Was steht in der AGP-Fibel?

3 Minuten

Was steht in der AGP-Fibel?

Wer kontinuierlich seine Glukosewerte misst, hat möglicherweise bei seinem Arzt schon einmal die Abkürzung „AGP“ gehört. AGP steht für „Ambulantes Glukoseprofil“. Dieses hilft, die vielen Daten, die beim kontinuierlichen Messen entstehen, zu verstehen und in Therapieempfehlungen umzusetzen. Das gilt für Ärzte, Diabetesberaterinnen und Diabetiker. Der Hamburger ­Diabetologe Dr. Jens Kröger erklärt im Interview das AGP und sagt, welchen Sinn und Nutzen die neue „AGP-Fibel“ hat.

Dieser Beitrag ist eine Vorabveröffentlichung aus der Juni-Ausgabe des Diabetes-Journals, die am 25. Mai 2018 erscheint. Was Sie darin sonst noch erwartet, erfahren Sie hier.

Das Diabetes-Journal bekommen Sie im Kirchheim-Shop, als ePaper sowie an Kiosken auf Flughäfen und Bahnhöfen.

Diabetes-Journal (DJ): Neu herausgekommen ist die „AGP-Fibel“. Was ist das AGP?

Dr. med Jens Kröger: Ursprünglich wurde vor 30 Jahren das AGP von Dr. Mazze und Kollegen in Minneapolis entwickelt, um die von den Menschen mit Dia­betes selbst gemessenen Blutzuckerwerte darzustellen. Mit dem Aufkommen der kontinuierlichen Glukosemessung (rtCGM und FGMiscCGM) wurde die Methode angepasst, sodass sich mit Glukosewerten von mindestens 14 Tagen eine relevante Aussage zu Mustern der Glukoseverläufe treffen lässt. Das hilft den Ärzten, Diabetesteams, aber auch den Menschen mit Diabetes, sich schnell und umfassend ein Bild hinsichtlich ihres Diabetesmanagements zu machen.

Im Kirchheim-Shop:

AGP-Fibel

Mit dem Ambulanten ­Glukoseprofil (AGP) können Glukosedaten von ­Menschen mit Diabetes strukturiert ­ausgewertet werden. In dieser Fibel ­werden Ihnen 5 Schritte zum strukturierten Auswerten eines AGPs vorgestellt.
Jens Kröger et al. ; 1. Auflage 2018; 5,00 €
zum Kirchheim-Shop

DJ: Was steht in der AGP-Fibel und was ist ihr Ziel?

Kröger: In der AGP-Fibel stellen wir die Grundlagen der Interpretation des AGPs dar und erläutern, welche schrittweise Analyse sinnvoll ist. Wichtig war uns dabei, ein Arbeitsbuch zu erstellen, in dem man auch Fälle selbst bearbeiten kann. Wir stellen insgesamt 19 Menschen mit Diabetes mellitus vor, die mit kontinuierlicher Glukosemessung gearbeitet haben. Wie sahen die ersten Verläufe aus, was hat sich dann durch eine Therapieanpassung verändert und wie waren die Ergebnisse? Da es bisher eine so umfassende Darstellung nicht gab, hoffen wir, dass diese Fibel dazu beiträgt, dass jeder Leser neue Einblicke ins AGP bekommt und viele gute Therapieentscheidungen trifft.

DJ: Für wen ist die AGP-Fibel gedacht?

Kröger:In erster Linie ist sie für Ärzte und Diabetesteams gedacht. Es gibt aber auch Menschen mit Diabetes die Möglichkeit, ohne viel medizinisches „Fachchinesisch“ ihre Glukoseverläufe zurückblickend zu analysieren, zu verstehen und dann Rückschlüsse hinsichtlich ihres Dia­betesmanagements zu ziehen.

DJ: Wie arbeitet man am besten mit der ­AGP-Fibel?

Kröger:Der erste Teil der Fibel ist als Lehrbuch zu verstehen. Wir erklären hier, was man beim AGP sieht und wie die Kurvendarstellung zu interpretieren ist. Bei einer so umfassenden Datendarstellung ist es sehr wichtig, strukturiert in der Interpretation vorzugehen. Wir stellen daher 5 aufeinanderfolgende Analyseschritte vor, um schnell und effektiv zu einer Beurteilung zu kommen. Im Anschluss stellen wir Patientenbeispiele vor, die uns aus vielen verschiedenen Regionen in Deutschland zur Verfügung gestellt wurden. Die Kasuistiken spiegeln dabei den Praxisalltag in Deutschland wider und können von Leitlinien-Empfehlungen abweichen.

DJ: Warum ist es wichtig, Anleitung und Tipps zu geben, wie Anwender und Betreuer mit den vielen Daten umgehen?

Kröger:Ich arbeite seit vielen Jahren mit Patienten mit großer Freude mit Systemen, die eine kontinuierliche Glukosemessung ermöglichen. So hatten wir immer die bunten „Spaghetti-­Kurven“ zur Auswertung von CGM zur Verfügung. Um diese Kurven genau zu analysieren, habe ich sie aber meistens mit nach Hause genommen und mir am Wochenende in Ruhe angesehen. Als ich dann vor 10 Jahren erstmals das AGP in Minneapolis sah, war ich begeistert.

Diabetesteams wie auch Patienten bekommen viel schneller einen Überblick, wenn sie bei den vielen Einzeldaten wissen, auf was sie achten sollen – und können dann Schritt für Schritt zusätzliche Daten und Auswertungsdarstellungen hinzunehmen, wenn erforderlich. Das klappt aber nur, wenn ich auch Lust habe, mich mit den Daten zu beschäftigen und ich daraus auch einen Nutzen ziehen kann.

Glukosemuster helfen Ärzten, Diabetesteams und Menschen mit Diabetes, sich schnell und umfassend ein Bild hinsichtlich ihres Diabetesmanagements zu machen.

Ein Beispiel: Wenn ein Mensch mit Diabetes stark schwankende Werte hat, muss er wissen, woran es liegt. Liegt es z. B. an der Insulindosis, am Spritz-Ess-Abstand oder an der Nahrung, an Bewegung oder Alkohol? Wenn er die Therapie oder sein Verhalten ändert, sieht er es im Verlauf und ist viel motivierter, da sich der Erfolg schwarz auf weiß abbildet. Ich bin immer wieder fasziniert, wie sich allein durch das „Sehen“ und richtige Interpretieren Diabeteseinstellungen und auch die Lebensqualität der Menschen mit Diabetes deutlich verbessern.

Deswegen geben wir Tipps und Tricks in der Bewertung des AGPs, um nicht von den vielen Werten erschlagen zu werden.


Interview: Dr. med. Katrin Kraatz
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0, Fax: (0 61 31) 9 60 70 90,
E-Mail: redaktion@diabetes-journal.de

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Rezept für Gratinierte Sommer-Früchte
Sommer auf dem Grill: Aprikosen und Nektarinen werden mit Zitronensaft und Rosmarin aromatisiert, mit Camembert überbacken und in nur 20 Minuten servierfertig. Mit Nährwerten pro Portion eignet sich das Dessert auch für die diabetesbewusste Küche.
Rezept für Gratinierte Sommer-Früchte | Foto: MedTriX / Bernhard und Gabi Kölsch

2 Minuten

Kinderbuch-Autorin Samira Firoziboyaghchi: Diabetes stärkte sie auf ihrem Lebensweg
Samira Firoziboyaghchi wuchs im Iran auf und bekam als junge Frau Typ-1-Diabetes. Inzwischen lebt sie in Deutschland. Ihr Diabetes stärkte sie auf ihrem Lebensweg. Auch deshalb hat sie das Kinderbuch „Mira und der blaue Drache“ geschrieben, dass Kindern mit Diabetes Mut machen und Stärke geben soll.
Kinderbuch-Autorin Samira Firoziboyaghchi: Diabetes stärkte sie auf ihrem Lebensweg | Foto: privat

8 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • Hallo zusammen,
    ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!

    • Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.

    • @calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!

    • @uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
      Liebe Grüße

  • Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 3 Wochen, 2 Tagen

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

Verbände