Stress lass nach!

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Stress lass nach!

Stress hat viele Gesichter und kann die Diabeteseinstellung beeinflussen. Stress kann aber auch durch den Diabetes verursacht werden. Darüber schreibt Dr. Gundula Ernst in dieser Ausgabe – und im nächsten Diabetes-Eltern-Journal geht es um konkrete Maßnahmen, mit denen es gelingt, den Stress zu reduzieren.

Unsere Reaktion auf Stress ist ein uraltes Muster unserer Gene, das wir bis heute wie alle anderen Säugetiere in uns tragen. Bei Bedrohungen wird es aktiviert und setzt zur Sicherung des Überlebens eine ganze Kaskade von körperlichen Reaktionen in Gang. So wird beispielsweise durch das Hormon Adrenalin der Herzschlag und die Atmung beschleunigt, gespeicherte Glukose und Fettsäuren werden freigesetzt und die Muskeln werden angespannt.

Dies alles dient dazu, den Körper blitzschnell auf eine Kampf- oder Fluchtreaktion vorzubereiten. Funktionen, die in der Situation nicht direkt für das Überleben benötigt werden (z. B. die Verdauung), werden gedrosselt.

Krankheiten und Stress sind eng miteinander verbunden. So ist Stress bei einigen Krankheiten ursächlich an ihrer Entstehung beteiligt. Bei anderen Krankheiten ist er zwar nicht für die Entstehung verantwortlich, beeinflusst aber den weiteren Krankheitsverlauf, und bei fast allen chronischen Krankheiten führt die tägliche Therapie zumindest hin und wieder zu Stress. Was wissen wir über den Zusammenhang von Stress und Diabetes?

Stress als Ursache des Typ-1-Diabetes?

Nach der Diagnose des Diabetes beginnen die meisten Familien, nach Erklärungen für den Ausbruch der Erkrankung zu suchen. Nicht selten stoßen sie dabei auf Belastungen und Konflikte im Vorfeld der Diagnosestellung und machen sich Vorwürfe, die Erkrankung dadurch verschuldet zu haben. Auch in älteren Büchern findet man teilweise die Meinung, dass Typ-1-Diabetes durch anhaltende emotionale Konflikte oder gravierende Verlusterlebnisse verursacht wird.

Diese Meinung ist heute so nicht mehr haltbar. Zwar fand man bei einer großen schwedischen Studie Hinweise darauf, dass erheblicher psychischer Stress vor allem in den ersten zwei Lebensjahren das Risiko für Typ-1-Diabetes erhöhen konnte, aber Stress ist dabei keinesfalls der einzige Einflussfaktor. Damit ein Diabetes entsteht, müssen viele Faktoren zusammenkommen. Insbesondere eine Stressbelastung direkt vor der Diagnosestellung kann höchstens eine ohnehin bevorstehende Manifestation beschleunigen.

Aber selbst wenn Stress verantwortlich für den Diabetes wäre, ist niemandem mit Schuldgefühlen geholfen. Starke Schuldgefühle oder Schuldvorwürfe gegen andere verhindern, dass man sich mit der neuen Situation auseinandersetzt und Wege findet, damit umzugehen.

Stress als Einflussfaktor auf den Verlauf des Diabetes?

Die meisten Menschen mit Diabetes machen die Erfahrung, dass Stress den Dia-
betes beeinflusst: Die Blutzuckerwerte schwanken stärker und der Insulinbedarf ist schwerer zu kalkulieren. Dies ist durch die körperlichen Vorgänge bei der Stressreaktion gut erklärbar:

  • Durch die Ausschüttung von Glukagon kommt es zu einem kurzen, schnellen Anstieg des Blutzuckers.
  • Durch die Hemmung der Verdauungstätigkeit wird Glukose aus den Mahlzeiten nicht oder nur verlangsamt ins Blut abgegeben, was die Gefahr von Hypoglykämien erhöht.
  • Bei langanhaltendem Stress wird vermehrt Kortisol (“körpereigenes Kortison”) ausgeschüttet, das u. a. die Wirksamkeit des Insulins reduziert und über verschiedene Wege zu einem Anstieg der HbA1c-Werte führen kann.

Auch indirekt hat Stress Einfluss auf den Diabetes. Unter Stress isst man unregelmäßiger und unkontrollierter und führt die Therapie nicht so gewissenhaft durch wie sonst. Wie Stress genau wirkt, ist aber schwer vorhersagbar und kann von Person zu Person und auch von Ereignis zu Ereignis sehr unterschiedlich ausfallen.

Diabetes als Ursache von Stress?

Über die Frage, ob Diabetes Stress verursacht, müssen Sie vermutlich nicht lange nachdenken. Spontan werden Ihnen viele Situationen einfallen, in denen Sie Stress erlebt haben. Rechts sind typische Stresssituationen zusammengestellt.

Die tägliche Umsetzung der sachgerechten Therapie bei gleichzeitiger Gewährleistung eines möglichst “normalen Kinderlebens” stellt sehr hohe Anforderungen an die Familien. Neue Technologien wie die kontinuierliche Glukosemessung unterstützen zwar, setzen die Familien teilweise aber noch mehr unter Druck. So ist es nicht verwunderlich, dass Eltern, insbesondere Mütter, von chronisch kranken Kindern, häufiger unter Ängsten, Depressionen und Posttraumatischen Belastungsstörungen leiden als Eltern ohne diese zusätzliche Belastung.

Maßnahmen gegen Stress

Der Abbau von Stress ist für das eigene Wohlergehen wichtig – und für das des Kindes. Selbst kleine Kinder merken, wenn ihre Eltern unter Druck stehen und reagieren selbst mit Stresssymptomen. Dies kann einen gefährlichen Teufelskreis in Gang setzen: Die Herausforderungen der Erkrankung führen zu Stresssymptomen -> Der Stress wirkt sich negativ auf die Stoffwechsellage aus -> Die schlechten Glukosewerte führen zu Stress -> … Mehr dazu in der nächsten Ausgabe

Typische Stresssituationen bei Typ-1-Diabetes
  • Angst und Verzweiflung bei der Diagnosestellung
  • Herausforderungen der täglichen sachgerechten Therapie mit Glukosemessungen, Insulindosierung, Einschätzung der Nahrungsaufnahme und anderer Einflussfaktoren
  • Überforderung durch den ständigen Entscheidungsdruck
  • Umsetzung der Therapie gegen den Willen des Kindes
  • Hilflosigkeit und Resignation, wenn die Werte schlecht sind
  • Schuldgefühle bei Therapiefehlern
  • Sorge wegen akuter Komplikationen und langfristiger Folgen
  • Zweifel, ob das Kind selbst bzw. andere es schaffen, die Therapie alleine umzusetzen
  • Kampf gegen Ausgrenzung in Kita, Schule, Freundeskreis und Sportverein
  • Auseinandersetzung mit Krankenkassen und anderen Einrichtungen
  • Anpassung des Familienlebens (z. B. Einschränkung der Berufstätigkeit, finanzielle Belastungen, Änderung der Zukunftsplanung, Vernachlässigung von Geschwisterkindern)

von Dipl.-Psych Dr. Gundula Ernst
Medizinische Psychologie, Medizinische Hochschule Hannover

Kontakt:
E-Mail: ernst.gundula@mh-hannover.de

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2018; 11 (1) Seite 14-15

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  • Liebe Leute, ich habe zwei neue Erfahrungen mach dürfen, die Ursächliche nicht so schön, woraus die 2. Erfahrung (notwendig gut) resultiert!

    Ich bin kein Liebhaber von Zahnärzten und meine dort geführte Gesundheitsakte ist mit einem riesigen “A” für Angspatient gezeichnet. Ende letzten Jahres ist mir beim letzten verbleibenden Weisheitszahn (nie Schmerzen gemacht) größeres Teil abgebrochen, ZA meint, da geht er nicht bei, weil Zahn quer liegt, allso OP, und danach könnte man sich über Zahnersatz unterhalten … ich natürlich in Schockstarre gefallen, – gleich am selben Tag bei OP-Zahnarzt Termin gemacht, vor Weihnachten nix mehr möglich, gleich Anfang Januar Termin bekommen, Röntgenbild lag dem Chirugen bereits vor. Vieles wurde besprochen, auch der Zahnersatz, wobei der Chirug gleich meinte, dass ausser WZ wohl 3 weitere Zähne raus müssten. Schock nr. 2! Ich wollte mir aber noch 2Meinung einholen und fand Dank guten Rat von Bekannten, einen anderen Zahnarzt, dem ich mein Leid und Angst ausführlich schildern konnte und der auch zum erstenmal die Diabetes in Spiel brachte … kurz um ein bisher bestes aufklärendes Gespräch, wie weit Diabetes auch auf die Zahne und Zahnfleisch gehen kann. Bei mir Fazit Paradontites. (die 1. unschöne Erfahrung). Der Weisheits- und daneben liegende Zahn sind inzwischen raus, – war super gute und schmerzfreie OP, danach keinerlei Schmerzen, durfte allerdings auch Antibiotika nehmen. Die 2. Erfahrung: ich konnte meine Insulindosies halbieren, – bei 10 Tg. Antbiotika, und nun 15 ohne Medizin noch anhaltend niedrige Insulinmenge, mit steigender festen Nahrungsaufnahme.

    Heute bei Diabetologen bestätigt, das Diabetiker besonders auf Ihre Zähne und Zahlfleich achten sollten. Da frage ich mich warum der Zahnarzt da nicht im Vorsorgekatalog von DMP aufgenommen ist.

    LG Wolfgang

  • laila postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes Typ 3c vor 1 Tag, 1 Stunde

    Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!

    • Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
      Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
      Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
      Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
      Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter!

    • @suzana: Ich danke Dir für die Nachricht.Könnten wir uns weiterhin austauschen?Es wäre so wichtig für mich.Vielleicht auch privat? Gebe mir bitte Bescheid…Ich kenne mich hier leider nicht so gut aus…Wäre echt super…😊

    • Hallo Leila, auch von mir ein herzliches willkommen. Auch meine Geschichte liest du im weiteren Verlauf.
      Zur “chronisch kalfizierende Pankreatitis” kann ich nix sagen, da ist immer das Gespräch mit dem Arzt/Diabetologen vorzuziehen, wie in allen Gesundheitsfragen. Was sagen Ärzte dazu, auch wg. der NICHTzunahme an Gewicht. Wenn ich mit einem Arzt nicht kann, oder dieser mir nicht ausreichende Infos gibt, schaue ich mich nach einem anderen Arzt/Diabetologen um, das ist Dein Recht, es geht um Deine Gesundheit!
      Sollte mit der Nichtzunahme noch mehr dahinter Stecken, vielleicht
      auch mal einen Psychologen in Deine Überlegung ziehen. Oder eine auf dich zugeschnittene Diabetes Schulung o.Ä., auch hier sollte Dich ein guter Diabetologe aufklären können.

      Soweit was mir im Moment einfällt. Lass es Dir gut gehen.

      Gruss Wolfgang

    • Hey Laila, du kannst mir gerne hier im Typ 3c Bereich oder via PN schreiben. Ich bin gerade zwar etwas gesundheitlich angeschlagen, versuche aber, so gut es geht zu antworten.

  • vio1978 postete ein Update vor 2 Tagen, 11 Stunden

    Habe wieder Freestyle Libre Sensor, weil ich damit besser zurecht kam als mit dem Dexcom G 6. ist es abzusehen, ob und wann Libre mit d. Omnipod-Pumpe kompatibel ist?🍀

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