Alle relevanten Daten zusammenführen

2 Minuten

© Kirchheim
Alle relevanten Daten zusammenführen

Diabetes wird auch als Datenmanagement-Erkrankung bezeichnet: Bei kaum einer anderen Krankheit fallen so viele Daten an, die Patienten und Behandler gemeinsam interpretieren müssen. Die Datenflut kann sogar dazu führen, dass die Therapie ins Stocken gerät. Neue Ansätze und Tools sollen hier Abhilfe schaffen.

In der Diabetesversorgung sind in den letzten Jahren viele neue und innovative Therapieoptionen hinzugekommen, sowohl im Bereich der Medikamente als auch in dem der technischen Hilfsmittel. Demnach müsste es eigentlich auch zu einer stetigen Verbesserung der Therapieergebnisse gekommen sein – dies sei jedoch nicht der Fall, sagte Prof. Dr. Bernhard Kulzer (Bad Mergentheim) auf einer Presseveranstaltung des Unternehmens Roche ­Diabetes Care im Rahmen des ­Diabetes Kongresses 2019 Ende Mai in Berlin.

Er bezog sich dabei auf mehrere Studien mit Daten aus den USA und Deutschland, deren Ergebnisse zeigen, dass sich der durchschnittliche HbA1c-Wert in den letzten rund 15 Jahren so gut wie nicht verändert hat. Auch bei anderen Therapieparametern wie den Blutdruck- und den Lipidwerten werden die Ziele flächendeckend nicht erreicht.

Therapieprozesse besser strukturieren

Zwar bewiesen die neuen Medikamente und Technologien in klinischen Untersuchungen durchaus ihr Potenzial, so Kulzer, doch im hektischen Praxisalltag kann vieles davon nicht so wie in Studien unter kontrollierten Bedingungen umgesetzt werden. „Der Behandlungsprozess muss besser strukturiert werden“, schlussfolgerte Kulzer, und „inte­grier­tes personalisiertes Diabetes-Management (iPDM) bietet einen Rahmen, der gut geeignet ist, um die Versorgungssituation zu verbessern“.

Beim iPDM werden individuelle bedarfsorientierte Schulungen, digitale Lösungen und Feedback-Gespräche mit den Behandlern eingesetzt, um datenbasiert effizientere und personalisierte Therapieentscheidungen zu treffen. Dadurch sollen die individuellen Therapieziele besser erreicht werden. Im PDM-ProValue-Studienprogramm konnte bereits nachgewiesen werden, dass dadurch der HbA1c-Wert – teils nach Jahren der Stagnation – signifikant gesenkt werden kann.

Digitale Plattform bündelt die Datenflut

Zusätzlich zum iPDM steht für Ärzte nun auch die Software PDM one zur Verfügung, die auf dem Kongress erstmals vorgestellt wurde. Die interoperable Plattform bündelt Informationen aus verschiedenen Quellen (z. B. Software Accu-Chek Smart Pix, Labordaten, Arztbriefe, Überweisungen, Praxisverwaltungssysteme) und überprüft diese auf Vollständigkeit und Plausibilität, so dass eine einheitliche, valide Datengrundlage entsteht. Daraufhin wird automatisch analysiert, ob wichtige Behandlungsschritte eingehalten und die Patienten leitliniengerecht therapiert werden.

„Ansätze wie iPDM und neue Tools wie die PDM-one-Plattform strukturieren die Behandlungsabläufe und bringen alle relevanten Daten zusammen“, zeigte sich Kulzer überzeugt. „Intelligente Algorithmen helfen dabei, die Therapie besser zu gestalten und nötige Anpassungen noch schneller umzusetzen. So erreichen Ärzte und Patienten gemeinsam ihre Therapieziele.“

Erfolgreiches Pilotprojekt in Baden-Württemberg

PDM one wurde bereits in einem Pilotprojekt in Baden-Württemberg in 9 Schwerpunktpraxen mit je 20 insulinspritzenden Patienten mit Typ-2-Diabetes erfolgreich getestet: Der duchschnittliche HbA1c-Wert der Probanden konnte dabei im Schnitt um 1,7 Prozentpunkte gesenkt werden. Für den Diabetologe Dr. Stefan Gölz (Esslingen), der mit seiner Praxis am Pilotprojekt teilgenommen hatte, „ist die PDM-one-Plattform ein notwendiger Schritt in die richtige Richtung.“

„Wir haben eine große Datenflut, eine zeitfressende Praxisroutine. Und mit den bisher zur Verfügung stehenden Praxissoftwaresystemen, bei denen viel händisch ein- und nachgetragen werden muss, ist das schon eine große Herausforderung. PDM one bündelt alle relevanten Daten und macht sichtbar, was bei der Betrachtung losgelöster Daten aus verschiedenen Quellen im Verborgenen geblieben wäre“, so Gölz.


Autor:

Gregor Hess
Redaktion Diabetes-Journal
Kirchheim-Verlag
Wilhelm-Theodor-Römheld-Straße 14
55130 Mainz

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2019; 68 (7) Seite 10-11

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Früherkennung von Typ-1-Diabetes: Selbsthilfe fordert ganzheitliche Betreuung
Die organisierte Diabetes-Selbsthilfe erkennt den Mehrwert und Potenziale der Früherkennung von Typ-1-Diabetes. Um die Potenziale entfalten zu können, muss bei Aufnahme in die Regelversorgung die ganzheitliche Betreuung von Menschen mit positivem Testergebnis gewährleistet sein.
Früherkennung von Typ-1-Diabetes: Selbsthilfe fordert ganzheitliche Betreuung | Foto: Kadmy – stock.adobe.com

3 Minuten

Renale Denervierung gegen Bluthochdruck: Sergius Weg zurück zu einem normalen Leben
Drei Jahre lang war Sergius Leben von extremem Bluthochdruck geprägt – eine Krankheit, die still und heimtückisch ihr Unwesen treibt. Ohne offensichtliche Symptome begann sein Körper, Alarm zu schlagen, als es fast zu spät war. Medikamente halfen kaum, sein Alltag wurde zur Tortur. Doch dann kam die Wende: Die renale Denervierung veränderte alles.
Renale Denervierung gegen Bluthochdruck: Sergius Weg zurück zu einem normalen Leben | Foto: Recor Medical

3 Minuten

Anzeige
Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos

  • anseaticids postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen

    Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.

    Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“

    Genau aus diesen Fragen heraus ist Hanseatic Kids entstanden: ein Herzensprojekt, das Kindern mit Diabetes im Alltag Sicherheit gibt und Familien entlastet.

    Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
    individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.

    So können Kinder lernen, wachsen und
    selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
    Unsere Mission ist einfach:

    ✔ Kindern Sicherheit geben
    ✔ Familien den Alltag erleichtern
    ✔ Kita- und Schulteams entlasten
    ✔ und vor allem: jedes Kind dabei unterstützen, frei und unbeschwert aufzuwachsen, trotz Diabetes.

    Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose oder wenn Unsicherheiten bestehen, sind wir an der Seite der Familien. Gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und Fachpersonal schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder sich wohlfühlen und ohne Angst lernen können.

    Dieses Projekt ist für uns mehr als Arbeit, es ist eine Herzensangelegenheit. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe, Freude und Freiheit. Wir möchten dazu beitragen, dass dies Wirklichkeit wird.

    Wer mehr über unsere Arbeit erfahren oder Unterstützung anfragen möchte, kann sich jederzeit melden:
    📧 moin@hanseatic-kids.de
    📞 040 851 59 747

    Uploaded ImageUploaded Image
  • Passend zu den kommenden Osterferien: Ein Backtipp für die ganze Familie: https://diabetes-anker.de/eltern-und-kind/wenn-diabetes-mit-im-osternest-liegt-gemeinsames-backen-mit-den-kindern/

Verbände