- Aus der Community
DIAlog 12: die Zahlen
4 Minuten
Lass uns Zahlen abschaffen!
„Weißt du was, Diabetes? Wir sollten Zahlen abschaffen.“
„Ich glaube nicht, dass das so einfach funktioniert.“
„Gewicht, Kontostand, Noten – nirgendwo machen sie die meisten Menschen wirklich glücklich. Weg damit!“
„Ehm, okay, gewagte These, soll das hier eine gesellschaftskritische Debatte werden, oder…?“
Ich seufzte. „Vergiss es. Geh mir aus den Augen.“
Der Diabetes sah mich entrüstet an. „Hallo? Ich habe doch nichts gemacht. Du kommst hier auf einmal reingestürmt und willst Zahlen abschaffen. Huda, was ist dein Problem?“
Ich warf die Hände in die Luft. „Alles! Du! Keine Ahnung! Wer hat gesagt, dass ich ein Problem habe?“
Der Diabetes hob eine Augenbraue.

„Ja, okay, vielleicht hab’ ich eines.“ Ich ließ mich aufs Sofa fallen. „Ich habe letztens einen Fitness-Account gefunden. Und die Person, die diesen Account betrieb, hat fast ein Jahr lang ein CGM-Gerät getragen. Aber nicht wegen Diabetes, sondern als irgendeine Form von Lifestyle. Diese Person hat darüber geschrieben, wie sie akribisch den Anstieg und Abfall ihrer Werte nach dem Essen beobachtet und ausgewertet hat, und ich meine – soll ja jeder mit seinem Leben machen was er will, ja? Aber mir gefällt das nicht. Nein, noch mehr, es hat mich wütend gemacht. Weil ich nicht verstehen kann, warum man ein perfekt funktionierendes Organ überwachen sollte, und, naja, weil ich glaube, dass ich auch gerne meine Gewebezuckerwerte nur aus Spaß beobachten würde, und nicht, weil mein Überleben davon abhängt. Irgendwie hat es sich angefühlt, als ob mit der Art, wie diese Gewebezuckerwerteüberwachung als revolutionär angepriesen wurde, gleichzeitig komplett ignoriert wird, wie unsere Realität eigentlich aussieht.
… oder Zahlen selbst definieren?
Menschen mit Diabetes haben sowieso schon ein höheres Risiko, Essstörungen zu entwickeln. Es ist ja auch schwierig, Essen nicht zu überdenken, wenn man so oft darüber nachdenken muss. Oder Lebensmittel nicht automatisch in gut und schlecht einzuteilen, wenn man ständig sofort die Auswirkung sehen kann, die sie haben. Und sich vor allem auch nicht schuldig zu fühlen, wenn man Essen einfach mal nur genießt.
Ich habe lange gebraucht, um diese Werte, diese Zahlen, als das anzusehen, was sie sind: eine Hilfestellung. Sie sagen mir, welcher nächste Schritt wohl richtig ist. Aber sie treffen kaum eine Aussage darüber, wie viel Mühe ich mir gebe. Sie erzählen anderen nicht davon, wie anstrengend mein Tag war und wie viel tausend Sachen ich neben dem Diabetes noch händeln musste. Sie sind Werte, nicht mein Leben. Und trotzdem frustrieren sie mich manchmal, natürlich. Oder sie machen mich sogar stolz. Ich kann sie nicht total losgelöst betrachten, aber ich sehe es auch nicht ein, dass sie alleine bestimmen, wie es mir geht.“
Der Diabetes nickte vor sich hin. „Aber dann sind vielleicht nicht Zahlen an sich das Problem, sondern einfach, wie uns beigebracht wird, mit ihnen umzugehen. Ich meine, sie sind ja schon praktisch. Oder willst du lieber deinen Urin abschmecken?“
Ich verzog das Gesicht. „Boah, ne, danke.“
„Siehste.“
Der immer sichtbare Diabetes
„Trotzdem will ich dich manchmal halt einfach nicht sehen“, murmelte ich. „Manchmal, da ist es Zeit für einen Sensorwechsel und ich frage mich: Was ist, wenn ich einfach keinen neuen setze? Was ist, wenn ich einfach mal ein paar Tage nicht ständig weiß, welche Werte ich gerade habe? Ich meine, klar, am Ende setze ich den neuen Sensor trotzdem. Ich habe das ständige Fingerpiksen früher unglaublich gehasst und ich könnte mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, wieder auf ein CGM-Gerät verzichten zu müssen. Aber bei all den Vorteilen, die ich für mich persönlich gefunden habe, bleibt eben auch dieser kleine, bittere Beigeschmack. Diabetes nebenbei, aber nun mal auch Diabetes bei jedem Blick auf das Handy, 24/7, hier wieder ein Alarm, da wieder ein Pfeil. Kaum steigt der Wert unerwartet, überschlagen sich die Gedanken – warum steigt er jetzt, soll ich schon Korrektur spritzen oder lieber abwarten, habe ich nachher eigentlich überhaupt noch Zeit, mich um einen hohen Wert zu kümmern, was ist, wenn ich zu viel korrigiere und danach unterzuckere, och nein, nicht der Doppelpfeil nach oben. Also ja. Ich weiß, dass Zahlen schon ihren Sinn haben. Aber manchmal will ich sie trotzdem mal nicht sehen müssen.“
„Besorg mir den Unsichtbarkeitsumhang aus Harry Potter und die Sache ist erledigt“, erwiderte der Diabetes stumpf.
Ich verdrehte die Augen. „Sehr witzig.“

Der Diabetes grinste mich schelmisch an. „Und jetzt mal ernsthaft – ich wäre sowieso total beleidigt, wenn du mich nur auf Zahlen reduzieren würdest. Ich bin offensichtlich so viel krasser als das.“
„Du meinst krass eingebildet?“
„Nun, nach all den Jahren färbst du halt auf mich ab.“
„Ey!“ Ich wollte mich auf den Diabetes stürzen, doch als ich ihn ansah, musste ich daran denken, wie recht er hatte. Diabetes lässt sich wirklich nicht nur in Zahlen packen. Also jagte ich ihn diesmal nicht durchs Haus, sondern tat etwas, was uns beide ein bisschen schockierte: Ich umarmte ihn.
Zahlen, die zählen
Und noch eine kleine Autorenanmerkung, ein paar Zahlen habe ich dann nämlich doch noch: Fast Zehntausend Worte, zwölf DIAloge, ziemlich genau zwei Jahre. Und wenn ich jetzt anfange, darüber zu schreiben, wie viel sich in dieser Zeit verändert hat und wie sehr die Gespräche mit meinem Diabetes tatsächlich dabei geholfen haben, ihm näherzukommen, dann fange ich an, meinen Laptop mit Tränen zu ertränken, aber ich will trotzdem an der Stelle kurz danke sagen – an alle, die mich damals ermutigt haben, sie zu schreiben, an alle, die sie lesen, und vor allem an alle, die selber manchmal mit ihren unfreiwilligen Mitbewohnern zu kämpfen haben.
Hudas allerersten DIAlog findet ihr hier: DIAlog – die Begegnung
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moira postete ein Update vor 1 Woche
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 1 Woche, 5 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55
