Disability Pride Month ist auch Diabetes Pride Month!

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Community-Beitrag
Disability Pride Month ist auch Diabetes Pride Month!

Noch ist Juli, noch ist Disability Pride Month! Disability what? Falls ihr vor zwei Sekunden noch nichts von diesem Monat gehört habt: Ich kann euch keinen Vorwurf machen. Die Stimmen, die ich in den vergangenen Wochen zu dem Thema im deutschsprachigen Kontext gehört habe, sind sehr rar. Ein paar Stimmen bei Twitter, vereinzelte Artikel, aber ansonsten schweigt die deutsche Medienlandschaft genauso wie bei den meisten Inklusion betreffenden Themen.

Die rechtliche Gleichstellung von be_hinderten Personen

Entstanden ist dieser Monat der Aufmerksamkeit 1990 in den USA, nachdem dort am 26. Juli 1990 der ADA (Americans with Disabilities Act) vom US-Präsidenten Bush unterzeichnet wurde. Mit dem ADA wurde weltweit das erste Mal die rechtliche Gleichstellung von be_hinderten Personen geschaffen. (Vgl: https://www.adaanniversary.org/findings_purpose).

Doch wir wissen alle: Was in der Theorie gut klingt, scheitert häufig an einer konsequenten/fehlenden Umsetzung in der Praxis. Bis heute werden be_hinderte Personen und ihre Lebensrealitäten pathologisiert und als „anders“ dargestellt. Deshalb geht es im Disability Pride Month nicht zuletzt darum, Aufmerksamkeit für Be_hinderung als Teil von unseren Identitäten zu schaffen. Mir täglich Insulin zu spritzen und Blutzuckerachterbahnen auszubaden, sind genauso oder vielleicht noch mehr Teil meiner Identität als mich meinen Freund:innen zu widmen, meinen Hobbys nachzugehen und in unterschiedlichen Lohnarbeitsverhältnissen stehen zu müssen, um in diesem System zu existieren. Fakt ist allerdings, dass diese Dinge – im Vergleich zu Krankheiten und Be_hinderungen – als normal erachtet werden. Be_hinderung hingegen ist bis heute negativ konnotiert und be_hinderte Leben werden als weniger lebenswert angesehen.

Die Rolle des Diabetes im Disability Pride Month

Und falls ihr euch nun immer noch fragt, was Personen mit Diabetes mit dem Disability Pride Month zu tun haben: ganz schön viel. Euch ist selbst überlassen, ob ihr euch als be_hindert[1] identifiziert oder dieses Label aus unterschiedlichen Gründen bewusst ablehnt, trotzdem soll klar sein, dass weite Definitionen von Be_hinderungen, wie sie in den letzten Jahren vermehrt verwendet wurden, zum Glück auch chronisch kranke Personen einschließen, da wir nicht zuletzt alle von Ableismus betroffen sind.

Quelle: Blood Sugar Lounge

Zum einen weichen wir mit unseren Körpern von einer able bodied Norm (gesunde/nicht be_hinderte Körper) ab und zum anderen erfahren wir strukturelle Be_hinderung durch mangelnde Hilfs- und Unterstützungssysteme im Alltag. Diese Normen aufzubrechen und zu normalisieren, dass eine nicht funktionierende Bauchspeicheldrüse und all die Aufgaben, die daraus resultieren, Teil unseres Alltags sind, ist ein Prozess, der vermutlich (ich wäre gerne optimistischer!) noch lange andauern wird. Umso wichtiger sind Monate wie der Juli, in denen unseren Stimmen bewusst Raum verschaffen werden sollte und die Geschichten be_hinderter Personen nicht ausschließlich mit einem Narrativ des Leidens präsentiert werden.

Stolz (engl. Pride) und müde

Im Laufe des Monats dachte ich häufig: Ich bin nicht stolz, ich bin müde. Ich bin nicht stolz, ich bin erschöpft. Müde, immer den gleichen Barrieren zu begegnen. Müde, mich erklären und rechtfertigen zu müssen. Müde, auf mangelnde Solidarität innerhalb einer Pandemie aufmerksam zu machen, und müde, darauf zu warten, dass endlich institutionelle Verantwortung für sämtliche Barrieren übernommen wird. So wie es in der UN-Behindertenrechtskonvention festgelegt ist.

Aber warum eigentlich nicht stolz und müde gleichzeitig sein? Als Person, die grundsätzlich für alles und alle, außer sich selbst Stolz empfinden kann, habe ich mich mit dem „Pride“ in „Disability Pride Month“ am Anfang sehr schwergetan.

Aber ich habe in diesem Monat versucht, jeden Tag einmal kurz daran zu denken, dass es auch, wenn es im Alltag häufig untergeht, einen Grund gibt, wieso es Disability PRIDE Month heißt, und dieser Grund ist gerechtfertigt.

Und vielleicht, ganz vielleicht, wenn wir uns gegenseitig noch 1000-mal sagen, dass wir stolz auf den Vollzeitjob sein können, den wir unbezahlt nebenher machen, vielleicht kommt es dann irgendwann auch bei uns selbst an.

[1] Ich schreibe Be_hinderung bewusst mit Unterstrich, um auch sprachlich zu markieren, dass Be_hinderung durch äußere Strukturen und Gegebenheiten mitkonstituiert wird. Außerdem verwende ich für mich die „Person-First-Language“, also „be_hinderte Person“ als Selbstbezeichnung. Wenn du lieber als Mensch mit Behinderung, behinderter Mensch oder anders bezeichnet werden möchtest, ist das auch vollkommen okay. Wichtig ist, dass wir gegenseitig unsere Selbstbezeichnungen respektieren.


Mehr zum Thema sensibile Sprache gibt es auch von Antje zu lesen: Sensible Sprache zum Thema Diabetes: 10 Dinge, die ich aus der bisherigen Debatte gelernt habe

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  • Hallo,
    das neueste update für iOS ist inzwischen das 26.4.2. ich nutze den Dexcom g7 und die Freigabe von Dexcom ist derzeit bei 26.3.1.
    Wer sein Smartohone für online banking nutzt, muss bestätigen, dass updates regelmäßig gemacht werden. Ich finde es eine Zumutung, dass die Technik von Dexcom uns da immer so hinhält. Gibt es eine offizielle Stelle, die da mal intervenieren kann?

    • Hallo hexle,
      ich finde die Update-Empfehlungen von Dexcom auch etwas unbefriedigend.
      Allerdings steht auf der Kompatibilitäts-Seite auch:
      Zitat: “Sie können diese App auf jedem Betriebssystem verwenden, das die Mindestanforderungen erfüllt. Dexcom empfiehlt jedoch …”

      Eine “offizielle Stelle” bei Dexcom ist mir nicht bekannt, vom generellen Kundenservice mal abgesehen.

      Bei ernsthaften, tatsächlichen Funktionsstörungen gäbe es noch die Möglichkeit, eine Meldung beim BfArM zu eröffnen.

      Beste Grüße

    • PS Ich wollte noch ergänzen: Eine aktuelle ernsthafte Funktionsstörung sehe ich hier nicht gegeben.

    • Sicherheits-Updates der Betriebssysteme haben immer absolute Priorität. Dexcom und Abbott sind definitv sehr langsam mit den Tests und Freigaben. Beim G7 hat Dexcom etwas an Geschwindigkeit gewonnen, aber für G6 ist noch nicht einmal Android 16 getestet, das seit einem Jahr verfügbar ist. An Medizinprodukt-Freigaben liegt das nicht und besonders seriös und professionell ist es auch nicht. Neue Smartphones kann man nur mit aktueller OS-Version kaufen und wenn die nicht freigegeben ist, kann man theoretisch gar kein Smartphone sicher für Sensor oder AID-System verwenden. So war z. B. iOS 26 lange Zeit nicht auf den Listen, aber iPhones nur mit iOS 26 erhältlich. Die Listen verlieren damit zeitweise ihren eigentlichen Nutzen. Intervenieren können Anwender/Kunden mit Beschwerden bei den Hotlines.

    • @ole-t1: Danke Ole für deine Rückmeldung.

    • @schorschlinger: Danke für deine Rückmeldung. Beschwerden bringen einen da leider auch nicht weiter….

  • uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?

  • diahexe postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen

    Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?

    • Liebe diahexe,
      Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
      Viele Grüße
      Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion

    • diahexe antwortete vor 2 Wochen

      @gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.

    • @gregor-hess: das ist ein sehr guter Hinweis. Ich war schon persönlich bei der Gründerin des Vereins und habe Insulin abgegeben. Diese Frau macht wirklich einen tollen Job und bringt das Insulin regelmäßig nach Afrika. Sie nimmt Insulin, Pens, Pennadeln, Lanzetten, Blutzuckerteststreifen usw…

      Kann es nur empfehlen!!!

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