Gutachten wegen Diabetes angefordert: So läuft eine verkehrsmedizinische Untersuchung ab

3 Minuten

Gutachten wegen Diabetes angefordert - So läuft eine verkehrsmedizinische Untersuchung ab | Foto: Studio Romantic - stock.adobe.com
Foto: Studio Romantic - stock.adobe.com
Gutachten wegen Diabetes angefordert: So läuft eine verkehrsmedizinische Untersuchung ab

Auslöser für ein Gutachten zur Fahrerlaubnis ist in der Regel eine Aufforderung der Fahrerlaubnisbehörde z.B. bei Neuerwerb der Fahrerlaubnis, bei Verlängerung der Fahrerlaubnis für Berufskraftfahrer oder im unerfreulichen Fall eines Unfalls. Auch Betriebsärzte können ein Gutachten anfordern, z.B. für Gabelstapler-Fahrer. Rechtsgrundlage ist die Fahrerlaubnis-Verordnung. Wie eine solche verkehrsmedizinische Untersuchung für Menschen mit Diabetes abläuft, erklären wir hier.

Die Fragestellung für eine Fahrerlaubnis-Begutachtung ist immer: „Ist der Bewerber trotz seines Diabetes geeignet, sicher ein Kraftfahrzeug zu führen?“ Der Gutachter sollte ein Diabetologe mit der Zusatzbezeichnung Verkehrsmedizin sein, nicht jedoch der behandelnde Arzt. Den Anlass zur Begutachtung sollte man beim Vereinbaren des Termins benennen und das Schreiben mitbringen.

Das Gutachten soll die Frage beantworten, ob die Person zukünftig ein Kraftfahrzeug sicher führen kann. Sie muss den Gutachter davon überzeugen, dass sie alles tut, um eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) am Steuer zu verhindern. Dies unterscheidet sich zentral von der Vorstellung zur Behandlung, die ja dem Verhindern von Folgeerkrankungen dient.

Anforderungen an ein Gutachten

Die Begutachtung erfolgt nach den „Begutachtungsleitlinien“ der Bundesanstalt für Straßenwesen. Diese führen aus: „Gut eingestellte und geschulte Menschen mit Diabetes können Fahrzeuge beider Gruppen (Anmerkung des Autors: privat und beruflich) sicher führen. Die Gefährdung der Verkehrssicherheit geht beim Diabetes mellitus in erster Linie vom Auftreten einer Hypoglykämie mit Kontrollverlust, Verhaltensstörungen oder Bewusstseinsbeeinträchtigungen aus. Eine ungestörte Hypoglykämie-Wahrnehmung ist Voraussetzung für die Fahreignung.“

„Gut eingestellt“ bedeutet: Es gab keine Unterzuckerung mit der Notwendigkeit von Fremdhilfe in den letzten 12 Monaten, keine Ketoazidose (Übersäuerung des Körpers aufgrund massiven Insulinmangels), keine Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung. Das unterscheidet sich wesentlich von der „guten Einstellung“ für die Diabetes-Behandlung. Um Unterzuckerungen zu verhindern, wird, insbesondere bei Berufskraftfahrern, eher ein HbA1c um oder etwas über 7 % angestrebt.

Bei Personen mit Insulinbehandlung wird er sich die Stoffwechsel-Dokumentation und den Gesundheitspass Diabetes ansehen, denn besonders bei ihnen besteht ein erhöhtes Risiko für Hypoglykämien. Je vollständiger die Unterlagen sind, umso besser ist es.

Dieser Text steht nur eingeloggten Community-Mitgliedern zur Verfügung.

Melde dich jetzt kostenlos an, um diesen Beitrag lesen zu können.

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Schwerbehinderten-Ausweis und Führerschein: Arbeiten Behörden zusammen?
Manche Menschen mit Diabetes haben Bedenken, dass ein Antrag für einen Schwerbehinderten-Ausweis zu Problemen mit dem Führerschein führen könnte, da die Fahrerlaubnisbehörde und das Versorgungsamt beim gleichen Behörden-Träger angesiedelt sind und erstere von den dort genannten Beeinträchtigungen durch den Diabetes erfahren könnte. Sind solche Bedenken berechtigt?
Schwerbehinderten-Ausweis und Führerschein: Arbeiten Behörden zusammen? | Foto: Kaluya Stock - stock.adobe.com

3 Minuten

Fahrerlaubnis in Gefahr: Nützliche Tipps, um den Führerschein zu behalten
Menschen mit Diabetes müssen immer damit rechnen, dass die Fahreignung plötzlich auf dem Prüfstand steht und der Führerschein in Gefahr ist. Es muss nicht unbedingt zu einem Unfall oder einer Auffälligkeit kommen – manchmal reicht es schon, dass die Polizei bei einer Verkehrskontrolle auf den Diabetes aufmerksam wird. In diesem Beitrag geben wir nützliche Tipps, um den Führerschein möglichst zu behalten.
Fahrerlaubnis in Gefahr: Nützliche Tipps, um den Führerschein zu behalten | Foto: S. Engels – stock.adobe.com

4 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • thomas55 postete ein Update vor 4 Tagen, 2 Stunden

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 4 Tagen, 19 Stunden

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 5 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

    Wer ist am Start?

    ( 4 von 6 )
    66.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%