Kolumne | Zum guten Schluss: Bewunderung für meine Patienten

2 Minuten

© Kirchheim-Verlag | Illustrationen: Christian Mentzel
Kolumne | Zum guten Schluss: Bewunderung für meine Patienten

Drei Wochen nach seiner Hochzeit mit reichlich Essen, Tanz und Wein denkt Dr. Hans Langer über die Blutzuckerwerte seiner Patienten nach. Eine Patientin hatte nach ihrer eigenen Feier trotzdem gute Werte gemessen. Das weckt seine Bewunderung für Patienten mit Diabetes im Alltag.

Vor drei Wochen habe ich an einem traumhaft schönen Juli-Wochenende meine Gabi geheiratet. “Es wird aber auch Zeit”, meinte mein Schwiegervater, “schließlich kennt ihr euch jetzt schon seit zwölf Jahren.” Es war ein rauschendes Fest, und neben den vielen Freunden und Verwandten waren auch Kollegen aus der Bank, bei der Gabi arbeitet, da. Auch viele meiner Kollegen aus der Diabetes-Klinik waren gekommen.

Viele Emotionen, viel zu essen, viel zu trinken

Der Form halber musste ich natürlich auch meinen Chef einladen und das war auch gut so. Wie in der Klinik stand er natürlich auch hier wieder im Mittelpunkt und musste gleich hinter den Vätern des Brautpaares eine Lobrede halten. Die Rede hat mir gut gefallen. Obwohl ich im Stillen dachte, dass nirgendwo soviel gelogen wird wie auf Beerdigungen, Betriebsabschiedsfeiern und auf Hochzeiten. Trotzdem erinnere ich ihn bei Gelegenheit daran, dass ich, wie mein Chef in seiner Rede erwähnte, sein bester Mitarbeiter sei.

Wie es sich zu einer guten Feier gehört, gab es viele Emotionen, viel zu essen, es wurde viel getanzt. Und auch der gute Wein aus unserer Region floss in Strömen. Am Ende der Feier, so gegen vier Uhr nachts, lagen Gabi und ich uns glücklich in den Armen und ließen den Tag Revue passieren.

Sehr oft bewundere ich meine Patienten

Als Diabetologe kamen mir natürlich wieder meine Patienten in den Sinn: Einige von ihnen haben auch erst kürzlich geheiratet. Hätte ich, wie sie, einen Diabetes mellitus, dann hätte nach dem Verlauf unserer Hochzeitsfeier mein Blutzucker vermutlich voll nach oben ausgeschlagen oder tief nach unten – je nachdem. Vielleicht wäre er aber auch bei 120 mg/dl (6,7 mmol/l) wie bei meiner Patientin, die mir nach ihrer Hochzeit ihr Blutzuckertagebuch gezeigt hatte – trotz des vielen Essens und des vielen Tanzenstolle Werte!

Manchmal, nein, nicht manchmal, sondern sehr oft bewundere ich meine Patienten wirklich! Und das nicht nur bei Hochzeitsfeiern.

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

von Dr. Hans Langer

Dr. Hans Langer war ein fiktiver Charakter im Rahmen der Kolumne „Zum guten Schluss“, die von 2013 bis 2024 im Diabetes-Journal erschienen ist. Hinter der Rolle als Arzt in einer Diabetes-Klinik, der aus seinem Berufsleben berichtete, steckte ein echter Mensch, mit ähnlichem Hintergrund.

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2016; 65 (8) Seite 82

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Kolumne | Zum Guten Schluss: Abschied
Heute heißt es Abschied nehmen, denn die Kolumne „Zum guten Schluss“ erscheint zum letzten Mal. Rund 15 Jahre lang berichteten Jana Einser, Alex Adabei und Dr. Hans Langer von Erlebnissen und Geschehnissen aus ihrem Alltag rund um das Thema Diabetes.
Zum Guten Schluss: Abschied | Illustrationen: Christian Mentzel

2 Minuten

Kolumne | Zum guten Schluss: Abgestempelt
Tattoos sind heute Alltag, trotzdem wird noch immer schnell vorschnell abgestempelt, wenn am Körper etwas sichtbar ist. WIe ist es mit Hautverzierungen, die auf Diabetes hinweisen? Dr. Hans Langer findet es gut, offensiv mit der eigenen Erkrankung umzugehen und anderen Mut zu machen.

2 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • mr postete ein Update vor 2 Tagen, 17 Stunden

    Hallo,
    Ich bin neu hier.
    Seit gut zwei Jahren Typ 1 Diabetikerin.
    Ich würde mich gerne austauschen

  • Hallo, hat hier noch jemand Doppeldiabetes (durch Corona verursacht oder warum auch immer)? Ich würde mich gerne austauschen.

  • olivers postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen

    Hallo Zusammen!
    Ich bin ein T3er und freue mich Gleichbetroffene zwecks Erfahrungsaustausch zu finden. Bin im Frankfurter Raum, aber auch im Heidelberger Raum unterwegs.
    Liebe Grüße
    Oliver

    • gunnar83 antwortete vor 6 Tagen

      Hey Oliver, kannst mich gerne mal anschreiben. Viele Grüße
      Gunnar

    • @gunnar83: hallo, aktuell im Frankfurter Raum. Wir können aber gerne mal ein Treffen organisieren, zwecks Austausch.
      Viele Grüße
      Oliver

    • Hallo Oliver, auch ich bin Typ 3c und würde mich gern mit dir ein wenig per Mail mit dir austauschen, wenn du magst. Bin vor 15 Jahren mit Kausch-Whipple auf “Verdacht” operiert worden – war aber kein Krebs, sondern “nur” eine Pankreatitis (AIP), also eine Fehldiagnose (hätte keiner OP bedurft, also kein Diabetes als Folge).