Frigga Jacobi ist seit 50 Jahren Mitglied im Diabetikerbund Bayern e.V., 60 Jahre schon lebt sie mit Diabetes Typ 1! Diese Jubiläen feierte sie mit ihrer Selbsthilfegruppe, „den Schwabacher Typ 1“, in ihrer Heimatstadt Ansbach.
Mitte August war es ein rundum gelungener, herrlicher Nachmittag mit 22 Beteiligten. Treffpunkt war der Bahnhof der Markgrafenstadt. Stadtführer Alexander Biernoth ließ mit seinen kurzweiligen Erläuterungen die Stadt lebendig werden!
Er führte uns zur Anscavallo-Pferdeskulptur vor der Residenz. Durch den Torbogen der Kirche St. Gumbertus ging es zur Reitbahn. Einst fuhren hier Pferdekutschen vor und setzten Gäste der Residenz ab. Wir besuchten den Behringerhof, die Kirche St. Gumbertus – die Kirche der Markgrafen und „Edlen“ –, die Markgrafengruft und den Martin-Luther-Platz mit Blick auf die Kirche St. Johannis – die Kirche fürs Volk. Faszinierend waren die Säulen von St. Gumbertus: Hier tropft seit mehr als vier Jahrhunderten aus vermeintlichen Marmorsäulen Harz!
Eindrucksvolle Rede von Frigga Jacobi
Den Abschluss bildete das gemütliche Kaffeetrinken in der Orangerie im Hofgarten. Besonders eindrucksvoll war die humorvolle Rede von Frigga über ihr Leben mit Diabetes:
„Mit 17 Jahren wurde mein Typ-1-Diabetes glücklicherweise im Entstehen erkannt und mit der damals üblichen Therapie behandelt: Viele Lebensmittel waren überhaupt verboten. Alle sechs Wochen ins Schwabinger Krankenhaus ins Labor, wo mich eine strenge ältere Laborantin jedes Mal fragte, ob ich wohl wieder gesündigt hätte. Ich habe sie zum Teufel gewünscht, denn ich hatte mich sehr angestrengt und kämpfte gegen schreckliche Ängste. Prof. Mehnert, mein damaliger Arzt, war aber sehr fürsorglich zu mir.
Im Laufe der Jahrzehnte wechselte die Therapie von sich täglich steigernden Tabletten, noch schwereren Tabletten und noch noch schwereren Tabletten – immer das Schreckgespenst SPRITZEN vor Augen, das es zu vermeiden galt, aber nicht zu vermeiden war. Pens gab es noch nicht. Es folgte die ICT-Therapie mit „dicken“ Spritzen, die man – nach meinem Gefühl – ins Fleisch rammen musste, damit sie nicht schmerzten.
1998 entschied ich mich für eine Pumpentherapie, mit der ich 26 Jahre lang prima zurechtkam, bis die Firma Roche ihre Produktion einstellte und ich leider wieder mit ICT-Therapie zurechtkommen muss. Die Spritznadeln sind besser und immer besser geworden, Hilfsangebote aller Art erleichtern das Leben mit Diabetes. Der allgemeine Niedergang im Gesundheitssystem schlägt sich aber auch im Diabetesbereich nieder.
Ich war mein ganzes Leben berufstätig, habe geheiratet, bin sehr viel gereist, war in den 60 Jahren 3-mal wegen Entgleisung auf der Intensivstation. Ich habe nie geraucht, nur mäßig Alkohol getrunken und mich im Großen und Ganzen an die ärztlichen Ess-Vorgaben gehalten, was nicht immer gelang.
Und neulich sagte mein Augenarzt zu mir: Sie haben keinerlei diabetische Schäden am Auge! (Aber andere, erträgliche.) Hoffentlich bleibt das so! Und eine einfach zu handhabende Pumpe wünsche ich mir auch nochmal!“
Ein schöner und inspirierender Tag
Der Tag endete mit einem herzlichen Gruppenbild und vielen persönlichen Eindrücken. Ein sehr schöner und inspirierender Samstag in Ansbach, der unser „süßes“ Gemeinschaftsgefühl gestärkt und viele positive Momente geschaffen hat. Danke an alle Beteiligten und besonders Dir, liebe Frigga, für diesen besonderen Tag.
von SHG Typ 1 Mittelfranken
Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (4) Seite 76





