Auf hoher See, Teil 2: Boarding mit überraschender Begegnung

3 Minuten

© © Zerophoto - Fotolia
Community-Beitrag
Auf hoher See, Teil 2: Boarding mit überraschender Begegnung

Der große Tag war gekommen. Heute sollte ich an Bord „meines“ Schiffs gehen, das am Vorabend in Valparaíso in Chile angekommen war: 333 Meter lang, 48 Meter breit, Platz für bis zu 10.000 Container. Ein Gigant!

Um 9 Uhr morgens traf ich mich mit dem zuständigen Agenten des Hafens – und bei dieser Gelegenheit auch die zweite Passagierin an Bord, eine Französin. Gemeinsam fuhren wir nach einem Sicherheitscheck unseres Gepäcks durch den Hafen, um genau vor der Gangway unseres Schiffes anzuhalten, auf das währenddessen ein Container nach dem anderen geladen wurde. Aufregung, ob ich meinen Koffer die wacklige Leiter nach oben bringen würde, machte sich breit – gepaart mit kindlicher Vorfreude auf das Abenteuer der ganz besonderen Art.

„Willkommen an Bord!“

Die Aufregung angesichts der 72 Stufen war umsonst: Sofort kamen uns zwei der 25 Mann starken Crew entgegen, hießen uns willkommen und schnappten unser Gepäck. Etwa 25 Meter weiter oben an Deck angekommen, wurden wir vom Chief Officer des Schiffs begrüßt, der uns bat, ein paar Minuten in seinem Büro zu warten. Kein Problem. Die vielen Eindrücke meines neuen Zuhauses auf Zeit – Motoren- und Krangeräusche, lange Flure, Warn-Schilder – mussten eh erstmal verarbeitet werden.

Zumal in dem besagten Büro noch ein weiterer Passagier saß, der darauf wartete, mit Sack und Pack von Bord gehen zu dürfen: Alain (71), ebenfalls Franzose, der gerade mit dem Schiff aus Europa in Valparaíso angekommen war – und der damit also genau die Reise hinter sich hatte, die uns in umgekehrter Reihenfolge bevorstand. Natürlich löcherten wir ihn mit Fragen, die er geduldig beantwortete: Ja, es war toll. Nein, der Seegang war nicht zu schlimm. Und ja, in Cartagena in Kolumbien war er von Bord gegangen – eine tolle Stadt!

Zufall par excellence

Meine drängendste Frage – mit Blick auf meinen großen Insulinvorrat in der Tasche: Gibt es einen eigenen Kühlschrank in der Kabine? Ich erklärte, warum das für mich wichtig ist, und da machte sich ein breites Grinsen im Gesicht des ohnehin schon freundlichen Franzosen breit: „Ja, den gibt es. Und ich bin auch Typ-1-Diabetiker.“

Wie bitte?

Ich konnte es nicht glauben. Alain auch nicht. Wir blickten uns an und freuten uns – so wie es immer der Fall ist, wenn sich zwei Gleichgesinnte aus der süßen Community irgendwo in der Welt zufällig treffen. Zumal an so einem speziellen Ort. Und es wurde noch besser: Er nutzt genau wie ich die Patchpumpe OmniPod und den FreeStyle Libre!

Interessiert stellte er mir Fragen zu meinem Blucon-Aufsatz und im Gegenzug versicherte er mir, dass der Diabetes an Bord überhaupt kein Problem sei. Im Vergleich zu meinen 16 Jahren Typ-1-Diabetes-Historie konnte Alain bereits 43 Jahre mit Diabetes im Gepäck auf den Tisch legen.

Auch wenn ich nicht wirklich Bedenken bei der speziellen Reise hatte, auf der es keinen Arzt oder keine anderweitige Hilfe von außen geben würde: Diese Zufallsbegegnung gab mir einen zusätzlichen Kick und ich wartete gespannt darauf, meine Kabine zu sehen und endlich abzulegen!


Die weiteren Beiträge zu Susannes Reise findet ihr hier:

Auf hoher See, Teil 1: Planen und Packen

Auf hoher See, Teil 3: Die ersten zwei Wochen an Bord

Auf hoher See, Teil 4: Kein Land in Sicht und Ankunft in Europa

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Bericht vom t1day 2026: Technik, Menschen, Emotionen

Der t1day hatte am vergangenen Sonntag wieder nach Berlin gelockt. Auch 2026 waren viele dem Ruf gefolgt und nutzten den Tag für neues Wissen, gute Gespräche und intensiven Austausch. Welche Themen im Fokus standen, erfahrt ihr im Bericht von Diabetes-Anker-Chefredakteurin Dr. Katrin Kraatz.
Bericht vom t1day 2026: Technik, Menschen, Emotionen | Foto: K. Kraatz/MedTriX

5 Minuten

Menschen mit psychischen Erkrankungen erhalten häufig eine schlechtere Diabetes-Versorgung

Menschen mit psychischen Erkrankungen erhalten seltener eine leitliniengerechte Diabetes-Versorgung. Eine neue Metaanalyse zeigt deutliche Versorgungsunterschiede mit möglichen Folgen für Therapieerfolg und Lebenserwartung.
Menschen mit psychischen Erkrankungen erhalten schlechtere Diabetes-Versorgung | Foto: Orapun – stock.adobe.com

2 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage

Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community

Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen

Community-Feed

  • Hallo, ich bin noch ganz neu hier. Ich war heute beim T1day und bin dadurch auf den DiabetesAnker aufmerksam geworden. Ich bin Ende 20 und komme aus Berlin und bin auf der Suche nach anderen Menschen mit Typ 1 Diabetes (ungefähr in meinem Alter) zum Austauschen und Quatschen. Vielleicht hat ja jemand Interesse 🙂

  • jasminj postete ein Update vor 2 Tagen, 20 Stunden

    Hi,
    Ich bin Jasmin und gerade auf dem t1day 🙂 hab seit 23 Jahren Diabetes, aktuell mit Ypsopump und G7. Bin entweder in Hamburg oder Berlin anzutreffen und freue mich auf Kontakte und Austausch!

  • galu postete ein Update vor 6 Tagen, 17 Stunden

    hallo,
    ich bin d«Deutsche und lebe seit ca.40jahren in Portugal… meine Tochter, deutsch portugiesin, nun 27 ist seit ihrem 11.Lebensjahr Typ1.
    Nachdem ich, gleich nach der Diagnose, eine Selbsgthilfegruppe – die jungen Diabetiker der Algarve, gegruendet habe – finden wir nun so einige Beschraenkungen, was Selbsthilfe und relevante Info betrifft….meine Frage an die Gruppe:
    Kann mir jemand , irgendwo in Deutschland eine gute Diabetes Kur oder Kuren mit Hauptgewicht auf Diabetes empfehlen?
    Wir werden eh alles privat organsieren und bezahlen muessen – also sind eh nicht auf Krankenkassenangebote angewiesen (falls es diese ueberhaupt (wo?) geben sollte)
    Irgendwo in Deutschland (vielleicht nicht zuweit weg von internationalen Flughaefen, da wir ja immer aus Portugal kommen muessen.
    Hat vielleicht jemand eine Idee? vielen dank im Voraus

    • Hallo! Die beste Klinik für Diabetes ist in Bad Mergentheim! Ich hoffe Euch damit geholfen zu haben! Die Gesetzlichen Krankenkassen schicken die bei ihnen versicherten Diabetiker alle dahin! Privat geht aber auch? Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland!

Verbände