Beschäftigungsverbot bei Schwangerschaft mit Typ-1-Diabetes 

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Beschäftigungsverbot bei Schwangerschaft mit Typ-1-Diabetes 

Sich um seinen „ganz eigenen“ Typ-1-Diabetes zu kümmern ist manchmal nicht leicht. Auch ich drückte mal die Augen zu, wenn ich den Essensbolus vergessen habe oder über den ganzen Arbeitstag nicht aufs CGM-System geschaut habe. Als ich schwanger war, ging das natürlich nicht mehr. 

Strenge Blutzucker-Einstellung 

Plant man eine Schwangerschaft, sollte der HbA1c-Wert drei Monate vor Empfängnis bei unter sieben Prozent liegen. Bei Frauen mit einem Wert über 7 Prozent muss die Blutzucker-Einstellung schnellstmöglich optimiert werden, um Schäden für das Kind zu vermeiden.  

In der Schwangerschaft gelten ziemlich strikte Zielbereiche:

  • vor dem Essen: 60 bis 90 mg/dl (3,3 bis 5,0 mmol/l)
  • eine Stunde nach dem Essen: weniger als 140 mg/dl (7,7 mmol/l)
  • zwei Stunden nach dem Essen: weniger als 120 mg/dl (6,6 mmol/l)
  • vor dem Schlafengehen: 90 bis 120 mg/dl (5,0 bis 6,6 mmol/l)
  • nachts (etwa zwei bis vier Uhr): 60 bis 90 mg/dl (3,3 mmol/l) 

(Quelle: familienplanung.de)

Was ist ein Beschäftigungsverbot?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen behördlichem bzw. betrieblichem Beschäftigungsverbot und ärztlichem bzw. individuellem Beschäftigungsverbot. Bei behördlichem bzw. betrieblichem Beschäftigungsverbot stellt die Ausübung der Tätigkeit eine Gefahr für die Mutter und/oder das ungeborene Kind dar. Dies ist z.B. der Fall bei Fließbandarbeit, Arbeit mit erhöhtem Infektionsrisiko oder Nachtarbeit. 

Das ärztlichen bzw. individuelle Beschäftigungsverbot wird nach Einschätzung eines Arztes bzw. einer Ärztin von diesem bzw. dieser ausgestellt, wenn es z.B. Komplikationen in der Schwangerschaft gibt, die bei weiterer Ausführung der Arbeit die Gesundheit des Kindes gefährden. Hierzu können (Vor-)Erkrankungen der Mutter zählen oder gesundheitliche Komplikationen durch die Schwangerschaft wie z.B. Probleme mit der Plazenta. Besondere Umstände auf Arbeit, wie z.B. extremer Stress oder Mobbing, können auch zum individuellen Beschäftigungsverbot führen. Außerdem kann neben dem vollen Beschäftigungsverbot auch ein Teilbeschäftigungsverbot ausgesprochen werden. Hier werden die Stunden auf eine bestimmte Anzahl pro Tag oder Woche reduziert, z.B Bei. Stehender Tätigkeit und starken Rückenschmerzen (weitere Infos unter familienportal.de). 

Bei unseren Nachbarn in Österreich, gibt es übrigens medizinische Indikationen für die Freistellung. Insulinpflichtiger Diabetes gehört dazu und garantiert somit ein Beschäftigungsverbot dort. 

Positiver Schwangerschaftstest: Freude und Angst 

Als ich meinen positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt, war die Freude groß, jedoch auch die Angst vor so vielem. Aufgrund hormoneller Störungen bei mir konnten wir nur durch künstliche Befruchtung schwanger werden. Wir hatten also zu diesem Zeitpunkt schon viel Stress, Tränen und Geld in unser kleines Wunder investiert. Statistisch gesehen sind Fehlgeburten und Abgänge in solchen Fällen zusätzlich viel höher.

Fotos: privat.

Auch wenn ich meinen Job sehr mag, kann er oft wirklich sehr stressig sein und im Tech Start Up ist die ein oder andere Überstunde auch nicht ungewöhnlich. Und dann ist da ja noch der Diabetes. Ich bin mit einem HbA1c von 5,5% schwanger geworden und hatte eine TIR von rund 65-70% . Das ist laut meiner Ärztin echt super. Allerdings hat mich das schon sehr viel Kraft gekostet und da waren mir Wutboli mit anschließender Hypo oder meine gelegentlichen “Mittagspausen” mit schnellem Essen vorm PC, bei dem man mal eben den Bolus vergessen hat, relativ egal. Sowas durfte jetzt natürlich nicht mehr vorkommen.  

Büroarbeit und trotzdem Beschäftigungsverbot 

Die ersten Wochen war ich noch entschlossen, ganz normal weiterzuarbeiten. Nachdem ich mich aber immer mehr in den Diabetes reinsteigerte und die Morgenübelkeit mir gerne mal die Werte versaut hat (wenn ich überhaupt mal vor Nachmittag was essen konnte), entschloss ich mich, mit meiner Diabetologin darüber zu reden. Diese legte mir schon aufgrund der Stresssituation, in die ich mich auch selbst begab, ans Herz, die Arbeitszeit zu reduzieren. Sie selbst wollte kein Beschäftigungsverbot aussprechen, schrieb aber eine Empfehlung für den Gynäkologen.  

Mein Partner und ich besprachen die Möglichkeiten und fanden beide, dass ein Teilbeschäftigungsverbot gut passen würde. Damit fuhr ich die ersten ca. fünf Monate der Schwangerschaft echt gut. Wenn ich mich morgens übergeben musste, ging ich später zur Arbeit. Im Homeoffice machte ich längere Mittagspause oder ging kurz aufs Laufband, wenn der Blutzucker nach dem Essen nicht so ganz nach unten wollte. Alles ohne Druck, bis abends um 20 Uhr die versäumte Zeit nacharbeiten zu müssen. Außerdem nahm ich mir viel mehr Zeit, bewusster auf meine Werte zu achten.  

Circa ab der 30. Schwangerschaftswoche ging mein Insulinbedarf dann durch die Decke. Die Pumpe kam nicht mehr nach und ich musste zu jedem Essen mit dem Pen nachspritzen, weil auch die Katheter und die Haut so riesige Mengen an Insulin nicht gepackt haben. Gefühlt alle zwei Wochen musste ich die Faktoren umstellen. Aufgrund dessen beschloss mein Arzt, kurz nach Jahreswechsel, mich nun ins vollständige Beschäftigungsverbot zu schicken. 

Fazit 

Ein Beschäftigungsverbot mit Typ-1-Diabetes ist immer individuell und abhängig von der Situation, in der sich Mama und Kind befinden. Wer sich mit Diabetes fit und wohl fühlt, kann in der Schwangerschaft natürlich wie gewohnt weiterarbeiten. Wer Bedenken hat und sich verständlicherweise auf ein gutes Diabetes-Management konzentrieren will, kann mit Diabetologen, Gynäkologen oder Hausarzt über ein Beschäftigungsverbot sprechen. 

Man sollte sich dadurch auf keinen Fall „schwach“ oder „nicht belastbar“ fühlen, wenn man sich entscheidet, ein Beschäftigungsverbot zu beantragen. Das wichtigste ist, dass es Mama und Kind gutgeht! Und ein schlecht eingestellter Diabetes in der Schwangerschaft kann leider auch heutzutage noch verheerende Folgen für das Kind haben. 


Hier findest Du weitere Beiträge zum Thema Diabetes und Schwangerschaft.

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  • moira postete ein Update vor 11 Stunden, 53 Minuten

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 1 Woche

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

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