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Rezension von „Die Entdeckung des Insulins“ – Autor der deutschen Übersetzung im Video-Interview
Bereits 1982 erschien „The Discovery of Insulin“ des Kanadiers Professor Dr. John William Michael Bliss. Jetzt liegt dieses Buch in deutscher Übersetzung vor. Dr. Viktor Jörgens hat diese gelesen und schätzt die deutsche Fassung des Biochemikers Dr. Robert Augustin als sehr gelungen ein. „Allen am Diabetes Interessierten ist dieses Buch dringend zu empfehlen.“ Mit Dr. Augustin haben wir zudem ein Video-Interview über „Die Entdeckung des Insulins“ geführt.
Professor Dr. Michael Bliss lehrte als Professor für Geschichte in Toronto. Sein Vater war Arzt, und auch der Sohn wollte diesen Beruf ergreifen. Als Bliss aber seinem Vater bei der Versorgung einer blutigen Schnittwunde zusah, entschied er, nicht Medizin zu studieren. Doch er wurde, nachdem er sich als Professor in Toronto zuvor mit Wirtschaftsgeschichte befasst hatte, zu einem der erfolgreichsten Medizin-Historiker. Er schrieb Biographien über Harvey Cushing, den Begründer der modernen Neurochirurgie, und über Sir William Osler – der kanadische Internist gilt im englischen Sprachraum als bedeutendster Arzt seiner Zeit. Am bekanntesten sind jedoch Prof. Bliss‘ Arbeiten über die Geschichte der Entdeckung des Insulins, beginnend 1982 mit dem Buch „The Discovery of Insulin“.
Mythen zur Insulin-Entdeckung entzaubert – dank Zeitzeugen und Archivmaterial
Prof. Bliss konnte noch viele Zeitzeugen befragen und erstmals wurde für ihn das gesamte Archivmaterial der Universität Toronto verfügbar gemacht. So konnte er als akribischer Historiker viele Mythen richtigstellen, die sich um die Entdeckung der Insulintherapie rankten. Durch Frederick G. Banting und besonders später durch Charles Best war der Eindruck entstanden, die Beiträge von John MacLeod und James Collip seien unbedeutend gewesen. In Wahrheit wurde die erste erfolgreiche Insulintherapie mit Insulin durchgeführt, das der Biochemiker Collip isoliert hatte, Bantings Präparat hatte zuvor versagt.
Über den Rezensenten

Dr. med. Viktor Jörgens begann bei seinem Freund und Lehrer Prof. Michael Berger an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf mit der Entwicklung von Therapie- und Schulungsprogrammen für Menschen mit Diabetes. Maßgeblich war er an der Einführung der Patientenschulung in Deutschland beteiligt. Später diente er als Direktor drei Jahrzehnte der Europäischen Gesellschaft für Diabetesforschung (EASD) und ihrer Stiftung EFSD. Er ist Ehrenmitglied der EASD und der Polnischen Diabetesgesellschaft.
Auch die Verdienste des Chemikers George H. A. Clowes vom Unternehmen Eli Lilly, der durch seine Verfahren die ergiebige Produktion von Insulin überhaupt erst ermöglichte, wurden kaum gewürdigt. Banting hatte man als ersten kanadischen Nobelpreisträger zum Nationalhelden überhöht und Charles Best, der Banting und MacLeod lange überlebte, trug keineswegs dazu bei, diesen Mythos geradezurücken. Bliss korrigierte dies und kam zu dem Schluss: „There was enough Glory for All!“ 1984 folgte das Buch „Banting – a Biography“, in dem Bliss das Leben von Banting mit all seinen Höhen und Tiefen detailliert beschreibt.
Geschichte der Insulin-Entdeckung wird durch Bliss wieder lebendig
Michael Bliss verstarb 2017. Ich hatte noch das Glück, ihn auf der Jahrestagung der Amerikanischen Diabetes-Gesellschaft persönlich zu treffen und sein Buch mit persönlicher Widmung ist eines der Highlights meiner historischen Büchersammlung zur Diabetesgeschichte.
Nun ist „Die Entdeckung des Insulins“ endlich auch auf Deutsch erschienen, Autor ist der Biochemiker Dr. Robert Augustin, der beim forschenden Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim an der Entdeckung und Erforschung neuer Ansätze und Wirkstoffe zur Behandlung von Stoffwechselerkrankungen arbeitet. Der Verlag kündigt das Buch als „aus dem Amerikanischen“ übersetzt an. Da wird jeder Kanadier vehement protestieren – Bliss schrieb ein geschliffenes britisches Englisch.
„Die Entdeckung des Insulins“ – Autor der deutschen Übersetzung im Video-Interview
Dr. Robert Augustin im Gespräch mit Diabetes-Anker-Redakteurin Nicole Finkenauer.Wer sein Englisch trainieren möchte, dem kann ich die Originalversionen seiner Werke sehr empfehlen. Bliss ist es in seinen Büchern immer wieder gelungen, Geschichte sehr lebendig darzustellen. Im Vorwort seiner Banting-Biographie zitiert Bliss den Dichter Walt Whitman, der über die Arbeit eines Biographen schrieb: „Er zerrt die Toten aus ihren Särgen und stellt sie wieder auf die Beine. Er sagt zur Vergangenheit: Steh auf und geh vor mir her, damit ich dich erkennen kann.“
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Liest man das Buch über die Entdeckung des Insulins, so wird man in diesem Sinne lebendig in die damalige Zeit zurückversetzt. Und für wen das Buch gedacht ist, schrieb Bliss selbst im Vorwort: „Das Buch wendet sich an jeden intelligenten Leser. Alle Leser werden also kleinere Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen haben. Laien werden ein paar nicht sehr schwierige medizinische Begriffe lernen müssen. Die Mediziner müssen verstehen, dass ich manchmal gezwungen bin, einige sehr komplexe Sachverhalte zu vereinfachen oder zu ignorieren.“
Hervorragende Übersetzung von „Die Entdeckung des Insulins“ durch Dr. Robert Augustin
Das von Dr. Robert Augustin hervorragend übersetzte Buch sollte eine Pflichtlektüre für alle sein, die sich mit Diabetes beruflich befassen und ist auch für sogenannte Laien hochinteressant. Dr. Augustin – der Biochemie studiert hat und bei Boehringer Ingelheim arbeitet – hat übrigens viele Worterklärungen eingefügt, was für Nichtmediziner sehr hilfreich ist.

„Die Geschichte des Insulins“ von Prof. Michael Bliss, ins Deutsche übersetzt von Dr. Robert Augustin. LitVerlag 2023, ISBN: 978-3-643-25086-5, 384 Seiten, broschiert, 29.90 Euro. ➤ zum Shop
Wer das englische Original lesen möchte: Es ist anlässlich des „100. Geburtstages“ des Insulins neu erschienen. Es enthält auch etwas Neues: ein Vorwort des Insulins, das Bliss noch zu Lebzeiten verfasst hat, weil er ahnte, dass sein Werk eine Neuauflage erleben würde, wenn sich dieses zentrale Ereignis in der Medizingeschichte zum hundertsten Mal jährt.
von Dr. Viktor Jörgens
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thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 1 Monat
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 15. Juli! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]








Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße