Insulinpumpen und AID-Systeme: Das Geeignete finden

3 Minuten

Insulinpumpe und AID-System: Das Geeignete finden | Foto: wayhome.studio - stock.adobe.com
Foto: wayhome.studio - stock.adobe.com
Insulinpumpen und AID-Systeme: Das Geeignete finden

In den letzten Jahren sind einige neue AID-fähige Insulinpumpen auf dem deutschen Markt erschienen, also Systeme zur automatisierten Insulin-Dosierung. Und immer mehr Menschen entscheiden sich für eine AID-Therapie. Doch welches sind geeignete Systeme für mich? Diabetesberaterin Juliane Ehrmann gibt eine Übersicht.

Bei einem AID-System arbeiten eine Insulinpumpe, ein Sensor zum kontinuierlichen Glukose-Messen (CGM) und ein Algorithmus zusammen, um die Insulinabgabe weitestmöglich zu automatisieren. Steht ein Wechsel eines AID-Systems an oder der Beginn einer AID-Therapie, ist es vor dem Start sinnvoll, sich ein paar Fragen zu stellen:

  • Was sind meine Ziele mit der AID-Therapie?
  • Schaffe ich es, die Kontrolle an ein System abzugeben?
  • Wann kann, soll, muss ich selbst eingreifen und wann nicht?
  • Was kann ich im AID noch anpassen?
  • Schaffe ich das mit der Technik oder überfordert mich das?
  • Bin ich bereit umzudenken?
  • ggf. bei einem Systemwechsel: Was können die anderen Insulinpumpen, was meine bisherige Insulinpumpe nicht kann?

Fragen über Fragen und die ersten Zweifel entstehen. Der Wunsch nach dem Vollkommenen wird immer größer. Menschen, die zum ersten Mal vor der Auswahl der Insulinpumpe und der Entscheidung für eine stehen, möchten einfach nur wissen: „Was ist die beste Pumpe für mich?“ All diese Fragen, Erwartungen und Unsicherheiten landen nicht selten im Diabetesteam. Vermeintlich eine simple Frage, die sich jedoch nicht pauschal beantworten lässt. Denn was ist schon „die beste“ Insulinpumpe? Das ist äußerst subjektiv.

Eine Art persönliche Checkliste mit einem Abgleich von individuellen Wünschen, medizinischen Voraussetzungen und der weiteren Versorgung kann hierbei unterstützen (s. folgenden Kasten). Da es keinen Insulinpumpen-Wahlomaten gibt, der all diese Aspekte berücksichtigt, ist es sinnvoll, die Ergebnisse der persönlichen Checkliste mit den „Tatsachen“ abzugleichen.

Geeignete Insulinpumpen und AID-Systeme finden: persönliche Checkliste

Eine Checkliste mit individuellen Wünschen, medizinischen Voraussetzungen und der weiteren Versorgung kann unterstützen, die geeignete Insulinpumpe zu finden:

Persönliche Wünsche

  • Steuerung über Smartphone, Handset oder Pumpe?
  • Welchen Sensor möchte ich nutzen?
  • Patch- oder Schlauchpumpe? Akku oder Batterie?
  • Möchte ich eine Stahl- oder Teflonkanüle? Habe ich eine Auswahl?
  • Welcher Algorithmus passt zu mir?

Medizinische Voraussetzung

  • Wie viel Insulin benötige ich am Tag? Reicht mir das Reservoir-­Volumen für die dafür vorgesehenen Tage? Ist das AID-System für meine Insulinmenge zugelassen?
  • Welche Insulinsorte ist zulässig? Für welches Alter ist sie zugelassen?
  • Habe ich einen Schwangerschaftswunsch?
  • Wie ist die Kompatibilität für AID-App und/oder Sensor-App?

Weitere Versorgung

  • Habe ich eine Notfall-Hotline des Herstellers im Fall eines technischen Defekts?
  • Kann mich mein Diabetesteam bei Fragen zu diesem Pumpenmodell unterstützen? Was kann ich eigenständig im Verlauf anpassen?

Hersteller bieten auf Internetseiten viele ­Informationen

Um weiterführende Informationen über die einzelnen Insulinpumpen zu bekommen, lohnt sich der Blick auf die verschiedenen Internetseiten der Hersteller. Auf vielen Seiten finden sich Erklär-Videos, um eine Vorstellung der Bedienung der Pumpe zu bekommen.

Auch mit Hilfe der Simulator-Apps lässt sich die Handhabung der Insulinpumpe etwas besser beurteilen. Solche Simulator-Apps gibt es aktuell für die t:slim X2 (­t:simulator), den Omnipod 5 (Omnipod 5-Simulator) und die YpsoPump (YpsoPump Explorer). Auch für die MiniMed 780G gibt es eine virtuelle Demo-Pumpe. Für den Algorithmus CamAPS FX können sich Nutzer eines Android-Smartphones die ­CamAPS-FX-App laden, um mit einer virtuellen Insulinpumpe zu üben.

Hersteller bieten online viele Informationen zu ihren Insulinpumpen an:

Ausblick: weitere Insulinpumpen und AID-Systeme folgen bald

Für die Zukunft sind weitere Kooperationen verschiedener Unternehmen, aber auch komplett neue Systeme angekündigt. Die Diabetes-Technologien bewegen sich weiterhin und es bleibt äußerst spannend.

Jede Insulinpumpe hat ihre Berechtigung und ihr persönliches Highlight. Deshalb ist es wichtig, dass jede und jeder selbst entscheidet, welches zum eigenen Highlight und der persönlich besten Insulinpumpe wird. Bevor es um die Rezeptierung geht, ist daher ein Gespräch mit dem Diabetesteam sinnvoll, um all das zu berücksichtigen.


von Juliane Ehrmann

Juliane Ehrmann ist Diabetes-Beraterin DDG und tätig in der Bereichsleitung Diabetes-Beratung sowie in der berufsfachlichen Kursleitung am Diabetes Zentrum Mergentheim und Referentin für den Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD).

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2024; 72 (10) Seite 18-19

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Technikpannen gelassen meistern: Sicher fühlen bei Insulinpumpen- und Sensoren-Problemen
Die Behandlung des Diabetes hat sich in den vergangenen Jahren rasant weiterentwickelt. Moderne Technologien wie Insulinpumpen oder CGM-Sensoren unterstützen Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes dabei, ihren Alltag sicherer, einfacher und individueller zu gestalten. Dennoch kann es auch zu Technikpannen oder -problemen kommen. Erfahren Sie hier, was dann zu tun ist.
Junge Frau mit Glukosesensor am Oberarm hält ein Smartphone mit geöffneter Diabetes-App in den Händen und lächelt in die Kamera. Dargestellt wird die digitale Blutzuckerkontrolle im Alltag.

3 Minuten

Open-Source-DIY-Systeme treiben vollständig automatisierte Insulindosierung (AID) voran
Während kommerzielle AID-Systeme noch überwiegend als Hybrid-Closed-Loop-Systeme arbeiten und weiterhin Mahlzeitenankündigungen oder Bolusgaben erfordern, experimentiert die Open-Source-Community schon länger mit Strategien zur vollständig automatisierten Insulindosierung. Eine aktuelle Übersichtsarbeit in Diabetologia zeigt nun, wie weit diese Entwicklung dieser DIY-Systeme bereits gediehen ist und welche Chancen, aber auch Grenzen derzeit bestehen.
Ein Steckbrett mit Siebensegmentanzeige und farbigen Kabeln ist mit einer Arduino-Platine verbunden, die per USB-Kabel an eine Computertastatur angeschlossen ist. Sinnbild für selbstgebaute Open-Source-Elektronik, wie sie bei DIY-Systemen zur automatisierten Insulindosierung zum Einsatz kommt.

3 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • olivers postete ein Update vor 1 Tag, 19 Stunden

    Hallo Zusammen!
    Ich bin ein T3er und freue mich Gleichbetroffene zwecks Erfahrungsaustausch zu finden. Bin im Frankfurter Raum, aber auch im Heidelberger Raum unterwegs.
    Liebe Grüße
    Oliver

  • zojou96 postete ein Update vor 2 Tagen, 21 Stunden

    Hallo, ich bin DT1 und trage seit etwa 1 Jahr eine Omnipod-Pumpe. Letztere löst seit mehrere Monaten eine Hautallergie an der Platzierungsstelle aus. Ich habe es bereits mit dem Cavillon-Spray und Pflastern (derzeit Omnifix von Hartmann und Unterpatch von My Sweet Stitch) für empfindliche Haut unter dem Pod probiert. Es hilft aber leider nicht oder nur bedingt, da auch mit Spray die Allergie ausgelöst wird und die Schutzpflaster nicht lange haften. Hat jemand vielleicht eine ähnliche Erfahrung gemacht und eine gute Lösung gefunden? Ich würde gerne weiterhin eine Pumpe tragen, wäre aber auch bereit das Modell zu wechseln, wenn es das Problem mit der Allergie löst. Ich bin um jeden Rat dankbar. Vielen Dank im Voraus 🙂

  • Hallo,

    hat irgendwer der den Libre3 benutzt auch so massive Probleme ?
    Mein Kind hat ständig Ärger mit seinen Sensoren,selten wo mal einer durchhält. Entweder dauernd Sensorfehler oder ein neuer Sensor sitzt und nach kurzer Zeit kommt bitte neuen Sensor starten.
    Das kann ja nicht sein,ich hab selten mal einen Sensorfehler.
    Als ich das letzte mal bei denen angerufen hatte ,meinte dieser “sehr freundliche” Mitarbeiter nur es kann nicht sein das die so viele Fehler haben,es gab keinen Ersatz.
    Müßen wir jetzt ernsthaft selber Sensoren bezahlen?
    Weil bis der Nachschub kommt dauert es noch 🙁

    LG Sandra

    • Nun, ich weiß nicht, was ihr alles probiert habt. Aber Handyneustart, Bluetooth neu aktivieren, Akku muss genug Kapazität haben. Vielleicht ist der Sensor auch locker, Schweiss hat auch immer bei mir Schwierigkeiten gemacht (wird beim Kind nicht sein).
      Gruß Oliver