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Viele Frauen mit Gestationsdiabetes gehen nicht zur Nachsorge
3 Minuten
Frauen mit Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes) haben nach der Entbindung ein erhöhtes Risiko, Typ-2-Diabetes zu bekommen, zur Nachsorge geht aber weniger als die Hälfte von ihnen. Eine Studie zeigt, dass nur knapp 40 Prozent Diabetes-Screenings in Anspruch nehmen.
Viele werdende Mütter haben einen leicht erhöhten Blutzuckerspiegel, da sich der Stoffwechsel im Verlauf der Schwangerschaft verändert und dadurch Glukose nach einer Mahlzeit langsamer aus dem Blut in die Körperzellen aufgenommen wird. Treten jedoch zu hohe Blutzuckerwerte auf, liegt ein Gestationsdiabetes vor. Dies ist der in etwa 2 bis 5 Prozent der Schwangerschaften der Fall. Diese Stoffwechselstörung wird auch als Schwangerschaftsdiabetes bezeichnete und durch eine Ernährungsumstellung behandelt. In manchen Fällen ist aber auch eine medikamentöse Therapie notwendig. Nach der Schwangerschaft normalisieren sich die Werte in der Regel wieder, nur selten geht ein Gestationsdiabetes unmittelbar in einen Typ-2-Diabetes über. Allen betroffenen Frauen wird jedoch geraten, nach der Geburt ihrer Kinder zur Nachsorge zu gehen, da sie ein erhöhtes Risiko haben, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln.
Weniger als die Hälfte der Frauen mit Gestationsdiabetes geht zur Nachsorge
Forschende der Universität Düsseldorf und des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) haben nun in einer Studie ermittelt, wie viele der Frauen mit Gestationsdiabetes nach der Entbindung die angebotenen Untersuchungen überhaupt wahrnehmen. Dazu haben die Studienleiterin Professorin Dr. Andrea Icks und ihr Team die Daten von fast 13.000 Frauen aus dem bundesweiten GestDiab-Register analysiert, die im Zeitraum zwischen 2015 und 2017 eine Gestationsdiabetes-Diagnose erhalten hatten. Die Ergebnisse: „Mehr als 60 Prozent der Frauen mit Gestationsdiabetes haben kein Screening nach der Geburt in Anspruch genommen“, wird Prof. Icks in einer Pressemitteilung des DDZ zitiert. Nur 38,2 Prozent der Frauen aus dieser Stichprobe haben demnach an einer solchen Untersuchung teilgenommen.
Die Forscherinnen und Forscher haben anschließend nach Merkmalen bei den beobachteten Frauen Ausschau gehalten, die in signifikantem Maße mit einer Teilnahme an diesen Screenings in Verbindung gebracht werden konnten. Dabei zeigte sich, dass Frauen mit höherem Lebensalter und solche, die ihren Gestationsdiabetes mit Insulin behandelt haben, eher an der Nachsorge teilnahmen. Unter der Nachsorgemuffeln waren vermehrt Frauen mit Migrationshintergrund, einem höheren Body-Mass-Index (BMI), Raucherinnen sowie Frauen mit schlechteren Nüchternblutzucker- und HbA1c-Werten. „Unter den Nicht-Teilnehmerinnen waren Frauen mit einem ungünstigeren Lebensstil häufiger vertreten. Hier fragen wir uns, ob diese Frauen gut informiert ihre Entscheidung für oder gegen eine Nachsorge treffen und sehen Bedarf für die Versorgungsforschung“, erläutert Prof. Icks.
Gründe für niedrige Inanspruchnahme am Screening noch nicht geklärt
Doch wieso nimmt die Mehrheit der Frauen die angebotenen Diabetes-Screenings nicht wahr? Gründe für die niedrige Inanspruchnahme können vielfältig sein und nicht nur bei den Patientinnen, sondern auch bei Behandelnden oder im Versorgungssystem liegen, heißt es weiter in der Pressemitteilung. Nationale und internationale Studien ließen aber darauf schließen, dass die sozioökonomische Lage, also bspw. das Bildungsniveau, entscheidenden Einfluss auf das generelle Gesundheitsverhalten hat. Zu ähnlichen Erkenntnissen kommt das Robert-Koch-Institut, das in einer Untersuchung den Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und Diabetes analysiert hat. Aber auch eine fehlende Abstimmung zwischen den hausärztlichen, diabetologischen und gynäkologischen Praxen könnten eine Rolle spielen. „Wichtige Faktoren sind dabei einerseits der Nachwuchsmangel und anderseits die fehlende Finanzierung von interdisziplinärer Versorgung“, stellt DDZ-Direktor Professor Dr. Michael Roden fest, „nicht zuletzt benötigen wir mehr Diabetologen und Diabetologinnen und entsprechende Fachabteilungen an den großen Kliniken“.
„Für Deutschland können wir heute nur sagen, dass sich eine relevante Zahl von Gestationsdiabetes-Patientinnen nicht screenen lässt“, resümiert Prof. Icks. Ob sie sich bewusst dagegen entscheiden oder nicht über das Risiko und die Angebote nach der Geburt informiert sind, sei unklar. Auch eine Konzentration auf das Neugeborene, die neuen Lebensumstände und Zeitmangel könnten dazu beitragen, dass die eigene Nachsorge nicht wahrgenommen wird. „Hier bedarf es in jedem Fall noch weiterer Untersuchungen“, so das Fazit der Expertin. In einer aktuellen Studie untersucht der Forschungsverbund GestDiNa unter Icks’ Leitung daher patienten- wie systemseitige Gründe für die (Nicht-)Inanspruchnahme des Screenings, um daraus ein besseres Versorgungsmodell für die Zukunft abzuleiten.
von Gregor Hess
mit Materialien des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ)
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moira postete ein Update vor 2 Tagen, 15 Stunden
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 1 Woche
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55
