Eine wissenschaftliche Studie untersucht Erfahrungen bei der Nutzung von Remote Monitoring Technologien, bei denen CGM-Daten per Follower-Funktion geteilt werden.
Systeme zum Remote Patient Monitoring (RPM) übermitteln Glukosewerte automatisch an eine oder mehrere Personen. Immer mehr Menschen mit Diabetes nutzen diese Technologie und teilen Werte mit Angehörigen, Freundinnen und Freunden oder Partnerinnen und Partnern. Das kann ihre Selbstbestimmtheit stärken und gleichzeitig das Gesundheitssystem entlasten.
Auf den ersten Blick versprechen RPM-Systeme viele Vorteile:
- Mehr Freiheit: Menschen können – in Abhängigkeit vom jeweiligen Gesundheitszustand – frei über ihre Aufenthaltsorte verfügen.
- Mehr Sicherheit: Bei Auffälligkeiten kann medizinisches Personal oder eine zweite Person, die Zugang zu den geteilten Gesundheitsdaten hat, schnell reagieren und die betroffene Person kurzfristig kontaktieren.
- Bessere Betreuung: Die gesammelten Daten helfen, Veränderungen des Gesundheitszustands frühzeitig zu erkennen oder besser zu behandeln.
Eine Forschungsgruppe an der Georg-August-Universität Göttingen untersucht, wie Nutzerinnen und Nutzer die Wirkung der Technologie wahrnehmen. Bisher sind sie auf ambivalente Angaben gestoßen.
Unter den geschilderten Gefühlen waren beispielsweise:
- Fremdbestimmung: Durch die kontinuierliche Möglichkeit zur Kontaktaufnahme durch eine zweite Person entsteht für einige das Gefühl der Fremdbestimmung.
- Kontrollgewinn bei gleichzeitigem Verlust von Kontrolle: Manche fühlen sich sicherer und berichten von mehr Kontrolle über den eigenen Körper. Andere fühlen sich ausgeliefert, weil das Gerät kontinuierlich Auskunft über ihren Gesundheitszustand gibt – auch ohne dass sie es bewusst mitbekommen.
- Gefühl von extremer Nähe bei gleichzeitiger Entfremdung: Einige Menschen fühlen sich gut betreut und sicher – andere empfinden die Beobachtung als übergriffig, grenzüberschreitend oder entmenschlichend.
Teilnehmende gesucht!
Jetzt wollen die Forschenden gemeinsam mit Nutzerinnen und Nutzern sowie ihren „Followerinnen und Followern“ sprechen. Sie suchen also Teams aus einer Person mit Diabetes und derjenigen, die kontinuierlichen Zugang zu den geteilten Glukosewerten hat, beispielsweise über die Follower-Funktion. Wer ein System zum kontinuierlichen Glukose-Messen (CGM) nutzt und spezifische Daten mit mindestens einer zweiten Person teilt, ist eingeladen, an einem gemeinsamen Interview teilzunehmen.
„Die Einblicke und Erfahrungen der Betroffenen sind für uns essenziell, um die erwünschten und unerwünschten oder unerkannten Wirkungen der Nutzung von RPM-Technologien zu verstehen“, erklärt Laura Detels, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Interorganisationale Informationssysteme der Georg-August-Universität Göttingen.
Außerdem suchen die Forschenden Personen, die sich bewusst gegen die Nutzung von Geräten entschieden haben, die spezifische Werte teilen können. „Wir sind natürlich ebenso an ihren Beweggründen und Einblicken sowie denen ihrer Angehörigen interessiert“, sagt Laura Detels. Die bisherigen Erkenntnisse sind zu finden unter t1p.de/da2610dbb.
Ihr Beitrag hilft, psychische und soziale Facetten der RPM-Nutzung besser zu verstehen, mit dem Ziel, die Lebensqualität aller Beteiligten zu steigern. Die gemeinsamen Interviews dauern etwa 45 bis 60 Minuten.
Buchen Sie gern direkt unter folgendem Link einen Termin, an dem Sie und die/der Followerin bzw. Follower Zeit haben. Für Fragen steht Laura Detels gern zur Verfügung: E-Mail: laura.detels@uni-goettingen.de, Tel. 0157/79 57 67 97.
Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (8/9) Seite 78-79






