- Behandlung
Auswirkung einer hohen Glukosedynamik auf die Messung mit dem CGM
3 Minuten
Im letzten Beitrag der Blood Sugar Lounge vom 13. September 2022 wurde darauf eingegangen, dass Unterschiede in der Glukosekonzentration im Blut (in diesem findet die Blutglukosemessung statt) und im Gewebe (hier misst CGM) auftreten, wenn die Glukosewerte ansteigen oder abfallen. Als Erstes denkt man da immer an die Änderung der Glukosekurve während und nach einer Mahlzeit. Allerdings treten ansteigende und abfallende Glukosewerte in allen dynamischen, also sich rasch ändernden Situationen auf. Das sind neben der Mahlzeit
- Situationen beim Sport bzw. anderer körperlicher Aktivität (man denke da auch an Hausarbeit wie Fensterputzen, Bügeln, Gartenarbeit usw.!),
- eine hohe Insulinlast; gemeint ist damit, dass z.B. durch mehrere sich überlappende Insulinboli eine zu hohe Konzentration an Insulin im Organismus ist, was zu schnell abfallenden Werten führt,
- die Reaktion des Organismus im Zusammenhang mit Hypoglykämien usw.
Die sich in solchen Situationen ergebenden Abweichungen der CGM-Messwerte von den Blutglukosewerten sind normal. Sie entsprechen der Verteilung der Glukose im Organismus. Die Glukosesensoren messen genau an der Stelle, an der sie sitzen, den aktuellen Glukosespiegel und dieser ist bei Anstiegen und Abfällen aufgrund der genannten Dynamik unterschiedlich. Diese Unterschiede findet man in solchen Situationen sogar im Blut selbst: Am Fuß ist es anders als am Arm, den Fingern, am Bauch usw. [1].
Auf einen einfachen, aber immer zu bedenkenden Umstand ist dabei dringend hinzuweisen:
UNTERSCHIEDE ZWISCHEN BLUT- UND SENSORGLUKOSEWERTEN LASSEN SICH NUR FESTSTELLEN, WENN BEIDE WERTE AUCH GLEICHZEITIG GEMESSEN WERDEN!
Weil heutzutage die meisten Glukosesensoren nicht mehr kalibriert werden müssen, wird ein CGM-Anwender meist nur dann einen punktuellen Blutglukosewert mit seinem Blutglukosemessgerät messen, wenn er sich nicht sicher ist, ob die CGM-Messung auch wirklich stimmt (z.B.: er spürt Symptome einer Unterzuckerung, sein CGM-System zeigt aber einen Wert von 120 mg/dl (6,7 mmol/l) an).
Die Mahlzeit als häufigste Form hoher Glukosedynamik und sich dabei ergebende Unterschiede
Die häufigste Form hoher Glukosedynamik ist das Essen einer Mahlzeit. Darauf war in der letzten Ausgabe der BSL (13.09.22) eingegangen worden. Die sich ergebenden Unterschiede zwischen Blut- und Gewebeglukose hängen von der Geschwindigkeit ab, mit welcher sich die Blutglukose ändert. Im CGM-Profil wird das durch die Steilheit des Anstiegs repräsentiert. Folglich hängt auch die zeitliche Verzögerung („time-lag“), mit welcher der Sensorwert den Blutglukosewert erreicht, von dieser Steilheit ab und damit
- von der Glukosekonzentration in beiden (Blut und Gewebe),
- von der Geschwindigkeit, mit der Kohlenhydrate aus der Nahrung in den Darm gelangen, was wiederum abhängig ist
- vom Mageninhalt zu Beginn des Essens,
- der Zusammensetzung der Nahrung,
- einer ggf. vorliegenden Verdauungsschwäche (Gastroparese).
Unterschiede bei erhöhter körperlicher Aktivität/Sport
Die besagten Unterschiede treten insbesondere auch bei körperlicher Aktivität/Sport auf, denn durch die Muskelbewegung wird die Glukose schneller aufgenommen. Abb. 1 zeigt dazu das Beispiel eines Menschen mit Typ-1-Diabetes. Vor (Tag 1 bis Tag 2, um 5.00 Uhr) und nach (Tag 3) einem Radmarathon stimmten die Glukosewerte des Sensors gut mit den Blutglukosewerten überein. Anders ist das während des am Tag 2 durchgeführten Radmarathons, bei dem erhebliche Unterschiede auftraten. Der Betreffende nimmt da mehrfach Müsliriegel zu sich und stellt bei der routinemäßigen punktuellen Glukosemessung erheblich höhere Blutglukosewerte fest als die vom CGM angezeigte Kurve. Am Ende des Tages stimmen dann die Werte in beiden Kompartimenten (Blut und Gewebe) wieder überein, so, wie vor der körperlichen Aktivität auch. Die Ursache für die Abweichungen lag nicht etwa in einer Fehlmessung des Glukosesensors, sondern war im Rahmen der Messgenauigkeit ein Resultat der bei der normalen Regulation des Organismus auftretenden Abweichungen im Blut und Gewebe.



Im nächsten Beitrag in der Blood Sugar Lounge wird dann noch einmal gesondert auf die Reaktion des Organismus im Zusammenhang mit Hypoglykämien (Unterzuckerungen) und deren Auswirkungen auf den Glukosespiegel eingegangen. Dies ist eine der wichtigsten Erkenntnisse, die sich nur mithilfe von CGM zeigen lassen.
Literatur
[1] Dreval AV et al.: Comparison of Glycemic Variability assessed by Continuous versus discrete Glucose Monitoring. Diabetes Technology & Therapeutics 2013; 15 (Suppl.1): A60
[2] Thomas A, Kolassa R, von Sengbusch S, Danne T: CGM interpretieren: Grundlagen, Technologie, Charakteristik und Konsequenzen des kontinuierlichen Glukosemonitorings. Kirchheim, Mainz, 2019
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cesta postete ein Update vor 5 Tagen, 20 Stunden
Hallo zusammen, ich habe eine Frage an euch. Ich habe seit 4 Jahren Typ 1 LADA und bisher nur mit Basalinsulin ausgekommen. Seit 3 Wochen muss ich nun auch zu jeder Mahlzeit Humalog spritzen. Für die Berechnung wiege ich immer alles ab. Könnt ihr eine App empfehlen, die bei der Berechnung der Kohlenhydrate unterstützt? Oder habt ihr andere Tipps wie man sich daran gewöhnt? Ich wiege bisher alles ab und kann mir gar nicht vorstellen, dass ich mir das zukünftig merken kann bzw. wie ich die Kohlenhydrate schätzen kann. Vielen lieben Dank für eure Hilfe! Liebe Grüße, Christa
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sveastine postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes und Psyche vor 2 Wochen, 2 Tagen
hallo, ich hab schon ewig Diabetes, hab damit 4 Kinder bekommen und war beruflich unterschiedlich unterwegs, in der Pflege und Pädagogik. Seit ein paar Jahren funktioniert nichts mehr so wie ich das möchte: die Einstellung des Diabetes, der eigentlich immer gut lief, Sport klappt nicht mehr….ich bin frustriert und traurig..so kenne ich das nicht.. Geht es jemanden ähnlich? Bin 53…Viele grüße. Astrid
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mayhe antwortete vor 2 Wochen, 2 Tagen
Liebe Astrid! Ich gerade 60 geworden und habe seit 30 Jahren Typ 1, aktuell mit Insulinpumpe und Sensor versorgt. Beim Diabetes läuft es dank des Loop gut, aber Psyche und Folgeerkrankung, Neuropathie des Darmes und fehlende Hypoerkennung, machen mir sehr zu schaffen. Bin jetzt als Ärztin schon berentet und versuche ebenfalls mein Leben wieder zu normalisieren. Kann gut verstehen, wie anstrengend es sein kann. Nicht aufgeben!! Liebe Grüße Heike
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sveastine antwortete vor 2 Wochen, 1 Tag
@mayhe: Hallo liebe Heike, danke für deine schnelle Antwort, das hat mich sehr gefreut. Nein aufgeben ist keine Option, aber es frustriert und kostet so viel Kraft. Ich hoffe dass ich beruflich noch einen passenden Platz finde. Und danke dass du dich gemeldet hast und von deiner Situation berichtet. Das ist ja auch nicht einfach. Und ich wünsche auch dir eine gewisse Stabilisierung…jetzt fühle ich mich mit dem ganzen nicht mehr so alleine. Was machst du denn sonst noch? Viele Grüße Astrid
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mayhe antwortete vor 2 Wochen, 1 Tag
Liebe Astrid! Ja, das Leben mit Diabetes ist echt anstrengend. Es kommt ja auf den normalen Wahnsinn noch oben drauf. Ich habe den Diabetes während der Facharztausbildung bekommen und ehrgeizig wie ich war auch damit beendet. Auch meinen Sohn, 26 Jahre, habe ich mit Diabetes bekommen. Hattest bei den Kindern auch schon Diabetes? Leider bin ich von Schicksalsschlägen dann nicht verschont geblieben. Was dann zu der heutigen Situation geführt hat. Ich habe durchgehalten bis nichts mehr ging. Jetzt backe ich ganz kleine Brötchen, freue mich wenn ich ganz normale kleine Dinge machen kann: Sport, Chor, Freunde treffen, usw. Ich würde mich zwar gerne aufgrund meiner Ausbildung mehr engagieren, dazu bin ich aber noch nicht fit genug. Was machst du so und wie alt sind deine Kinder? Bist du verheiratet? Liebe Grüße Heike
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sveastine antwortete vor 6 Tagen, 8 Stunden
@mayhe: Hallo Heike, oh da hast du aber auch viel geschafft. Ja ich habe die Kinder mit Diabetes bekommen und meine Kinder sind 26,25,23 und bald 19 🥰….und wie du hoffe bald wieder fit zu sein. Beruflich wechsle ich jetzt vom Kinderhospiz wieder in die Krippe da es dort vorausschaubarer ist als im Schichtdienst. In der Hoffnung der Diabetes lässt sich dort wieder besser einstellen. Eigentlich sollte ich auch die Ernährung wieder umstellen, das weiß ich aber es fällt mir so schwer. Wie ist das da bei dir. Was machen deine Werte ? Viele Grüße Astrid
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mayhe antwortete vor 6 Tagen, 5 Stunden
@sveastine: Hallo liebe Astrid, sag mal kann es sein, daß du in den Wechseljahren bist? Ich habe meine schon hinter mir, aber das war zuckertechnisch eine der schwierigsten Zeiten, weil ständig alles durcheinander war. Damals war ich allein 2 x in der Diabetes Klinik Bad Mergentheim zum Anpassen innerhalb von 3-4 Jahren. Die Hormonwirkungen waren der Wahnsinn. Jetzt ist es wieder deutlich ruhiger. Was hast du eigentlich für eine Versorgung? Pen? Pumpe? Insulin? Sensor?
Ich habe die Tandem tslim mit Sensor und Novorapid. Und das ist für mich der game changer gewesen. Seitdem werden die zuckertechnischen Anstrengungen auch mit guten Werten belohnt. Liebe Grüße Heike -
sveastine antwortete vor 5 Tagen, 18 Stunden
@mayhe: Hi, ja ich bin in den Wechsel Jahren schon eine ganze Weile und nehme Hormone. Das ist denke ich ist der Hauptgrund der Schwankungen, aber das geht schon seit ca 3 Jahren so, was doof ist. Ich hab das gleiche System wie du tslim und Dexcom, trotzdem schwierig.aber für Bad Mergentheim lt. Diabetologe zu gut um die Genehmigung dafür zu bekommen 🤷🏻♀️
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mayhe antwortete vor 5 Tagen, 4 Stunden
@sveastine: Das ist ja witzig, das du dieselbe Versorgung hast. Also bist du da optimal versorgt. Jetzt verstehe ich deinen Frust. Nach den Behandlungen in Bad Mergentheim war es wenigstens eine Weile besser. Warst du schon mal in Reha wegen dem Zucker? Ist zwar nicht Bad Mergentheim, aber manche Rehakliniken machen das wohl echt gut. Du musst “nur” darauf achten, dass sie ein spezielles Angebot für Typ1er haben. Ich war 2019 in der Mediclin Klinik Stauffenberg, Durlach. Das war okay. Am wichtigsten fand ich den Austausch mit den Mitpatienten. Aber natürlich ist der Aufwand für dich bei 4 Kindern für 3 Wochen, sehr hoch. Und eine Garantie dafür das dann länger besser läuft gibt es nicht. Ich fand es aber immer wichtig, den zuckertechnischen Input und die Solidarität zu erfahren. Liebe Grüße Heike
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mayhe antwortete vor 5 Tagen, 4 Stunden
@mayhe: Nicht Durlach, sondern Durbach.
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stephanie-haack postete ein Update vor 2 Wochen, 3 Tagen
Wir freuen uns auf das heutige virtuelle Community-MeetUp mit euch. Um 19 Uhr geht’s los! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-november/
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lena-schmidt antwortete vor 2 Wochen, 3 Tagen
Ich bin dabei 🙂
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Hallo cesta, ich habe gute Erfahrungen mit der WETID App gemacht. Hier erhältst du für fast alle Lebensmittel BE – Werte. Man kann auch das Portionsgewicht eingeben und erhält dann die entsprechenden BE’s.
Die App mit Werbung war bisher kostenlos. App ohne Werbung und im Abo ist besser.
LG von kw = Kurt mit Diabetes Typ 3c
Hallo Christa! Ich verwende die FDDB app. LG Sarah (Lada)
@kw: Vielen lieben Dank für den Tipp!
@moira: Vielen lieben Dank für den Tipp!