durch ein neues, scheinbar wieder unfehlbares ersetzen. Genau nach diesem Muster hat vor einigen Wochen die einflussreiche Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) ihre Regeln überarbeitet und ohne größere Kommentare veröffentlicht.
Überrascht hat viele Experten diese Revision. Überrascht hat sie auch mich. Nämlich, dass sie erst jetzt erfolgt. Denn viele Empfehlungen waren schon seit Jahren nicht mehr haltbar – und insbesondere für die Therapie des Typ-2-Diabetes waren sie geradezu kontraproduktiv. Ganz im Gegensatz zu den Empfehlungen, die ich in meinen Büchern, meinen Blogs seit über zehn Jahren vertrete. Hier die wichtigsten DGE-Änderungen, einschließlich meiner Anmerkungen:
Wurden bis Ende August 2017 noch „reichlich Getreideprodukte sowie Kartoffeln“ empfohlen, so entfällt der Hinweis auf die dick machenden Kohlenhydrate nun vollständig. Auch wird inzwischen in moderater Form vor dem Zucker gewarnt – für mich mit der stärkste Auslöser von Übergewicht und damit ein Hauptreiber des grassierenden Lifestyle-Diabetes. Sehr löblich ist die Empfehlung für Vollkornprodukte, sei es Brot, Nudeln oder Reis. Auch das ist den Lesern meiner Schriften seit langem bekannt und die Richtigkeit ist auch leicht nachzuprüfen: Einfach nach dem Verzehr von Weißmehlprodukten den Blutzucker messen. Er schießt nach oben, dick machendes Insulin wird ausgeschüttet.
Mehr als ein Wortspiel: Hieß es bis August 2017 noch „Obst und Gemüse“, lautet die Empfehlung jetzt „Gemüse und Obst“. An sich naheliegend: Frisches Gemüse strotzt nicht nur vor Ballast- und Vitalstoffen (wie natürlich auch Obst), aber es enthält in der Regel weniger Fructose, also Fruchtzucker. Dieser Zucker wurde bis vor wenigen Jahren noch auf Diabetes-Kongressen als „guter“ Zucker angepriesen – bis sich herausstellte, dass er auf Dauer noch viel schädlicher als „normaler“ Zucker ist, nachzulesen in meinem Kolumnengespräch mit Dr. med. Kai Hahn auf der Website des Kirchheim-Verlags.
Auch das hat mich seit Jahren gewundert: Die generelle Verteufelung von Fett. Schon im Jahr 2000 hat der Arzt und Apotheker Dr. med. Siegfried Schlett in meinem Buch „Schönkost“ gezeigt, wie wichtig gerade die Omega-3-Fette für ein fittes Gehirn sind. Deshalb heißt es in den neuesten DGE-Empfehlungen, dass die Qualität der Fette entscheidend ist – also keine gehärteten, keine Transfette, wie sie gerne in Fertigprodukten vorkommen. Also lieber etwa Rapsöl nehmen, wobei seltsamerweise keine Empfehlung für das Basisfett der Mittelmeerkost, das Olivenöl, ausgesprochen wird.
Jahrelang wurden die Eier als Cholesterinbomben verteufelt. Inzwischen hat es sich aber bis in die Ernährungswissenschaft herumgesprochen, dass der Körper den allergrößten Teil des Cholesterins selbst produziert. Deshalb wurde auch diese Obergrenze abgeschafft – wobei kein vernünftiger Mensch pro Tag mehr als drei Eier verzehrt. Außerdem habe ich neulich zusammen mit Prof. Hubert Kolb darauf hingewiesen, dass das angeblich so schädliche böse LDL-Cholesterin vielleicht gar nicht so schlimm ist. Ernährungslehre ist halt auch immer Erfahrungswissenschaft – und natürlich auch oft sehr stark von Industrieinteressen geleitet.
Befremdlich, dass Alkohol seit neuestem als „nicht empfehlenswert“ eingestuft wird. Natürlich ist übermäßiger Konsum schädlich. Aber in meinem Buch „Zucker zähmen“ hat der Diabetologe Prof. Kristian Rett analysiert, „dass alkoholische Getränke die Insulinwirkung verstärken, wobei der Wein am günstigsten zu sein scheint“. Seine Empfehlung: Rund drei „Achtele“ pro Tag für Männer. Meine Empfehlung: Ein 2016er Gutedel mit NULL Gramm Restzucker und 11 Prozent Alkohol vom Weingut Karlheinz Ruser aus Lörrach.
Fazit: Die neuen Regeln sind ein längst überfälliger Schritt in die richtige Richtung. Aber die Warnungen vor den gefährlichen schnellen Kohlenhydraten, dem Zucker gehören verstärkt – und Olivenöl gehört empfohlen!
Ein erster Schritt sind die neuen Empfehlungen. Aber wie sieht die Lebenswirklichkeit der Menschen aus? Nur die wenigsten sind in der Lage das Kleingedruckte zu verstehen; sind etwa in der Lage, die vielfältigen Tarnbezeichnungen zu dechiffrieren, hinter denen die Industrie den Zucker versteckt. Also braucht es einfache Anleitungen für den täglichen Einkauf, aber auch dafür, dass die ungesunden Dickmacher nicht mehr so billig angeboten werden können.
Wie so etwas aussehen müsste, hat Prof. Kristian Rett im Gespräch mit der FAZ Anfang November konkretisiert: „Viele Betroffene sind nicht vernünftig. Diese Bürger werden schutzlos dem Gewinnmaximierungsbestreben der Lebensmittelindustrie überlassen. Also müssen sich die Verhältnisse ändern. Konkret heißt das: Zuckersteuer auf Lebensmittel und Getränke, Verbot von Kindermarketing für zuckerhaltige Produkte und Ampelkennzeichnung für Energie-/Fett- und Zuckergehalt von Lebensmitteln“.
Schlicht zu früh war ich manchmal – etwa mit meinem „Diabetes Manifest“ aus dem Jahr 2011. Da habe ich schon eine „Sweet Tax“ gefordert. „Ach, ist der rechthaberisch“, werden jetzt wieder einige sagen. Mag sein.
Nur, wären meine Thesen früher umgesetzt worden, wäre viel menschliches Leid, wären viele Kosten erspart geblieben.
von Hans Lauber
E-Mail: aktiv@lauber-methode.de
Website: www.lauber-methode.de
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