Daten-Management bei Diabetes: Welche Daten wann für wen sinnvoll sind

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Eine Frau mit Rucksack und Yogamatte steht vor einer grünen Hecke. Sie trägt einen Glukosesensor am Oberarm und betrachtet auf ihrem Smartphone einen Glukosewert mit Verlaufskurve.
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Daten-Management bei Diabetes: Welche Daten wann für wen sinnvoll sind

Glukosesensoren, Insulinpumpen und AID-Systeme erzeugen kontinuierlich Daten. Ein Beispiel: Ein Jahr mit Diabetes und CGM bedeutet mehr als 500.000 Glukosedaten. Bei einem AID-System wird das noch um eine Vielzahl an Daten durch die Insulin-Abgabe erweitert. Welche Daten sind dabei die wichtigen?

Daten beim Diabetes-Management zeigen nicht nur, wie hoch der Glukosewert im Moment ist, sondern auch, woher er kommt und in welche Richtung er sich entwickelt. Sie zeigen auch, wie viel Insulin abgegeben wurde, wie viel aktives Insulin noch wirkt und wann die Insulin-Abgabe aufgrund niedriger Glukosewerte stoppte.

Diese Entwicklung bietet auf der einen Seite große Chancen. Gleichzeitig stellt sie Menschen mit Diabetes, Angehörige und Diabetes-Teams auch vor Herausforderungen, aus der Vielzahl an Informationen die wirklich wichtigen herauszufiltern. Mehr Daten bedeuten nicht automatisch eine bessere Diabetesversorgung. Entscheidend ist, ob die Daten nachvollziehbar sind und im Alltag helfen, sinnvolle Entscheidungen zu treffen.

Anhand dieser Daten lässt sich erkennen, wie jeder Körper individuell auf Essen, Bewegung, Stress usw. reagiert. Es lassen sich Muster über Tage, Wochen, Monate ableiten, welche dazu beitragen, die Diabetestherapie und/oder das Verhalten anpassen zu können.

Identische Glukosewerte mit unterschiedlichen Konsequenzen

Für Menschen mit Diabetes beginnt die Arbeit mit den Daten in dem Moment, in dem sie geliefert werden. Ohne im vollen Umfang die Konsequenzen vorhersehen zu können, müssen Entscheidungen getroffen werden. Dies steht im starken Kontrast zu den Diabetes-Teams, welche sich stets die Daten rückwirkend anschauen können, um aus den bereits eingetretenen „Konsequenzen“ Rückschlüsse ziehen zu können.

Eltern und Angehörige befinden sich hier eher in der Mitte: Je nach Situation und Betreuungs-Kontext kann eine Reaktion auf die Daten entweder sofort erforderlich sein oder rückwirkend ausreichen.

Daten bei Diabetes

  1. In einem Jahr mit Diabetes und CGM entstehen mehr als 500.000 Glukosedaten, mit einem AID-System noch mehr.
  2. Sich ständig mit den Daten zu beschäftigen, kann belastend sein. Die entscheidende Frage ist: Welche Daten helfen mir in meinem Alltag?
  3. Was einzelne Glukosewerte bedeuten, hängt von der Situation und vom Trend ab.
  4. Mit dem Diabetes-Team lässt sich aus den Daten im Rückblick gemeinsam verstehen, was hinter den Glukosekurven steckt.
  5. Das Teilen von Daten mit anderen Personen kann unterstützen. Wann und was an Unterstützung erfolgt, sollte gemeinsam abgestimmt sein.

Die richtigen Informationen zur richtigen Zeit

Empfängergeräte, das Smartphone oder das Display der Insulinpumpe zeigen beim kontinuierlichen Glukose-Messen (CGM) aktuelle Glukosewerte und Trends. Bei Systemen zur automatisierten Insulin-Dosierung (AID) kommen weitere Informationen hinzu. Für Menschen mit Diabetes ist aber vor allem eins wichtig: Die Daten müssen verständlich sein und bei einer Entscheidung helfen.

Ein einzelner Glukosewert sagt weniger aus als ein Wert zusammen mit seinem Trend, Verlauf und unter Berücksichtigung des aktiven Insulins. Somit kann ein Wert von 80 mg/dl bzw. 4,4 mmol/l völlig unterschiedlich zu bewerten sein: Bleibt der Glukosewert stabil? Steigt er gerade deutlich oder fällt er? In welcher Situation wird dieser Wert angezeigt? Diese Kombination an Informationen ermöglicht eine bessere Einschätzung.

Gleichzeitig kann die ständige Verfügbarkeit von Daten auch belastend sein. Wer versucht, auf jeden Glukosewert zu reagieren und alle Daten zu erfassen, kann sich dadurch schnell gestresst fühlen. Ähnlich sieht es aus mit den Alarm-Funktionen: Alarme können Sicherheit geben, zu viele allerdings auch Stress verursachen. Die Frage aller Fragen lautet daher nicht: Wie viele Daten kann ich sehen? Sondern: Welche Daten helfen mir in meinem Alltag?

Für einen generellen Überblick hilft die zusammenfassende Darstellung des ambulanten Glukoseprofils (AGP), die viele CGM-Programme anbieten. Aber auch hier ist die Häufigkeit, mit der das AGP analysiert wird, entscheidend. Eine tägliche Analyse kann schnell verunsichern, ein Blick z. B. alle zwei Wochen ist völlig ausreichend.

Sicherheit durch Teilen von Daten

Vor allem bei Kindern und Jugendlichen, aber auch älteren Menschen ist das Teilen der Daten (Follower-Funktion) ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Eltern und andere Angehörige haben das Bedürfnis, zu wissen, wie es den Betroffenen geht, auch wenn sie nicht in der Nähe sind. Die Follower-Funktion ermöglicht es, Glukosewerte und gegebenenfalls Alarme auf einem weiteren Smartphone anzuzeigen. Das kann Sicherheit geben und im Notfall eine Unterstützung ermöglichen – bei Jung und Alt.

Allerdings verändert sich die Bedeutung des Datenteilens vom Kindes- ins Jugendalter. Bei jüngeren Kindern ist der Sicherheits-Aspekt durch die Überwachung der Eltern ein wichtiger Faktor, bei Jugendlichen hingegen spielen die Aspekte Vertrauen, Eigenständigkeit und Selbstverantwortung eine größere Rolle.

Daher sollte das Teilen von Daten nicht mit permanenter Kontrolle gleichgesetzt werden. Sinnvoll ist, gemeinsam festzulegen, wann und in welcher Form Eltern und andere Angehörige reagieren sollen und wann sie darauf vertrauen, dass der oder die Betroffene die Situation selbstständig bewältigt.

Mehr zum Thema: Wenn Zahlen und Daten stressen: Diabetes zwischen Vorgaben und Lebensqualität

Aus Daten werden gemeinsame Entscheidungen

Für Diabetes-Teams ist die zusammenfassende Darstellung des AGP ein wichtiger Ausgangspunkt und eine Basis, um zusammen mit den Menschen mit Diabetes über die Therapie, mögliche Anpassungen und weitere Ziele sprechen zu können. Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Kurven anzuschauen.

Entscheidend ist, gemeinsam zu verstehen, was hinter den Kurven steckt. Wie häufig treten Unterzuckerungen auf? Gibt es bestimmte Tageszeiten mit wiederkehrenden erhöhten Werten? Welche Rolle spielen Mahlzeiten, Bewegung, Stress oder Schlaf? Wie arbeitet das AID-System im Alltag? Und welche Veränderungen wären für die betroffene Person tatsächlich hilfreich und umsetzbar?

Daten-Management als gemeinsamer Prozess

Die zentrale Aufgabe des Diabetes-Daten-Managements wird auch bei noch mehr Daten immer darin liegen, diese sinnvoll zusammenzufassen und für den Alltag des oder der Einzelnen nutzbar und interpretierbar zu machen. Daten-Management ist damit weit mehr als eine technische Frage. Es ist ein gemeinsamer Prozess. Die wichtigste Frage lautet nicht: „Wie viele Daten können wir noch erheben?“, sondern: „Welche Daten helfen dieser Person jetzt dabei, die Diabetestherapie im Alltag effektiv umzusetzen?“


von Juliane Ehrmann

Juliane Ehrmann ist Diabetes-Beraterin DDG und tätig in der Bereichsleitung Diabetes-Beratung sowie in der berufsfachlichen Kursleitung am Diabetes Zentrum Mergentheim und Referentin für den Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD).

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (10) Seite 18-19

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