Die Einschulung eines Kindes mit Typ 1 Diabetes stellt Eltern vor große Herausforderungen. Ein Erfahrungsbericht zeigt, wie der Übergang vom Kindergarten in die Schule durch frühzeitige Planung und Schulung der Lehrkräfte auch ohne Integrationskraft gelingen kann.
Der Wechsel vom Kindergarten in die Schule war für uns lange Zeit mit einem großen Fragezeichen und einem gewissen Maß an Beunruhigung versehen. Hatten wir uns doch in zweieinhalb Jahren Diabetes-Management mit dem Team im Kindergarten (das uns wirklich toll unterstützte) gut eingefunden und den Komfort eines eingespielten Teams und vertrauensvoller Beziehungen genossen.
Entsprechend groß war die Sorge, dass mit dem Wechsel in die Schule ein gewisser Bruch einhergehen könnte, sowohl was die Unterstützung durch die Lehrkräfte als auch die neuen Mitschüler anging.
Wechsel sollte reibungslos und unaufgeregt erfolgen
Würden uns die Lehrkräfte unterstützen? Würden die Mitschüler den Diabetes und seine Behandlung genauso unaufgeregt annehmen wie die Kinder im Kindergarten?
So suchte ich frühzeitig den Kontakt zu Schulleitung und Kernzeitbetreuung, um die Möglichkeiten auszuloten. Unser Ziel war klar: möglichst wenige Einschränkungen und eine normale Teilhabe am Schulalltag. Unsere Tochter sollte, wo es geht, selbstständiger im Diabetes-Management werden und nur an den notwendigen Stellen Hilfe von außen bekommen.
In der Kernzeitbetreuung fand mein Angebot einer Mitarbeiter-Schulung direkt regen Anklang. Frühzeitig konnte ich hier die Mitarbeiter über den Diabetes informieren und besprechen, welche Aufgaben auf sie als Betreuer zukommen würden. Auch die Teilnahme am warmen Mittagessen wurde hier nie in Frage gestellt. Die Mitarbeiter waren bereit, Essen entsprechend von mir bearbeiteten Speiseplänen abzuwiegen und Kohlenhydrat-Mengen zu ermitteln. Die Eingabe ins Steuergerät der Insulinpumpe sollte dann durch meine Tochter erfolgen, es sollte lediglich auf die korrekten Zahlen geachtet werden.
Schulung der Lehrkräfte war gute Grundlage
In Sachen Unterricht mussten wir etwas länger zittern. Die Schulleitung hatte uns zwar zu verstehen gegeben, dass sie grundsätzlich bereit war, uns zu unterstützen, jedoch das Wie und Wer blieb im Ungewissen, bis schließlich die Klassenlehrer, eine Woche vor Schulbeginn, feststanden. Daraufhin durften wir mit den beteiligten Lehrkräften – immerhin sieben an der Zahl! – eine Diabetes-Schulung durchführen und das Vorgehen im Schulalltag besprechen. Die Mitarbeiter waren offen, teilweise etwas besorgt, aber alle mit der grundsätzlichen Bereitschaft, sich mit dem Thema zu beschäftigen.
Wie sich herausstellte, hatten wir in vielerlei Hinsicht Glück. Unser Klassenlehrer war früher im Rettungsdienst tätig gewesen und daher recht entspannt, was den Umgang mit Diabetes-Patienten anging. Das Konzept unserer Schule sieht außerdem in der ersten Klasse ein gemeinsames Pausenvesper vor, bevor die Kinder zum Bewegen auf den Schulhof gehen – ideal, um im Klassenverband in Ruhe die Kohlenhydrate fürs Pausenbrot ins Steuergerät einzugeben und diese durch den Klassenlehrer kontrollieren zu lassen.
Einzelstunden Sport beeinflussen Blutzucker wenig
Auch mit den Zeiten für den Sport- und Schwimm-Unterricht hatten wir Glück. Diese liegen jeweils in der ersten Stunde, sodass ich zu Hause noch den Aktivitätsmodus aktivieren kann und meine Tochter in der Schule nicht mehr daran zu denken braucht. Vorteilhaft ist für uns auch, dass Sport und Schwimmen jeweils in Einzelstunden stattfinden. Mit dem Weg in die Halle und den Zeiten, die zum Umziehen benötigt werden, ist hier kaum ein Einfluss auf den Blutzucker feststellbar.
Welche Schwierigkeiten es gerade in der Anfangsphase gab und was andererseits half, diese zu meistern, ist nachzulesen auf der DBW-Website.
von Saskia Birkhold
Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (4) Seite 67
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