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Nachruf: Der große Diabetologe Hellmut Mehnert ist gegangen
3 Minuten

Der „Diabetes-Papst“ lebt nicht mehr. Professor Dr. Hellmut Mehnert ist am 27. Januar wenige Wochen vor seinem 95. Geburtstag gestorben. Ein „von viel Glück erfülltes“, so seine eigenen Worte, und ein dem Diabetes gewidmetes Leben ist damit zu Ende gegangen. Dr. Katrin Kraatz mit einem Nachruf.
Früh mit Diabetes in Kontakt
Hellmut Mehnert, geboren 1928 in Leipzig, kam in seiner Familie bereits sehr früh mit Diabetes in Berührung. Beide Eltern und ein Großvater hatten Typ-2-Diabetes. Sein Vater war Arzt, seine Mutter Arzthelferin, die Praxisräume waren im selben Stockwerk wie die Wohnung der fünfköpfigen Familie.
Spannende Forschung in der Diabetologie
Seine berufliche Laufbahn begann Hellmut Mehnert nach dem Krieg und seiner Internierung in den Jahren danach im Jahr 1949 in München. Das Studium der Medizin beendete er im Sommer 1954 mit der Promotion und kam – durch Zufall und eher gegen seinen Willen – während seiner Weiterbildung zum Internisten in die Diabetikerambulanz der Münchner Medizinischen Universitätspoliklinik.
Das Thema Diabetes ließ ihn danach nie wieder los. Viel tat sich in den 1950er-Jahren in diesem Gebiet: Die ersten oralen Antidiabetika, also blutzuckersenkende Tabletten, wurden entdeckt. Der junge Hellmut Mehnert wirkte an ersten Studien mit, in denen diese Antidiabetika erprobt wurden. Ein Aufenthalt als Gastarzt in der Joslin-Klinik in Boston in den USA vertiefte sein Interesse an der Diabetologie. Die Joslin-Klinik war „die damals mit Abstand führende Diabetesklinik in der Welt“, wie Hellmut Mehnert in seiner Autobiographie schreibt.
Familien-Glück
Nach weiteren Stationen wurde der Internist im Jahr 1966 Chefarzt der III. Medizinischen Abteilung im Krankenhaus München-Schwabing. Im gleichen Jahr heiratete er: „Rike war und ist der Glücksfall meines Lebens.“ Bis zum Jahr 1972 wuchs die Familie, vier Töchter kamen auf die Welt. Seine Frau und die Kinder spielten in seinem privaten wie auch in seinem beruflichen Leben immer eine wichtige Rolle.
Größtes Diabetes-Screening
Ein Meilenstein der Diabetologie war das weltweit größte Diabetes-Screening im Jahr 1967, das Hellmut Mehnert auf den Weg brachte. Alle Münchner erhielten damals einen Harnzuckerteststreifen zum Messen der Zuckerausscheidung im Urin. 72 Prozent der Münchner Bevölkerung schickten den benutzten Teststreifen und einen Fragebogen zurück – und es zeigte sich, dass deutlich mehr Menschen einen Diabetes hatten, als bis dahin bekannt war.
Hoch engagiert und ausgezeichnet
Der Diabetologe mit Herzblut hatte zahlreiche Positionen inne. 1966 wurde er Vorstand der Forschergruppe Diabetes im Institut für Diabetesforschung am Krankenhaus München-Schwabing. 1968 erfolgte die Ernennung zum außerplanmäßigen Professor und 1974 zum persönlichen Extraordinarius an der Universität München. Von 1964 bis 1990 war er Ständiger Vertreter der Bundesrepublik Deutschland im Diabetes-Experten-Komitee der Weltgesundheitsorganisation. 1973 übernahm er die Präsidentschaft der Deutschen Diabetes Gesellschaft und 1975 war er Präsident des Kongresses der Europäischen Diabetes-Gesellschaft.
Weitere Positionen waren unter anderem die Präsidentschaft der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, die Präsidentschaft der Deutschen Diabetes-Union und der Vorsitz des deutschen Dachverbandes Endokrinologie/Diabetologie. 1998 stiftete er den Hellmut-Mehnert-Preis für die Erforschung des Diabetes und seiner Komplikationen unter der Schirmherrschaft der UNESCO und der Deutschen Diabetes-Union. Daneben publizierte er zahllose Artikel, Kapitel und Bücher. Im Jahr 2003 erhielt er mit der Paracelsus-Medaille die höchste Auszeichnung der Deutschen Ärzteschaft.
Den Menschen mit Diabetes eng verbunden
Er war ein hoch engagierter, vielfach ausgezeichneter Diabetologe, der den Menschen mit Diabetes und auch dem Kirchheim-Verlag eng verbunden war.
Früh in seiner Diabetes-Laufbahn wurde Hellmut Mehnert Mitglied der Chefredaktion des „Diabetes-Journals“ und blieb der Zeitschrift für Menschen mit Diabetes über Jahrzehnte treu. So half er dabei, Wissen über Diabetes in die Breite zu tragen und mit dem Diabetes informierter und besser leben zu können.
In den jährlich stattfindenden Redaktionskonferenzen für das „Diabetes-Journal“, die er immer sehr engagiert leitete und moderierte, zeigte sich dieses Hinwenden zu den Patientinnen und Patienten sehr deutlich. Auch im Expertenbereich hat der Kirchheim-Verlag mit diesem renommierten Diabetologen über Jahrzehnte intensiv und freundschaftlich zusammengearbeitet. Der Kirchheim-Verlag hat ihm – nicht nur in dieser Hinsicht – viel zu verdanken.
„Ein Kalif in München“
Hellmut Mehnert war auch ein sehr humorvoller Mensch – obwohl er an einem Aschermittwoch geboren worden war, an dem bekanntlich die humorvollen Tage erst einmal vorüber sind. Gern nahm er in verschiedensten Verkleidungen, zum Beispiel als „Kalif in München“, sich selbst und die Mitarbeitenden in seiner Klinik auf die Schippe.
So werden wir alle ihn in guter und freundschaftlicher Erinnerung behalten.
Dr. med. Katrin Kraatz ist Ärztin, Medizin-Redakteurin und lebt seit ihrer Kindheit mit Typ-1-Diabetes. Sie arbeitet seit über 20 Jahren mit am Diabetes-Anker (vormals Diabetes-Journal) und ist seit 2021 zusammen mit Prof. Haak Chefredakteurin der Zeitschrift. Darüber hinaus schreibt Dr. Kraatz auch für weitere Diabetes-Medien aus dem Hause MedTriX.
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thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 3 Wochen
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?- ole-t1 antwortete vor 2 Wochen, 5 Tagen
Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße
lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 1 Monat
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
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