- Eltern und Kind
Nachgefragt | Psychologie: Braucht Kaja eine Integrationskraft für die Schule?
3 Minuten
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Die Frage
Unsere Tochter Kaja (5 Jahre) wird im nächsten Jahr in die Schule kommen. Sie hat seit zwei Jahren Diabetes, trägt eine Pumpe und besucht den Kindergarten halbtags, ohne dass es bisher zu Problemen bei der Diabetes-Behandlung gekommen ist. Im Gespräch mit anderen Eltern erhielt ich den Rat, mich frühzeitig um eine Integrationskraft für die Schule zu kümmern. Ich erlebe unsere Tochter nicht als beeinträchtigt und frage mich, ob das erforderlich ist.
Frau K.
Die Antwort von Prof. Dr. Karin Lange
Ob ein Kind mit Diabetes in den ersten Schuljahren einen Integrationshelfer benötigt, hängt von seinem Entwicklungsstand und der Unterstützung durch Lehrkräfte und Eltern ab. Ein klares “Ja” oder “Nein” gibt es nicht.
Zunächst sollten Sie wissen, dass Kinder mit Typ-1-Diabetes in ihrer schulischen Leistungsfähigkeit allgemein nicht eingeschränkt sind. In einer aktuellen Studie mit über 300 jungen Erwachsenen, die bereits in der Kindheit Diabetes bekommen haben, zeigte sich, dass diese Gruppe etwas bessere Schulabschlüsse erreicht hat als Gleichaltrige ohne Diabetes.
Kinder in den ersten Grundschulklassen sind jedoch mit der selbstständigen Behandlung überfordert. Sie benötigen Erwachsene, die sie an Blutzuckermessungen erinnern, die Messergebnisse interpretieren und überwachen, ob der richtige Bolus über die Insulinpumpe abgegeben wurde. Und im Notfall einer Unterzuckerung sollten sie sehr schnell Hilfe erhalten.
Kinder, die bereits zu Hause gelernt haben, altersgemäße Regeln zuverlässig einzuhalten, können dies auch auf die Schule übertragen. Viele Lehrkräfte sind inzwischen bereit, Kinder mit Diabetes zu unterstützen, nachdem sie von Diabetesberaterinnen und/oder Eltern darin geschult wurden.
Einige Kinderkliniken bieten außerdem strukturierte Vorbereitungskurse für Kinder vor dem Schuleintritt an, z. B. “Fit für die Schule” am Kinderkrankenhaus auf der Bult in Hannover. In einer Nachuntersuchung zeigte sich dabei für die große Mehrheit dieser Kinder, dass sie mit Unterstützung ihrer Eltern und Lehrer die Schule ohne weitere Hilfen erfolgreich besuchen. Weder ihre Stoffwechseleinstellung noch ihre Schulleistungen waren beeinträchtigt. Die Kinder sind gut integriert, selbstbewusst und haben keine Sonderstellung in der Klasse.
Infobroschüre für Lehrer
Die Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Diabetologie (AGPD) hat eine Broschüre speziell für Lehrer und Lehrerinnen entwickelt, in der alle wichtigen Dinge kurz und klar erklärt werden. Die Broschüre steht hier zum Download bereit.
Wenn Sie Ihre Tochter altersgemäß selbstständig und zuverlässig erleben und Sie sich gemeinsam mit den Lehrkräften um die Behandlung kümmern, ist aus meiner Sicht keine zusätzliche Hilfe notwendig. Diese würde eher dazu führen, dass sich Ihre Tochter stärker beeinträchtigt erlebt als sie in Wirklichkeit ist.
Es gibt aber auch Kinder mit Diabetes, die auf die Unterstützung eines Integrationshelfers (§ 53ff SGB XII) angewiesen sind, um eine Regelschule besuchen zu können. Dies kann der Fall sein, wenn die Lehrkräfte nicht bereit sind, das Kind ausreichend zu unterstützen oder das Kind mehr Überwachung benötigt als normal, weil z. B. zusätzlich eine ADHS vorliegt. Zusätzlich kann es auch manchen Eltern, bedingt durch starke berufliche Anforderungen oder andere schwierige Lebensumstände, schwerfallen, ein Grundschulkind mit Diabetes gemeinsam mit den Lehrkräften gut zu behandeln.
Die Schwierigkeit der Betreuung in der Schule liegt jedoch darin, dass Integrationshelfer für grundpflegerische Leistungen und alltagspraktische Tätigkeiten vorgesehen sind, nicht jedoch für die Behandlungspflege (Blutzuckermessungen, Insulingaben etc.). Es gibt zwar einige Beispiele engagierter Integrationshelfer, die sich auch dafür verantwortlich fühlen, sie sind aber nicht die Regel. Anderenfalls müsste die Behandlungspflege durch einen Pflegedienst geleistet werden.
Der gut nachvollziehbare Wunsch vieler Eltern nach einer kompetenten Diabetesbetreuung für ihr Kind während der Schulzeit ist daher in Deutschland – trotz vieler Fortschritte – noch nicht überall Realität.
Ich möchte Ihnen raten, mit Ihrem Diabetesteam über die Einschulung Ihrer Tochter, eine Schulung für Katja und eine Schulung der Lehrkräfte zu sprechen und zuversichtlich auf diesen neuen Lebensabschnitt zuzugehen. Diese Zuversicht und das Zutrauen, dass Sie Ihrer Tochter vermitteln, stärkt ihr Selbstbewusstsein und hilft ihr, den Diabetes nicht als große Beeinträchtigung zu erleben.
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal2014; 7 (4) Seite 22-23
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uho1 postete ein Update vor 8 Stunden, 20 Minuten
Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?
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diahexe postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag
Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?
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gregor-hess antwortete vor 3 Tagen, 14 Stunden
Liebe diahexe,
Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
Viele Grüße
Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion -
diahexe antwortete vor 3 Tagen, 9 Stunden
@gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.
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ckmmueller postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen
Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos
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diahexe antwortete vor 1 Woche, 1 Tag
Hallo, ich habe ein ähnliches Problem gehabt. Samstags neuen Sensor gesetzt, hat nach 2 Stunden aktualisiert, lief dann ein paar Stunden, wieder aktualisiert und dann aufgefordert den Sensor zu wechseln. Bis Montag hatte ich dann 4!Sensoren verbraucht. Habe dann einen neuen Transmitter geben lassen und eine völlig neue Einstichstelle gewählt. Danach ging es. Mein neustes Problem ist, dass sich meine Pumpe und mein Smartphone dauernd entkoppelt und sich dann stundenlang nicht mehr koppeln lassen. Manchmal muss ich dann die App neu laden bis es wieder funktioniert.
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