- Aus der Community
Wenn Pumpe und Sensor für Verwirrung sorgen – Nadjas Top 5
4 Minuten

Die moderne Medizin macht einem Diabetiker das Leben weitaus leichter als früher: Seit es Pumpe und Glukosesensor gibt, kann man auf lästiges Spritzenaufziehen, Bolusberechnung und Fingerpiksen verzichten, wenn man das möchte.
Der Vorteil an der altbekannten Spritz- und Messmethode ist jedoch: Man kann es im Geheimen machen, so dass es niemand mitbekommt.
Das fällt mit Pumpe oder mylife OmniPod und FreeStyle-Libre-Sensor doch schon erheblich schwerer, denn irgendwie ist eines der beiden Geräte immer sichtbar. Beim FreeStyle-Libre-Sensor gibt es nicht viele Alternativen, der muss laut Hersteller an den Arm. Bei der Patch-Pumpe kann man schon variieren, wobei sehr viele Diabetiker auch eine Stelle am Arm bevorzugen. Meine hängt am Unterschenkel, weil sie bei mir dort am besten hält und bei Außentemperaturen unter 20 Grad versteckt bleibt.
Meine Top 5 der merkwürdigen Interpretationen
Sind der Sensor und/oder die Patch-Pumpe zu sehen, schaut der höfliche Nicht-Diabetiker einfach kurz hin oder fragt nett nach, um was es sich denn da an Arm/Bein/Hüfte/Bauch handelt. Aber es gibt auch vermeintlich witzige oder unwissende Menschen, die der Meinung sind, man müsse das gesehene Gerät lächerlich machen oder totinterpretieren, um was es sich dabei handelt. Hier sind meine persönlichen Top 5 der „Interpretationen einer Pumpe/eines Sensors“ – und all diese „Erklärungsversuche“ habe ich auch wirklich so zu hören bekommen.
Platz 5: die Bombe
„Sind deine Eltern Terroristen“ – „Warum? Weil sie die Sterne geklaut und in meinen Augen versteckt haben?! Schlechte Anmache!“ – „Nein, weil du ’ne Bombe am Arm trägst.“ Auch wenn der junge Mann damals nicht mein Typ war, musste ich doch lachen, und bis meine beste Freundin kam und mich zum Rauchen mitgezerrt hat, haben wir auch ein nettes Gespräch geführt.

Umso weniger schön wird es, wenn man vor einer Sicherheitskontrolle am Flughafen oder bei Gericht steht und das Gegenüber ist sich wirklich nicht sicher, ob in dem Kästchen Sprengstoff ist. Nachdem der Sicherheitsbeamte 2015 am Flughafen in Hurghada (Ägypten) schon ganz nervös rumgestikuliert und an meiner Patch-Pumpe rumgefummelt, mich glücklicherweise aber irgendwann durchgewunken hat, betrete ich keinen Flughafen mehr ohne ärztliches Attest. Damit geht’s definitiv schneller und ohne böse Überraschungen.
Platz 4: der Schrittzähler
Zugegeben: Würde ich als Laie ein weißes Kästchen am Bein einer anderen Person angeklebt sehen, wäre auch meine erste Vermutung, dass es sich um eine Art Schrittzähler handelt. Mit Fortschritt der Technik und den ganzen Pseudo-Healthy-Grünkohl-Smoothies schlürfenden Hobby-Leistungssportlern mit ihren Smartwatches und Fitness-Apps ist es schwer, einen Überblick zu haben, welches Gadget momentan in ist. Also warum dann nicht auch ein Schrittzähler zum Ankleben ans Bein?!

Platz 3: das Nikotin-Pflaster
Diesmal ging es ausnahmsweise um den FreeStyle-Libre-Sensor am Arm. Mit der Antwort „Nee, nee, das ist ein Glukose-Sensor“ sind aber auch die meisten ein bisschen überfordert. Oft kommt man halt nicht um eine mehr oder minder ausführliche Erklärung herum.

Platz 2: das 3-D-Tattoo
Als Bedienung erlebt man so einiges, und im Disko-Betrieb gewöhnt man sich schnell an (stark) alkoholisierte Gäste. Mehr Alkohol = weniger Hemmungen, und ich möchte behaupten, dass ich in drei Jahren Bedienen in der Disko fast alles erlebt habe.
Die Krönung war jedoch ein männlicher Gast, der bis in die frühen Morgenstunden kräftig am Feiern und Trinken war. Als ich ihm seinen bestimmt schon fünften Gin Tonic an diesem Abend hinstellte, meinte er plötzlich zu mir: „Dein Tattoo am Bein sieht übrigens voll realistisch aus, fast wie echt. Was stellt das überhaupt dar?“

Platz 1: das NSA-Überwachungsgerät/die Fußfessel
„Werden sie von der NSA überwacht? Müssen wir jetzt aufpassen, was wir reden? Oder ist das nur eine Fußfessel?“, so ein Gast zu mir im Sommer beim Bedienen im Biergarten. Bei 28 Grad ist es schwierig, als Servicekraft im Außenbetrieb passende Klamotten zu finden. Keine zu kurzen Hosen (denn wir sind ja in einem Restaurant und nicht in einem Sportstudio oder am Strand), keine Röcke (denn wehe, man bückt sich mal), nicht zu lang, weil es sonst zu warm wird, keine Kleider (gleiches Problem wie mit einem Rock) … Irgendwann kommt man auf den Kompromiss, eine ¾ lange Hose oder Bermuda-Shorts zu tragen.

In meinem Fall sieht man dann wieder die Patch-Pumpe am Bein. Inzwischen habe ich mich an fragende Blicke gewöhnt und auch daran, dass ich das eine oder andere Mal darauf angesprochen werde. Auch wenn das Erklären beim zehnten Mal lästig wird, versuche ich doch, so freundlich und knapp wie möglich zu erklären, was da an meinem Unterschenkel hängt. Die oben genannte Frage hat mich damals jedoch ein bisschen angefressen. Wahrscheinlich lag es daran, dass er vermutet hatte, dass ich ein Knacki bin, oder mich zumindest scherzhaft damit verglichen hat, vielleicht lag es auch einfach am stressigen Arbeitsbetrieb oder den Temperaturen. Auf jeden Fall habe ich eine coole Miene aufgesetzt und geantwortet: „Keine Angst, das liegt nur daran, dass ich schwerbehindert bin.“ Gespräch beendet.
So, ihr Lieben, ich würde mich sehr über ein Feedback von euch freuen und gerne hören, mit was eure Pumpe/euer Sensor schon verwechselt worden ist und wie ihr reagiert habt. Vielleicht kann man noch was lernen 😉
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Aus der Community

5 Minuten
- Aus der Community
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 1 Monat, 1 Woche
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 15. Juli! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]







Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße