Wie empfehlenswert sind Chia, Goji-Beeren & Co.?

2 Minuten

© exclusive-design – AdobeStock
Wie empfehlenswert sind Chia, Goji-Beeren & Co.?

Viele Menschen erhoffen sich aus dem Verzehr weit gereister Superfoods wie Chia, Açai oder Matcha eine Extra-Portion Gesundheit und Fitness. Wer sich klimabewusst und zugleich gesund ernähren möchte, der sollte jedoch lieber auf regionale und saisonale Ware zurückgreifen, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e. V. (DGEM).

Superfoods aus fernen Ländern liefern Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Damit sind sie aber nicht allein: Heimische Lebensmittel sind ebenso nährstoffreich. So enthalten getrocknete Goji-Beeren 48 Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm während in derselben Menge frischen schwarzen Johannisbeeren 181 Milligramm vorhanden sind. Quinoa liefert pro 100 Gramm 4,57 Gramm Eisen und im Hafer sind es 4,25 Gramm. In Brombeeren stecken mit 153 Milligramm pro 100 Gramm mehr Anthocyane als in Açai (111 Milligramm).

Superfoods oft verpackt in hoch verarbeiteten Lebensmitteln

Verpackt werden die Superfoods oft in hoch verarbeiteten Lebensmitteln. So gibt es beispielsweise Superfood-Müsli-Riegel wahlweise mit Açai oder Quinoa zu kaufen oder Toast mit Chiasamen. „Anbieter stellen den Gesundheitswert von Superfoods, die aus fernen Ländern zu uns kommen, gerne heraus. Ein hoch verarbeitetes Lebensmittel, das exotische Superfoods enthält, ist jedoch noch kein ernährungsphysiologisch günstigeres: Weißmehl-Toast bleibt Weißmehl-Toast, ob mit oder ohne Chia“, sagt Professor Dr. oec. troph. Dr. med. Anja Bosy-Westphal, Präsidentin der DGEM. Die Superfood-Müsli-Riegel enthalten oft ebenso viel Zucker wie herkömmliche Riegel. „Dass sie Superfoods enthalten, darf aus gesundheitlicher Sicht also kein Alibi für den Verzehr hochverarbeiteter Lebensmittel sein“, so Bosy-Westphal.

Erzeugung exotischer Superfoods hat häufig ökologische Nachteile

Jedoch auch als einzelne Zutat am heimischen Herd laufen lokale Superfoods den Exoten zunehmend den Rang ab. Verbraucherinnen und Verbraucher legen bei ihrer Kaufentscheidung immer mehr Wert darauf, wie, wo und womit das Lebensmittel produziert wurde. Die Erzeugung von Chiasamen & Co. bringt häufig ökologische Nachteile mit sich. Diese entstehen beispielsweise durch lange Transportwege und hohen Wasserverbrauch auf den Anbauflächen. Die wenigsten der weit gereisten Superfoods stammen aus nachhaltigem Anbau – mit oder ohne Bio-Label.

Kontaminationen schmälern das gesunde Image

Dass exotische Superfoods mit Pestiziden, Schwermetallen (Blei), aromatischen Kohlenwasserstoffen, Schimmelpilzen oder mit Salmonellen kontaminiert sein können, schmälert ihr gesundes Image ebenfalls. Zwar weisen pflanzliche Superfoods aus fernen Ländern eine bessere CO2-Bilanz auf als tierische Produkte, den heimischen Superfoods sind sie aber aus sozialer und aus ökologischer Sicht unterlegen. „Planetary-Health-Diet-konform – also einer sowohl gesunden als auch ökologisch und sozial vertretbaren Ernährung entsprechend – sind Superfoods erst, wenn wir sie in unseren Breitengraden anbauen, was zum Teil schon passiert, etwa mit Quinoa“, sagt Bosy-Westphal.

Heimische Lebensmittel sind ebenfalls „super“

Wer die Klimawirkung und die sozialen Folgen seiner Ernährung berücksichtigen möchte, dem empfiehlt die DGEM-Präsidentin, häufiger auf heimische Superfoods zurückzugreifen, etwa auf Schwarze Johannisbeeren und Sanddorn statt auf Goji-Beeren.

„Wer die weitgereisten Superfoods mag, kann sie aus ernährungsphysiologischer Sicht auf seinem Speisezettel stehen lassen – immerhin enthalten sie wertvolle Vitalstoffe,“ so die Leiterin der Abteilung Humanernährung an der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. „Es lohnt sich aber auch heimische Superfoods zu integrieren – schließlich ist es eine abwechslungsreiche, bedarfsgerechte und insgesamt ausgewogene Kost, die uns gesund und abwehrstark macht“, betont Bosy-Westphal.

Literatur
Kuchheuser et al.: Superfoods im Fokus: Ein kritischer Blick auf Chiasamen und Co. In: Aktuelle Ernährungsmedizin 2021; 46: 36–40.
https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/a-1209-2909

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e. V. (DGEM)

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Shirin Valentine im Interview: Positiv durchs Leben gehen – und diese Botschaft an andere weitergeben
Shirin Valentine im Interview: Positiv durchs Leben gehen – und diese Botschaft an andere weitergeben | Foto: Mike Fuchs

13 Minuten

Druckfrisch: die Themen im Diabetes-Anker 4/2026
Die neue Magazin-Ausgabe ist ab sofort erhältlich: Dr. Katrin Kraatz aus der Chefredaktion stellt die Themen des Diabetes-Anker-Magazins 4/2026 vor. U.a. geht es um die Früherkennung des Typ-1-Diabetes, präventive Maßnahmen, um das erhöhte Krebsrisiko durch Diabetes zu senken sowie Tipps für abwechslungsreiches Kochen im Single-Haushalt.
Druckfrisch: Das sind die Themen im Diabetes-Anker 6/2026 | Foto: Mike Fuchs / Konstantin Yuganov – stock.adobe.com / MedTriX

4 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • anseaticids postete ein Update vor 1 Tag, 18 Stunden

    Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.

    Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“

    Genau aus diesen Fragen heraus ist Hanseatic Kids entstanden: ein Herzensprojekt, das Kindern mit Diabetes im Alltag Sicherheit gibt und Familien entlastet.

    Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
    individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.

    So können Kinder lernen, wachsen und
    selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
    Unsere Mission ist einfach:

    ✔ Kindern Sicherheit geben
    ✔ Familien den Alltag erleichtern
    ✔ Kita- und Schulteams entlasten
    ✔ und vor allem: jedes Kind dabei unterstützen, frei und unbeschwert aufzuwachsen, trotz Diabetes.

    Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose oder wenn Unsicherheiten bestehen, sind wir an der Seite der Familien. Gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und Fachpersonal schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder sich wohlfühlen und ohne Angst lernen können.

    Dieses Projekt ist für uns mehr als Arbeit, es ist eine Herzensangelegenheit. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe, Freude und Freiheit. Wir möchten dazu beitragen, dass dies Wirklichkeit wird.

    Wer mehr über unsere Arbeit erfahren oder Unterstützung anfragen möchte, kann sich jederzeit melden:
    📧 moin@hanseatic-kids.de
    📞 040 851 59 747

    Uploaded ImageUploaded Image
  • Passend zu den kommenden Osterferien: Ein Backtipp für die ganze Familie: https://diabetes-anker.de/eltern-und-kind/wenn-diabetes-mit-im-osternest-liegt-gemeinsames-backen-mit-den-kindern/

  • Viele Menschen mit Typ-1-Diabetes berichten, dass sich ihr Insulinbedarf im Verlauf des Menstruationszyklus verändert – oft deutlich spürbar, aber bisher kaum systematisch erfasst.

    Genau hier setzt die TIMES-Studie an. Wir möchten besser verstehen, wie sich der Zyklus auf Glukosewerte und Insulinbedarf auswirkt – und wie Betroffene damit im Alltag umgehen.

    👉 Wen suchen wir?
    Personen mit Typ-1-Diabetes (18–40 Jahre), wohnhaft in Deutschland, mit regelmässigem Menstruationszyklus und Nutzung eines automatisierten Insulinabgabesystems.

    👉 Was bedeutet die Teilnahme?
    Dauer: 6 Monate, bequem alles von zu Hause aus
    Erfassung von Insulin-, Zyklus- und Aktivitätsdaten
    Als Dankeschön: Clue-Abo (1 Jahr), Garmin-Uhr (zum Behalten) + Aufwandsentschädigung (siehe Flyer)

    Mit eurer Teilnahme helft ihr, Diabetes-Technologien zukünftig besser an zyklusbedingte Veränderungen anzupassen 💙

    Mehr Infos im Flyer 👇

    Uploaded Image
Verbände