Eltern-Austausch im „Online-Treffpunkt Diabetes“: „Das Ziel definieren“

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Eltern-Austausch im „Online-Treffpunkt Diabetes“: „Das Ziel definieren“ | Foto: Viktor – stock.adobe.com
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Eltern-Austausch im „Online-Treffpunkt Diabetes“: „Das Ziel definieren“

Im April trafen sich Eltern aus etwa 20 Familien im „Online-Treffpunkt Diabetes“ für einen Austausch über Vor- und Nachteile der „Zeit im Zielbereich“. Als medizinische Expertin stand Prof. Dr. Olga Kordonouri vom Kinder- und Jugendkrankenhaus AUF DER BULT in Hannover zur Verfügung. Der Austausch war informativ, auch wenn wir leider auf die Perspektive des kurzfristig ausgefallenen Psychotherapeuten verzichten mussten.

„Was kann ich tun, wenn meinem pubertierenden Kind die Werte völlig egal sind?“ Oder: „Wie schütze ich mich selbst davor, zu hohe Anforderungen an mich und mein Kind zu stellen?“ Das waren nur zwei der vielen Fragen, mit denen Eltern zum Online-Treffpunkt zum Thema „Zeit im Zielbereich: Orientierung oder Stressfaktor?“ kamen.

Wir bedauern sehr, und viele Eltern waren enttäuscht, dass der eingeladene Psychotherapeut Dr. Berthold Maier vom Diabetes Zentrum Mergentheim sehr kurzfristig verhindert war und wir an dem Abend auf seine Perspektive verzichten mussten. Dank vieler interessierter Eltern – etwa 20 Familien waren dabei – und der sehr engagierten medizinischen Expertin Prof. Dr. Olga Kordonouri wurde das Treffen dennoch zu einem ergiebigen Austausch.

Medizinischer Nutzen

Olga Kordonouri betreut im Kinderkrankenhaus AUF DER BULT ständig etwa 800 Familien mit Typ-1-Diabetes, forscht zur Vorbeugung von Begleiterkrankungen und zur Früherkennung des Diabetes und ist in vielen Gremien aktiv, um die Interessen betroffener Familien zu stärken. Sie erklärte eingangs den medizinischen Nutzen der „Zeit im Zielbereich“ als Messwert in der Diabetologie.

Seit der Einführung von Glukose-Sensoren in den 2000er-Jahren, zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht in der Breite verfügbar, ist es möglich, den Verlauf von Glukosewerten quasi live mitzuverfolgen. „Das eröffnet uns aus medizinischer Perspektive neue Möglichkeiten für die Therapie von Typ-1-Diabetes“, erklärte Kordonouri. „Schauen wir die Zeit im Zielbereich einzelner Tage an, können wir beispielsweise den Effekt bestimmter Lebensmittel erkennen, den von sportlicher Aktivität, Anstrengung oder Aufregung“, sagte sie. „Das und der Verlauf der gemittelten Tageswerte über einen längeren Zeitraum hilft uns, die Therapie auf bestimmte Gewohnheiten, Lebensumstände oder Altersabschnitte abzustimmen.“

Motivation – und Stress

Für Eltern und auch die betroffenen Kinder sei es wichtig, gut geschult darin zu sein, die ambulanten Glukose-Berichte (fachsprachlich: ambulante Glukose-Profile, AGPs) ihrer Systeme zu interpretieren. „Die Berichte machen Muster sichtbar. Das hilft uns, die individuelle Therapie zu optimieren.“ Und auch Erfolge sind anhand der Zeit im Zielbereich schnell zu erkennen. „Das kann Eltern Mut machen und alle Beteiligten motivieren, weiterzumachen“, sagt die erfahrene Kinderdiabetologin.

Motivation bringt das klare Wissen, dass mehr Zeit im Zielbereich eindeutige Vorteile für die Gesundheit bringt: Sie senkt das Risiko für Begleit- und Folgeerkrankungen des Diabetes. Genau weil sie das wissen, fühlen Eltern sich aber oft nicht nur motiviert, sondern vor allem gestresst: Sie verausgaben sich bei dem Versuch, die vorgesehene Zeit im Zielbereich einzuhalten.

Auf Augenhöhe mit Ärztinnen und Ärzten

Als Medizinerin war Olga Kordonouri 2019 selbst daran beteiligt, gemeinsam mit Patientinnen und Patienten sowie Forschenden internationale Empfehlungen zu klinischen Zielbereichen für verschiedene Personen-Gruppen zu erarbeiten. Sie weiß: Gerade im Leben von und mit Kindern ist vieles nicht plan- und vorhersehbar. Die Ärztin vergleicht das mit einem Golfspiel: „Ein Hole-in-One, bei dem der Spieler mit dem ersten Schlag das Loch trifft, ist ein sehr, sehr seltener Glückstreffer!“ Beim Golf spiele der Wind eine Rolle oder auch die mentale Verfassung des Spielers. „Und dass im Leben mit Typ-1-Diabetes noch viel mehr Faktoren eine Rolle spielen, wissen wir alle.“

Großer Dank an Prof. Kordonouri und Nachholtermin mit Dr. Maier

Wir bedauern sehr, dass der erfahrene Psychotherapeut Dr. Berthold Maier diesen Austausch nicht aus seiner Perspektive bereichern konnte. Umso mehr danken wir Prof. Dr. Olga Kordonouri für ihren fachlichen Input, ihr offenes Ohr für die Eltern und ihre klugen und herzlichen Antworten.

Austausch wird nachgeholt

Den Austausch mit Dr. Berthold Maier werden wir nachholen und rechtzeitig ankündigen!
Melden Sie sich gern per Mail an kontakt@diabetikerbund.de, damit wir Sie über anstehende Online-Treffen informieren.

Dass Eltern und Kinder gut geschult darin sind, die Werte des CGM-Systems zu interpretieren, sei Voraussetzung dafür, dass Behandelnde und Familien sich auf Augenhöhe begegnen und „mit einer Sprache sprechen“ – gerade, wenn es mal schwierig ist. Anstatt sich von der behandelnden Ärztin oder dem Arzt ermahnt oder gar „ausgeschimpft“ zu fühlen, ermutigte Olga Kordonouri die Eltern, von ihnen Rat und Unterstützung einzufordern, wenn die Werte nicht den vereinbarten oder selbstgesteckten Zielen entsprechen. Empathische und erleichterte Lacher der Teilnehmenden erntete sie zudem, als sie eine Mutter fragte, ob sie mit Blick auf die schulischen Leistungen ihres Kindes ebenso ambitioniert sei wie bei der Zeit im Zielbereich.

Im Zielbereich um jeden Preis?

Eltern wollen ihre Kinder darin unterstützen, eigenständig zu werden, ein gutes Gefühl für die eigenen Bedarfe und Bedürfnisse zu entwickeln, ihren Hobbys nachzugehen, Beziehungen und soziale Kontakte aufzubauen und zu pflegen – zu vollwertigen Mitgliedern einer starken Gemeinschaft heranzuwachsen. Und die Ärztin weiß so gut wie die Eltern, dass all das oft nicht unter einen Hut geht mit optimalen Zeiten im Glukose-Zielbereich. Was also tun, wenn ein Wochenende bei den Großeltern ansteht, ein Sportwettkampf oder die Übernachtung bei Freundinnen und Freunden?

„Entscheidend ist, das Ziel zu definieren“, brachte es Olga Kordonouri auf den Punkt: Soll das Kind die Chance haben, sich selbst zu beweisen? Zwischenmenschliche Beziehungen zu erleben? Selbstständig zu werden? Mit dem Gefühl von Leichtigkeit eine schöne Zeit für sich selbst zu haben? Dann ist genau dieses das Ziel! Und dann hat dieses Ziel Vorrang vor optimalen Glukosewerten, bestärkte Olga Kordonouri die Eltern.

von Dr. Ulrike Schneeweiß


Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (7) Seite 60-61

zur Beitragsübersicht von Deutscher Diabetiker Bund e.V.

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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Tag, 19 Stunden

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 2 Tagen, 13 Stunden

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 3 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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