Atherosklerose behandeln: Enzym-Infusion bei Gefäß-Verschlüssen – alte Therapie neu entdeckt

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Atherosklerose behandeln: Enzym-Infusion bei Gefäß-Verschlüssen – alte Therapie neu entdeckt | Foto: Jo Panuwat D - stock.adobe.com
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Atherosklerose behandeln: Enzym-Infusion bei Gefäß-Verschlüssen – alte Therapie neu entdeckt

Für die Therapie von Gefäß-Verschlüssen gibt es Standard-Verfahren. Mitunter reichen diese Möglichkeiten jedoch bei der Behandlung einer Atherosklerose nicht aus. Ein Blick über den Tellerrand zeigt, das eine Enzym-Infusion hier Abhilfe schaffen kann.

Atherosklerose („Gefäß-Verkalkung“) ist eine chronische Erkrankung der Arterien, also der Gefäße, die das Blut mit Sauerstoff und Nährstoffen in den Körper transportieren. Bei der Atherosklerose lagern sich Fette, vor allem Cholesterin, in der Gefäßwand ab. Es entstehen Ablagerungen (Plaques), die Gefäße verengen oder instabil werden lassen. Folgen können Herzinfarkt, Schlaganfall oder Durchblutungs-Störungen in anderen Organen sein. Diese Erkrankungen gehören weltweit zu den häufigsten Todesursachen und verursachen hohe Kosten.

Bekannte Risikofaktoren sind unter anderem hohe Cholesterinwerte, Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen und erbliche Faktoren (z. B. erhöhtes Lipoprotein(a)). Die übliche Behandlung zielt heute vor allem darauf ab, diese Risikofaktoren zu senken, z. B. mit Fett-Senkern (Statinen), Blutdruck-Senkern und Rauchstopp. Wenn Gefäße schon stark verengt sind, kommen oft Eingriffe mit Kathetern, Stents oder Bypass-Operationen zum Einsatz.

Glykokalyx schützt die Gefäße

Dabei ist der Körper grundsätzlich in der Lage, überschüssiges Cholesterin aus der Gefäßwand zu entfernen. Dieser Prozess heißt „Reverse Cholesterol Transport“. Hierbei nehmen Abwehrzellen (Makrophagen) in der Gefäßwand abgelagertes Cholesterin auf und geben es an das High Density Lipoprotein (HDL) ab. HDL bringt das Cholesterin zur Leber, wo es über die Galle ausgeschieden wird.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die endotheliale Glykokalyx. Das ist eine haarfeine, gelartige Schutzschicht auf der Innenfläche der Gefäße. Man kann sie sich wie einen weichen „Schutzteppich“ vorstellen, der den Durchtritt von Fetten wie Low Density Lipoprotein (LDL), das ebenfalls Cholesterin binden kann, in die Gefäßwand bremst. Gleichzeitig erleichtert die Glykokalyx HDL den Zugang zu den Zellen in der Gefäßwand und hemmt Entzündungen und Blutgerinnsel (Thrombosen).

Bei Atherosklerose, Diabetes und Entzündungen wird die Glykokalyx nach und nach entzündlich umgebaut. Dann dringt mehr LDL in die Gefäßwand ein, der Abtransport von Cholesterin wird erschwert – die Gefäße „vermüllen“.

Schutzschicht regenerieren

Das Enzym Hyaluronidase kann bestimmte Zuckerbestandteile der Glykokalyx spalten. Wird es in eine Vene (intravenös) gegeben, kann es die Glykokalyx vorübergehend ausdünnen. Die Wirkdauer des Enzyms im Blut ist sehr kurz und es wird innerhalb von wenigen Minuten abgebaut. Der Abbau der Glykokalyx beginnt ebenfalls innerhalb von Minuten, hält aber nur so lange an, wie das Enzym verabreicht wird.

Die Glykokalyx wird anschließend innerhalb von ein bis drei Tagen weitgehend wieder neu aufgebaut. Durch die Erneuerung der Gefäß-Oberfläche wird der ursprüngliche physiologische Aufbau der Gefäß-Strukturen wieder hergestellt. Dadurch wird z. B. der Zugang für HDL verbessert und damit der natürliche Cholesterin-Abtransport wieder unterstützt.

Therapie-Verfahren bei Gefäß-Verkalkung (Atherosklerose)

  1. Grundlage jeder Atherosklerose-Behandlung sind bewährte Maßnahmen, u. a. Nichtrauchen, Bewegung und gesunde Ernährung.
  2. Standard-Therapien sind Katheter, Stents und Bypässe.
  3. Eine Alternative kann die Therapie mit Hyaluronidase sein.

Erfolge bei Tieren und Menschen

Die Idee, Hyaluronidase zur Behandlung von Atherosklerose einzusetzen, ist nicht neu. Dies wurde in Jena und Leipzig bereits in den 1960er-Jahren erfolgreich durchgeführt und später in England in den 1980er-Jahren weiter untersucht. Durch die Erfindung von Stents und Ballonkathetern geriet die Hyaluronidase in Vergessenheit, wurde aber niemals ganz aufgegeben.

Es gibt z.B. Berichte über die Wirksamkeit bei genetisch veränderten Kaninchen. Hier zeigten Tiere, die wiederholt Hyaluronidase bekamen, deutlich weniger starke Gefäßverkalkungen als Vergleichstiere, die nur Kochsalzlösung bekamen. Es gibt auch Einzelfall-Berichte bei Menschen. So zeigten Patienten mit schwerer koronarer Herzkrankheit nach Serien von Infusionen eine bessere Durchblutung in den Herzkranzgefäßen und weniger Beschwerden.

Bei einer Patientin mit schwerem Diabetischem Fußsyndrom heilte ein hartnäckiges Geschwür am Fuß und ein zuvor bereits verschlossenes Gefäß im Bein öffnete sich wieder. In weiteren Fällen besserten sich Blutdruckwerte und Durchblutung. Diese Berichte sind ermutigend, aber es handelt sich um Einzelfälle, nicht um große, kontrollierte Studien.

Therapie wird gut vertragen

In den bisher beschriebenen Fällen (teilweise seit den 1960er-Jahren) wurden keine auffälligen Häufungen von Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Thrombosen im Zusammenhang mit zeitlich begrenzten Infusions-Serien berichtet. In größeren Studien vertrugen die rund 600 Patienten mit akutem Herzinfarkt die Hyaluronidase in sehr hohen Dosen gut, ohne Hinweis auf verstärkte Gefäß-Komplikationen.

Trotzdem bleiben Vorsichtsmaßnahmen wichtig. Die aktuell verfügbaren tierischen Enzyme können Allergien oder Immunreaktionen auslösen. Bei bestehenden Herzrhythmus-Störungen oder schweren Gefäß-Erkrankungen muss das Thrombose-Risiko sorgfältig bedacht werden. Bei chronischen Entzündungen kann sich die Regeneration der Glykokalyx verzögern.

Weitere Informationen zur Therapie mit Hyaluronidase bietet Professor Pfützner auf seiner Website.

Aktuell Therapie im Einzelfall

Die intravenöse Gabe von Hyaluronidase zur „Erneuerung“ der Glykokalyx ist kein etablierter Standard, sondern stellt immer einen individuellen Heilversuch dar, den die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht erstatten. Die Therapie könnte vor allem bei schwerer, weit fortgeschrittener Atherosklerose eine zusätzliche Option darstellen – insbesondere, wenn übliche Therapien ausgeschöpft sind.

Wichtig bleibt, dass bewährte Maßnahmen wie Cholesterin-Senkung, Blutdruck-Kontrolle, Blutzucker-Normalisierung, Nichtrauchen, Bewegung und gesunde Ernährung weiterhin die Grundlage jeder Atherosklerose-Behandlung darstellen. Hyaluronidase-Infusionen können diese Maßnahmen nicht ersetzen, sondern allenfalls ergänzen.

Die Therapie wird bundesweit in wenigen Zentren angeboten. Es sind jedoch weitere, gut geplante klinische Studien nötig, um Wirksamkeit, Sicherheit, Dosierung und Patienten-Auswahl genau festzulegen. Fragen zu diesem Thema sollten immer ausführlich mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden.


von Prof. Dr. Dr. Andreas Pfützner

Avatar von andreas-pfuetzner

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (3) Seite 40-41

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  • hexle postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche

    Hallo,
    das neueste update für iOS ist inzwischen das 26.4.2. ich nutze den Dexcom g7 und die Freigabe von Dexcom ist derzeit bei 26.3.1.
    Wer sein Smartohone für online banking nutzt, muss bestätigen, dass updates regelmäßig gemacht werden. Ich finde es eine Zumutung, dass die Technik von Dexcom uns da immer so hinhält. Gibt es eine offizielle Stelle, die da mal intervenieren kann?

    • Hallo hexle,
      ich finde die Update-Empfehlungen von Dexcom auch etwas unbefriedigend.
      Allerdings steht auf der Kompatibilitäts-Seite auch:
      Zitat: “Sie können diese App auf jedem Betriebssystem verwenden, das die Mindestanforderungen erfüllt. Dexcom empfiehlt jedoch …”

      Eine “offizielle Stelle” bei Dexcom ist mir nicht bekannt, vom generellen Kundenservice mal abgesehen.

      Bei ernsthaften, tatsächlichen Funktionsstörungen gäbe es noch die Möglichkeit, eine Meldung beim BfArM zu eröffnen.

      Beste Grüße

    • PS Ich wollte noch ergänzen: Eine aktuelle ernsthafte Funktionsstörung sehe ich hier nicht gegeben.

    • Sicherheits-Updates der Betriebssysteme haben immer absolute Priorität. Dexcom und Abbott sind definitv sehr langsam mit den Tests und Freigaben. Beim G7 hat Dexcom etwas an Geschwindigkeit gewonnen, aber für G6 ist noch nicht einmal Android 16 getestet, das seit einem Jahr verfügbar ist. An Medizinprodukt-Freigaben liegt das nicht und besonders seriös und professionell ist es auch nicht. Neue Smartphones kann man nur mit aktueller OS-Version kaufen und wenn die nicht freigegeben ist, kann man theoretisch gar kein Smartphone sicher für Sensor oder AID-System verwenden. So war z. B. iOS 26 lange Zeit nicht auf den Listen, aber iPhones nur mit iOS 26 erhältlich. Die Listen verlieren damit zeitweise ihren eigentlichen Nutzen. Intervenieren können Anwender/Kunden mit Beschwerden bei den Hotlines.

    • @ole-t1: Danke Ole für deine Rückmeldung.

    • @schorschlinger: Danke für deine Rückmeldung. Beschwerden bringen einen da leider auch nicht weiter….

  • uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen

    Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?

  • diahexe postete ein Update vor 3 Wochen

    Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?

    • Liebe diahexe,
      Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
      Viele Grüße
      Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion

    • @gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.

    • crismo antwortete vor 1 Woche

      @gregor-hess: das ist ein sehr guter Hinweis. Ich war schon persönlich bei der Gründerin des Vereins und habe Insulin abgegeben. Diese Frau macht wirklich einen tollen Job und bringt das Insulin regelmäßig nach Afrika. Sie nimmt Insulin, Pens, Pennadeln, Lanzetten, Blutzuckerteststreifen usw…

      Kann es nur empfehlen!!!

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