Wie führt Dauerstress zu Übergewicht?

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© Luis Louro - Fotolia
Wie führt Dauerstress zu Übergewicht?

Menschen, die ständig gestresst sind und viel Fettiges und Süßes essen, könnten einen Mechanismus im Gehirn auslösen, der besonders schnell übergewichtig macht. Das Hormon Insulin scheint dabei eine Rolle zu spielen. Ein australisches Forscherteam hat die Zusammenhänge am Tiermodell untersucht.

Durch Stress nimmt bei Vielen der Appetit zu. Insbesondere fett- und zuckerhaltige Lebensmittel wie Chips oder Schokolade sind dann gefragt. Warum das so ist und was das Gehirn damit zu tun hat, haben australische Forschende untersucht. Das Hormon Insulin und das Molekül Neuropetid Y (NPY) sind an diesem Prozess beteiligt. NPY wird im Gehirn produziert, genauer im Hypothalamus, und steuert das Hungergefühl. Nach einer Mahlzeit sinkt der NPY-Spiegel im Normalfall wieder.

Appetitsteigernde Moleküle nehmen unter Stress zu

Wie sich im Tiermodell zeigte, produziert das Gehirn unter Stress wesentlich mehr dieser appetitregelnden Moleküle als ohne. Unter Stress wird das Molekül NPY nicht nur im Hypothalamus produziert, sondern auch in einer weiteren Hirnregion: der Amygdala. In diesem Teil des Gehirns werden unter anderem Stress und Emotionen verarbeitet.

Bekamen die Mäuse nur kalorienreiches Futter, stieg der NPY-Spiegel unter Stress weiter an. In der Folge aßen sie noch mehr. Erhielten die Tiere in stressfreier Umgebung normales Futter, sank die Konzentration der Appetit-Moleküle in beiden Gehirnregionen. Schalteten die Forschenden die Produktion des NPY-Moleküls in der Amygdala aus, verlangsamte sich die Gewichtszunahme.

Insulinresistenz im Gehirn beeinflusst Sättigungsgefühl

Das Wissenschaftlerteam untersuchte daraufhin die Nervenzellen in der Amygdala und beobachtete, dass sie Insulinrezeptoren besitzen. Das Hormon Insulin ist normalerweise eine Appetitbremse: Mit einer Mahlzeit steigt der Insulinspiegel und schleust den Zucker in die Körperzellen. Sind sie ausreichend versorgt, löst das im Gehirn ein Sättigungsgefühl aus.

Allerdings stieg bei den gestressten Mäusen die Menge an Insulin durch das fettige Futter um etwa das Zehnfache an, im Vergleich zu den Tieren, die sich unter Stress normal ernährten. Die Nervenzellen wurden insulinresistent und reagierten nicht mehr. Die Produktion des NPY-Moleküls stieg an. Die Tiere waren immer noch hungrig und wurden dick.

Laut den Studienautoren seien ihre Erkenntnisse, die im Fachjournal ‚Cell Metabolism‘ publiziert wurden, durchaus auf den Menschen übertragbar, da der Stoffwechsel ähnlich arbeite. Sie empfehlen deswegen Menschen, die unter Dauerstress stehen, besonders darauf zu achten, was sie essen. Allerdings sei noch mehr Forschung zur Wirkung von Insulin im Gehirn nötig.


Quelle: Diabetesinformationsdienst München

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  • moira postete ein Update vor 1 Woche

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

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