Apps und Co unterstützen beim Reduzieren von Gewicht

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Apps und Co unterstützen beim Reduzieren von Gewicht

Mittlerweile bestätigt die Wissenschaft das, was Millionen Menschen bereits am eigenen Leib erfahren haben: Gewicht gesund zu verlieren, ist ein schwieriges Unterfangen. Gewicht zu halten, ist danach noch um einiges schwieriger. Darum stellt sich gerade in der heutigen technisierten Welt die Frage: Kann ein (­Online-)Programm unterstützen? Und falls ja, vielleicht auch per App?

Programme zur Gewichtsreduktion sowie Diäten gibt es wie Sand am Meer. Nur halten sie leider auf Dauer häufig nicht, was sie blumig versprechen. Doch es gibt tatsächlich Möglichkeiten, die unterstützen und helfen können. Was immer dazugehört, sind ein Verändern der Ess- und Lebensgewohnheiten, Geduld, Disziplin und der Wille zum Durchhalten, auch wenn es mal nicht rund läuft.

Programme mit Online-Telecoaching

Telemedizin ist in der aktuellen Situation aufgrund der Corona-Pandemie eine wichtige Grundlage im medizinischen Sektor geworden. Leider beschränkt sich die Telemedizin meist auf Online-Sprechstunden oder Video-Schulungen. Nur wenige Programme zur Gewichtsabnahme sind untersucht und können finanziell über die Krankenkassen abgerechnet werden. Ein sehr erfolgreiches Programm auf diesem Gebiet ist TeliPro (Telemedizinisches Lebensstil-Interventions-Programm).

Hier zeigen Untersuchungen, dass ein Online-Coaching und eine längere Begleitung auch über die TeliPro-App zu besseren Erfolgen führt. Dies liegt vor allem an der Möglichkeit, sich selbst über einen längeren Zeitraum zu beobachten, und auch am einfacheren Austausch untereinander. Informationen dazu finden Sie im Internet unter www.telipro-bvnd-praxis.de.

Apps für die Gesundheit

Etwa 7 von 10 Personen in Deutschland nutzen ein Smartphone. Rund 90 Prozent der Smartphone-Nutzer können es sich nicht mehr aus dem Alltag wegdenken. Etwa 50 Prozent der Nutzer verwenden dabei auch Gesundheits-Apps. Aktuelle Untersuchungen haben gezeigt, dass viele dieser Apps vor allem dazu genutzt werden, sich für mehr Sport zu motivieren. Bei den potenziellen Nutzern geben die meisten auch an, dass sie sich motivieren lassen möchten, gesünder zu essen. Leider gibt es zum Erfolg dieser Anwendungen aktuell kaum Studien, die Ergebnisse zu langfristigen Erfolgen liefern. Oft ist auch nicht ersichtlich, wie häufig die installierte App genutzt wurde. Zudem gestaltet es sich schwierig, aus der Flut der angebotenen Apps die richtige für sich zu finden.

Es gibt inzwischen viele Berichte, dass gerade das Verwenden von Fotografien, das Einscannen von Barcodes, die Erinnerungsfunktionen oder die Möglichkeit, seine Erfolge mit Freunden zu teilen, sehr hilfreich sind. Häufig genutzte Apps mit den genannten Möglichkeiten sind Yazio oder Foodvisor (in Englisch). Meist ist es jedoch so, dass trotz Lebensmittel-Fotos in der Datenbank ein gewisses Wissen an Portionsgrößen und Zusammensetzung des Essens beim Nutzer vorausgesetzt wird. Die beiden Apps sind im Internet zu finden unter www.yazio.com/de und www.foodvisor.io/en.

Vier Säulen führen zum Erfolg

Wichtig für den Erfolg scheinen vier Strategien der Apps zu sein: Ziele setzen, Feedback geben, soziale Unterstützung bereitstellen und Wissen vermitteln. Bei den wenigen dazu durchgeführten Untersuchungen zeigte sich, dass Teilnehmer eines Abnehmkurses, die im Anschluss weiter über eine App betreut wurden, eine bessere Gewichtsabnahme verzeichnen konnten als die Teilnehmer ohne folgende App-Betreuung. So verloren die App-Nutzer 0,84 Kilogramm mehr Körpergewicht als die Kontrollgruppe. Der Taillenumfang reduzierte sich um zusätzliche 1,35 Zentimeter. Bei höherem Übergewicht wurde ein noch größerer Vorteil bei den App-Nutzern festgestellt. Auch die Abbruchquote war hier geringer.

So erkennen Sie seriöse Apps für Ihre Gesundheit:
  • Es ist klar erkennbar, welchem Zweck die App dient und ob es sich um ein Medizinprodukt handelt.
  • Der Informationsgehalt der App ist korrekt und auf dem aktuellen Stand.
  • Der Autor/die Autorin ist mit seiner/ihrer vollständigen Qualifikation angegeben.Die Datenschutzrichtlinien sind gut auffindbar.
  • Auf bestehende Werbepolitik, wenn Werbung in der App vorhanden ist, wird hingewiesen. Ferner werden vorhandene Finanzierungsquellen vollständig und gut erkennbar genannt.
  • Es wird ein Ansprechpartner für gesundheitsbezogene Informationen der App vorgestellt oder es gibt ein leicht auffindbares Kontaktformular.
  • Ein Impressum ist vorhanden und leicht zu finden.

Die Studien zeigen, dass mobile Interventionen ein hohes Potenzial haben. Jedoch sind bisher die Möglichkeiten der mobilen Technologie noch bei Weitem nicht vollständig ausgeschöpft. Leider ist aktuell nicht immer klar, welches Interesse die App verfolgt. Häufig gibt es in den Studien-Veröffentlichungen keine Hinweise auf mögliche Interessenkonflikte der Autoren. Erschwerend kommt hinzu, dass oftmals die Autoren keine Fachleute aus dem Gesundheitsbereich sind.

Manche Apps können verordnet werden

Neu ist, dass auch bestimmte Apps über Krankenkassen abrechenbar sind. Eine dieser Apps heißt Zanadio (www.zanadio.de). Diese App wird installiert wie übliche Apps über den Google-Play- oder Apple-App-Store. Daraufhin bekommt der Nutzer eine E-Mail. Sie enthält den Hinweis, dass man sich die App beim Hausarzt oder Telemediziner verschreiben lassen kann, und einen Link dafür. Eine Auswertung der ersten Ergebnisse aufgrund des Nutzens dieser App wird dieses Jahr erwartet.

Auch andere Anbieter sind aktuell am Start, solche verschreibungsfähigen Apps zu entwickeln und zu evaluieren, zum Beispiel von den aus dem Fernsehen bekannten Ernährungsdocs. Die App heißt Myfooddoctor, zu finden unter myfooddoctor.de. Geplant ist diese App sowohl als Vorbeuge- als auch als Therapie-Variante. Die Zertifizierung der App wird dieses Jahr erwartet.

Welche App für wen?

Es ist nicht so einfach, die richtige App und den richtigen Anbieter für sich zu finden. Man muss suchen, bis man etwas Passendes findet. Vielleicht wird hier in Zukunft die Verschreibungsfähigkeit helfen. Um die Apps nutzen zu können, braucht es Vorwissen über Portionsgrößen, oder man kommt um das Wiegen nicht herum. Diese Unschärfen sind aber dann keine Schwierigkeit, wenn man sich vor allem erst einmal beobachten möchte. Wenn Sie die Gelegenheit haben, parallel eine professionelle Ernährungsberatung zu bekommen, kann die App als Begleitmaßnahme sicher hilfreich sein. Das wiederum kann dazu beitragen, einen Abnehm-Erfolg auf Dauer zu halten.


von Dr. oec. troph. Astrid Tombek

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2022; 71 (2) Seite 18-19

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  • cesta postete ein Update vor 5 Tagen, 20 Stunden

    Hallo zusammen, ich habe eine Frage an euch. Ich habe seit 4 Jahren Typ 1 LADA und bisher nur mit Basalinsulin ausgekommen. Seit 3 Wochen muss ich nun auch zu jeder Mahlzeit Humalog spritzen. Für die Berechnung wiege ich immer alles ab. Könnt ihr eine App empfehlen, die bei der Berechnung der Kohlenhydrate unterstützt? Oder habt ihr andere Tipps wie man sich daran gewöhnt? Ich wiege bisher alles ab und kann mir gar nicht vorstellen, dass ich mir das zukünftig merken kann bzw. wie ich die Kohlenhydrate schätzen kann. Vielen lieben Dank für eure Hilfe! Liebe Grüße, Christa

    • Hallo cesta, ich habe gute Erfahrungen mit der WETID App gemacht. Hier erhältst du für fast alle Lebensmittel BE – Werte. Man kann auch das Portionsgewicht eingeben und erhält dann die entsprechenden BE’s.
      Die App mit Werbung war bisher kostenlos. App ohne Werbung und im Abo ist besser.

      LG von kw = Kurt mit Diabetes Typ 3c

    • Hallo Christa! Ich verwende die FDDB app. LG Sarah (Lada)

    • @kw: Vielen lieben Dank für den Tipp!

    • @moira: Vielen lieben Dank für den Tipp!

  • hallo, ich hab schon ewig Diabetes, hab damit 4 Kinder bekommen und war beruflich unterschiedlich unterwegs, in der Pflege und Pädagogik. Seit ein paar Jahren funktioniert nichts mehr so wie ich das möchte: die Einstellung des Diabetes, der eigentlich immer gut lief, Sport klappt nicht mehr….ich bin frustriert und traurig..so kenne ich das nicht.. Geht es jemanden ähnlich? Bin 53…Viele grüße. Astrid

    • Liebe Astrid! Ich gerade 60 geworden und habe seit 30 Jahren Typ 1, aktuell mit Insulinpumpe und Sensor versorgt. Beim Diabetes läuft es dank des Loop gut, aber Psyche und Folgeerkrankung, Neuropathie des Darmes und fehlende Hypoerkennung, machen mir sehr zu schaffen. Bin jetzt als Ärztin schon berentet und versuche ebenfalls mein Leben wieder zu normalisieren. Kann gut verstehen, wie anstrengend es sein kann. Nicht aufgeben!! Liebe Grüße Heike

    • @mayhe: Hallo liebe Heike, danke für deine schnelle Antwort, das hat mich sehr gefreut. Nein aufgeben ist keine Option, aber es frustriert und kostet so viel Kraft. Ich hoffe dass ich beruflich noch einen passenden Platz finde. Und danke dass du dich gemeldet hast und von deiner Situation berichtet. Das ist ja auch nicht einfach. Und ich wünsche auch dir eine gewisse Stabilisierung…jetzt fühle ich mich mit dem ganzen nicht mehr so alleine. Was machst du denn sonst noch? Viele Grüße Astrid

    • Liebe Astrid! Ja, das Leben mit Diabetes ist echt anstrengend. Es kommt ja auf den normalen Wahnsinn noch oben drauf. Ich habe den Diabetes während der Facharztausbildung bekommen und ehrgeizig wie ich war auch damit beendet. Auch meinen Sohn, 26 Jahre, habe ich mit Diabetes bekommen. Hattest bei den Kindern auch schon Diabetes? Leider bin ich von Schicksalsschlägen dann nicht verschont geblieben. Was dann zu der heutigen Situation geführt hat. Ich habe durchgehalten bis nichts mehr ging. Jetzt backe ich ganz kleine Brötchen, freue mich wenn ich ganz normale kleine Dinge machen kann: Sport, Chor, Freunde treffen, usw. Ich würde mich zwar gerne aufgrund meiner Ausbildung mehr engagieren, dazu bin ich aber noch nicht fit genug. Was machst du so und wie alt sind deine Kinder? Bist du verheiratet? Liebe Grüße Heike

    • @mayhe: Hallo Heike, oh da hast du aber auch viel geschafft. Ja ich habe die Kinder mit Diabetes bekommen und meine Kinder sind 26,25,23 und bald 19 🥰….und wie du hoffe bald wieder fit zu sein. Beruflich wechsle ich jetzt vom Kinderhospiz wieder in die Krippe da es dort vorausschaubarer ist als im Schichtdienst. In der Hoffnung der Diabetes lässt sich dort wieder besser einstellen. Eigentlich sollte ich auch die Ernährung wieder umstellen, das weiß ich aber es fällt mir so schwer. Wie ist das da bei dir. Was machen deine Werte ? Viele Grüße Astrid

    • @sveastine: Hallo liebe Astrid, sag mal kann es sein, daß du in den Wechseljahren bist? Ich habe meine schon hinter mir, aber das war zuckertechnisch eine der schwierigsten Zeiten, weil ständig alles durcheinander war. Damals war ich allein 2 x in der Diabetes Klinik Bad Mergentheim zum Anpassen innerhalb von 3-4 Jahren. Die Hormonwirkungen waren der Wahnsinn. Jetzt ist es wieder deutlich ruhiger. Was hast du eigentlich für eine Versorgung? Pen? Pumpe? Insulin? Sensor?
      Ich habe die Tandem tslim mit Sensor und Novorapid. Und das ist für mich der game changer gewesen. Seitdem werden die zuckertechnischen Anstrengungen auch mit guten Werten belohnt. Liebe Grüße Heike

    • @mayhe: Hi, ja ich bin in den Wechsel Jahren schon eine ganze Weile und nehme Hormone. Das ist denke ich ist der Hauptgrund der Schwankungen, aber das geht schon seit ca 3 Jahren so, was doof ist. Ich hab das gleiche System wie du tslim und Dexcom, trotzdem schwierig.aber für Bad Mergentheim lt. Diabetologe zu gut um die Genehmigung dafür zu bekommen 🤷🏻‍♀️

    • @sveastine: Das ist ja witzig, das du dieselbe Versorgung hast. Also bist du da optimal versorgt. Jetzt verstehe ich deinen Frust. Nach den Behandlungen in Bad Mergentheim war es wenigstens eine Weile besser. Warst du schon mal in Reha wegen dem Zucker? Ist zwar nicht Bad Mergentheim, aber manche Rehakliniken machen das wohl echt gut. Du musst “nur” darauf achten, dass sie ein spezielles Angebot für Typ1er haben. Ich war 2019 in der Mediclin Klinik Stauffenberg, Durlach. Das war okay. Am wichtigsten fand ich den Austausch mit den Mitpatienten. Aber natürlich ist der Aufwand für dich bei 4 Kindern für 3 Wochen, sehr hoch. Und eine Garantie dafür das dann länger besser läuft gibt es nicht. Ich fand es aber immer wichtig, den zuckertechnischen Input und die Solidarität zu erfahren. Liebe Grüße Heike

    • @mayhe: Nicht Durlach, sondern Durbach.

  • Wir freuen uns auf das heutige virtuelle Community-MeetUp mit euch. Um 19 Uhr geht’s los! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-november/

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