Kolumne | Zum guten Schluss: Grenzen – drüber oder drunter?

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© Kirchheim-Verlag/Christian Mentzel
Kolumne | Zum guten Schluss: Grenzen – drüber oder drunter?

Extreme sportliche Leistungen, gefährliche Mutproben, übermäßiger Alkoholkonsum: Insbesondere jüngere Menschen neigen gerne dazu, bis an ihre Grenzen der Belastung zu gehen – häufig auch darüber hinaus. Alex Adabei findet, dass man seine eigenen Grenzen nicht nur kennen, sondern auch respektieren sollte.

An die persönlichen Grenzen gehen: Anscheinend wollen das viele, denkt man z. B. an die vielen Marathonläufer. Ich bin kürzlich unfreiwillig an meine Grenzen gekommen: Ich hatte eine schlimme Lebensmittelvergiftung und musste erkennen, dass ich nicht so schnell wieder auf die Beine kommen konnte wie erhofft. Ganz kraftlos war ich und habe schließlich eingesehen, dass ich meine körperlichen Grenzen akzeptieren muss und es nichts bringt, beweisen zu wollen, dass ich schnell wieder so leistungsfähig bin wie gewohnt.

Viele gehen über ihre eigenen Grenzen hinaus

Oft scheint es mir aber – wenn ich andere beobachte oder z. B. von sportlichen Höchstleistungen lese oder einen Film darüber sehe – ein Spiel zu sein,die eigenen Grenzen auszutesten – eine Art Wette mit sich selbst und auch mit anderen, die einem so viel vielleicht nicht zutrauen.

Ein gewisser Ehrgeiz ist gut, aber so ein Spiel kann sehr schnell ernst werden, etwa bei gefährlichen Mutproben oder auch bei Alkohol. Und manchmal habe ich das Gefühl, dass manche, die z. B. wegen des Diabetes vielleicht noch ein bisschen sorgfältiger auf sich achten sollten als andere, geradezu zwanghaft beweisen möchten, dass ihre Grenzen sogar noch weiter gesteckt sind als die von Menschen ohne Diabetes.

Einfach nur zu leichtsinnig statt bewundernswert

Übermäßigen Alkoholkonsum würde ich in diese Schublade stecken und auch das Rauchen; beides tut keinem von uns gut, ist aber bei Diabetikern mit noch mehr bekannten Risiken verbunden. Und klar: So lange es gut geht, fühlt man sich unverwundbar. Schaut her, ich habe Diabetes, aber ich kann trotzdem all diese gefährlichen Dinge tun, ohne dass mir etwas passiert. Und ich kann sogar mehr vertragen als ihr, trotz des Diabetes! Ich lasse mich nicht einschränken, von nichts!

Kann sein, dass das ein Phänomen ist, das eher bei Jüngeren auftritt, die nach Bestätigung in ihrem Umfeld suchen, nach Bewunderung. So ganz jung bin ich ja nun nicht mehr, und ich war letztlich froh, dass mein Körper mir Grenzen aufgezeigt hat und dass ich irgendwann auch schlau genug war, sie zu beachten. Über Grenzen hinausgehen zu wollen und es auch zu tun – das ist nicht automatisch bewundernswert, sondern manchmal einfach nur zu leichtsinnig, um es auf Dauer zu betreiben.

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

von Alex Adabei

Alex Adabei war ein fiktiver Charakter im Rahmen der Kolumne „Zum guten Schluss“, die von 2013 bis 2024 im Diabetes-Journal erschienen ist. Hinter der Rolle als Frau mit vielen Bekannten und Verwandten mit Typ-2-Diabetes, die von ihren Typ-F-Erfahrungen berichtete, steckte ein echter Mensch, mit ähnlichem Hintergrund.

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2022; 71 (2) Seite 82

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