- Behandlung
Dialyse inklusive: Eine Traum-Reise mit Vorplanung
4 Minuten
Sandra Schneller erfüllte sich ihren langjährigen Traum und reiste nach Las Vegas. Wie das trotz Bauchfell-Dialyse möglich war und was es zu beachten galt, erzählt sie hier.
Mal eben nach Las Vegas? Na klar, dachte sich Sandra Schneller, die Vorsitzende des Deuschen Diabetiker Bunds (DDB), als sich eine passende Gelegenheit bot. Seit 23 Jahren ist sie Typ-1-Diabetikerin. „Meine Nieren waren von Anfang an mit betroffen“, sagt sie. Seit Oktober 2021 nutzt die 44-Jährige ein System zur Bauchfell-Dialyse, auch als Peritoneal-Dialyse bezeichnet.
Die passende Flug-Route
„Las Vegas stand schon lange auf meiner Bucket-Liste“, erzählt Schneller, einmal im Leben wollte sie die legendäre Stadt des Glücks besuchen. Als die Idee aufkam, spontan an den Wunsch-Ort zu reisen, suchte sie zuerst nach geeigneten Flügen. „Die kürzeste Verbindung ging über Amsterdam. Die bot sich auch an, weil der Aufenthalt mir Gelegenheit gab, dort eine Dialyse durchzuführen.“ Dafür braucht sie einen geschlossenen Raum, denn die Versorgung des Zugangs durch die Bauchdecke muss stets unter möglichst sterilen Bedingungen erfolgen, sonst drohen gefährliche Entzündungen. Die Business-Lounge bietet so einen Raum: „Es gibt dort eine Art kleine Schlafkabinen, die sich dafür eignen“, wusste Schneller.
Lieferung an den Urlaubs-Ort
„Spontan“ ist relativ – für eine Reise mit Bauchfell-Dialyse war viel zu organisieren. „Hier habe ich ja überall meine Kisten rumstehen“, schildert die Rechtsanwältin. Für die Dialyse braucht sie dreimal täglich einen Zwei-Liter-Beutel Flüssigkeit. Die Beutel werden kistenweise an ihre private Adresse oder ins Büro geliefert. Wie würde das im Urlaub gehen?
Schneller setzte sich mit dem amerikanischen Hersteller Baxter in Verbindung, der zusagte, ihren gesamten Bedarf an Dialyse-Flüssigkeit für eine Woche in ein Hotel in Las Vegas zu liefern. Dazu brauchte er acht bis zwölf Wochen Vorlaufzeit – „wir hatten genau acht Wochen von der Idee bis zur Abreise!“, erzählt Schneller lachend. Auch das ausgewählte Hotel stimmte zu, die Kisten mit rund 50 Litern Dialyse-Flüssigkeit für sie anzunehmen. „Die waren sofort sehr nett und nicht überrascht; in Amerika ist Bauchfell-Dialyse schon weiter verbreitet als bei uns.“
Bezahlen musste sie für die Lieferung übrigens nichts: Im Regelfall übernehmen Krankenkassen die Kosten für Urlaubs-Bestellungen. Sie übernehmen übrigens auch die Kosten für die Hämodialyse (Blutwäsche) im Ausland – aber Achtung: „Es gibt Länder, in denen die Dialyse-Behandlung teurer ist als in Deutschland. Die Krankenkassen übernehmen in der Regel dann nur die Kosten für den deutschen Tarif“, sagt Schneller. Es ist daher wichtig, sich rechtzeitig mit der eigenen Krankenkasse in Verbindung zu setzen und sich zu informieren.
Medizinisches Gepäck
„Zur Sicherheit wollte ich aber Dialyse-Flüssigkeit für einige Tage mitnehmen“, erzählt Schneller weiter. Um das zu ermöglichen, telefonierte sie mit der Fluggesellschaft. Mit einer Bescheinigung vom Arzt konnte sie dort medizinisches Gepäck anmelden, die Menge ist unbegrenzt. Ihr Arzt übrigens hatte Schneller ausdrücklich geraten, die Reise zu unternehmen.
Dialyse-Flüssigkeit kann sowohl als Handgepäck mitgenommen als auch für den Laderaum aufgegeben werden. „Ich habe sie aber lieber als Handgepäck mitgenommen, um sicher zu sein, dass sie auch mit mir ankommt“, sagt Schneller. Dazu die Wärmeplatte, Desinfektionsmittel, Klammern – da kommt einiges zusammen. Wegen des offenen Zugangs des Dialyse-Katheters darf die Reisende allerdings nicht mehr als fünf Kilogramm tragen. Also forderte sie von der Fluggesellschaft gleich noch Hilfe für den Ein- und Umstieg an. Das klappte auch prima, brachte ihr aber prompt die Bemerkung einer Stewardess ein: Sie solle doch nicht so viel einpacken … Schneller sparte sich eine Antwort.
Am Flughafen: Dialyse unbekannt
Auch die Beamten der Sicherheits-Kontrolle am Flughafen waren etwas überrascht, als Schneller auf die Frage, ob sie mehr als 100 Milliliter Flüssigkeit dabeihabe, antwortete: „Ja, etwa 20 Liter.“ Zwei herbeigerufene Polizeibeamte fragten sie freundlich nach dem Verwendungszweck. „Statt ausführlich zu erklären, habe ich dann einfach mein T-Shirt angehoben“, erzählt sie. Nach dem diversen Mess- und Pumpen-Zubehör dagegen habe kaum jemand gefragt, so ihre Erfahrung. „Diabetes kennen die Beamten wohl schon, mit der Dialyse sind sie nicht so vertraut.“
In Las Vegas angekommen, konnte der Urlaub dann richtig losgehen. Die bestellten Kisten standen schon auf dem Zimmer bereit. „Von da an war alles wie zu Hause“, erzählt die entspannte Urlauberin. Hersteller Baxter hatte ihr vorsichtshalber die Adresse eines nahegelegenen Dialyse-Zentrums gegeben, wo sie im Fall eines Falles kompetente Ansprechpartner für Bauchfell-Dialyse gefunden hätte – zum Glück wurde ein Besuch nicht nötig. „Nur in den Pool konnte ich nicht“, bedauert sie. Die Gefahr einer Infektion am offenen Zugang wäre zu groß.

Sandra Schneller in Las Vegas.
Ein Besuch am Grand Canyon dagegen gehörte für Schneller selbstverständlich zum Traum-Urlaub dazu, so, wie auch die Fahrt mit der gigantischen Achterbahn rund um das Hotel „New York, New York“. Von den Warnhinweisen zum Haftungs-Ausschluss ließ sich die Juristin nicht schrecken und machte die Erfahrung: „Auch diese Fahrt hält der Zugang aus.“
Organisation ist die halbe Reise
Natürlich gibt es vor einer internationalen Reise einiges zu bedenken. Der Nephrologe (Nierenarzt) muss die Reise-Fähigkeit des Patienten bestätigen. Zudem erinnert Schneller daran, unbedingt eine Reise-Rücktrittsversicherung abzuschließen sowie eine Auslands-Krankenversicherung. Auch können die Hersteller der Dialyse-Flüssigkeit nicht in alle Länder liefern, im Zweifelsfall muss man sie dann selbst mitnehmen, angemeldet als medizinisches Gepäck.
Bei Fragen zum Reisen mit Dialyse und/oder Diabetes hilft der DDB gern weiter. Schreiben Sie an kontakt@diabetikerbund.de
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Ihr Fazit ist – bei aller Organisation – ein durchweg positives: „Alles ist möglich, man muss es nur organisieren.“
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2022; 71 (6) Seite 40-42
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moira postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen, 3 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 3 Wochen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 4 Wochen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55-
crismo antwortete vor 4 Tagen, 16 Stunden
Hi Thomas 🙂
Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!
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thomas55 antwortete vor 4 Tagen, 15 Stunden
@crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.
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