Die Diagnose Diabetes – ein Interview mit meiner Mutter

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Die Diagnose Diabetes – ein Interview mit meiner Mutter

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Wie hast du damals gemerkt, dass etwas nicht stimmt?

Du hast wieder in die Hosen gemacht, warst oft müde, aber bei einem 3-Jährigen macht man sich da nicht unbedingt sofort Gedanken drum. Bei der Kigauntersuchung, die eh anstand, wurde deshalb vorsichtshalber ein Blutzucker gemacht. Der Kinderarzt hat dann umgehend im Krankenhaus angerufen und uns sofort dahin geschickt.

Wie haben die Ärzte und Schwestern reagiert?

Im Krankenhaus lief erstmal alles routinemäßig ab: Labor, Blutzuckerkontrolle und dann Insulininfusion, NaCl, Herz-Atem-Monitor.
Nach deiner Versorgung waren sowohl Schwestern als auch die Ärzte bei uns, haben uns aufgeklärt, Fragen beantwortet und die Psychologin zu uns geschickt

Das alles kam ja sehr plötzlich. Wie hast du dich dabei gefühlt?

Schockiert und maßloss traurig. Ich habe mir die Schuld gegeben, da mein Onkel mit 10 Jahren ebenfalls an Typ-1-Diabetes erkrankte. Im Kopf schwirrten Bilder von amputierten Beinen und offenen Wunden. Riesige Zukunftängste beherrschten die Gedanken.

Wie haben meine Geschwister und Verwandten die Diagnose aufgenommen?

Für deine Geschwister war es halt noch eine Erkrankung dazu, zu den anderen. Keiner war sich der Tragweite bewusst, sie waren ja auch noch nicht so alt. Bis auf eben dieser Onkel mit seiner Frau waren alle Verwandten sprachlos und ebenso schockiert.

Viele Eltern von Diabeteskindern haben ja große Probleme in den Kindergärten oder der Schule. Wie war das damals bei uns? Gab es bei uns Schwierigkeiten?

Weder noch. Im Kiga gab es eine Typ-1-Erzieherin,die sich als Erstes bereit erklärte, sich um dich zu kümmern. Auch unser Kinderarzt absolvierte 2 oder 3 Infoveranstaltungen. Jede Gruppe hatte eine Liste mit Anweisungen, es gab für dich immer Tomaten und Gurken. Traubenzucker bzw. Trinkpäckchen ebenso. Das Spritzen lief damals nach festem Plan ab, ebenso das Essen. Zum Spritzen bin ich in den Kindergarten gekommen.
In der Schule hattest du eine Integrationshelferin, die dich im Schulalltag begleitete.

Wurde dort besondere Rücksicht auf meinen Diabetes genommen?

In gewisser Weise schon, so z.B. durftest du immer essen oder trinken, wann du wolltest oder musstest. Und wenn es dir schlecht ging, duftest du auch mal in der Pause drinnen bleiben. Bei Geburtstagsfeiern gab es für dich immer extra Kuchen bzw. die Mitbringseltüten bestanden zum größten Teil aus kohlenhydratfreien Lebensmitteln. Daher wahrscheinlich auch deine Abneigung gegen Babybell und die Vorliebe zu Salami 😉

Haben sich Freunde oder deren Eltern uns gegenüber anders verhalten?

Nach anfänglicher Scheu, die mit vielen Gesprächen und noch mehr Fragen abgelegt wurde, nicht mehr. In der Anfangszeit begleitete ich dich zu Besuchen bei Freunden bzw. Kindergeburtstagen. Aber auch diese Begleitungen wurden immer weniger.

Wie denkst du heute?

Heute ist der Diabetes ein Teil von dir, er gehört dazu und ich habe meinen Frieden damit geschlossen. Dank der Forschung und deinem Umgang mit der Erkrankung sehe ich deine Zukunft nicht mehr mit Angst, sondern positiv. Der Diabetes hat einen verantwortungsvollen und reifen Mann aus dir gemacht, und das ist gut so!

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  • schubidu postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 45 Minuten

    Hallo zusammen,
    ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!

  • stephanie-haack postete ein Update vor 3 Wochen

    Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 3 Wochen

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

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