- Aus der Community
Die Zukunft des Diabetes-Managements – Teil 1
4 Minuten
Diabetiker reagieren auf „Zukunftsmusik“ meiner Erfahrung nach in den seltensten Fällen euphorisch. Wenn man nicht gerade ein handfestes Produkt vorzuweisen hat, dann ist man oftmals mit Optimismus alleine auf verlorenem Posten. Wer kann es ihnen auch verübeln? Seit den 1980er Jahren können die Typ-1-Diabetes-Veteranen von Pharma- und Medizinprodukteindustrie und Ärzten immer wieder hören, dass man „ja kurz vor der Heilung steht“! Naja, der Fortschritt war für so vollmundige Behauptungen recht überschaubar und hat erst in der letzten Dekade richtig an Fahrt aufgenommen. Das ist meiner Meinung nach nicht vordergründig der Medizinprodukteindustrie selber zu verdanken, sondern eher Forscherteams aus aller Welt, die gezielte Studien und Versuchsreihen für revolutionäre Zukunftstechnologien betreiben.
Besonders forcieren die Weiterentwicklung der Systeme aber inzwischen die Betroffenen selbst. Nach ungezählten Jahren sind sie es leid, auf eine Lösung zu warten. Sie hacken ihre Geräte, um daraus selbst gebaute Hybrid-Closed-Loop-Systeme zu bauen. Wer jetzt aber an halbgare Technik denkt, die mehr schlecht als recht funktioniert, der irrt gewaltig. Ich selbst hatte das Vergnügen, einen solchen Hybrid-Closed-Loop für meine Partnerin zu bauen. Nach mehr als einem Jahr Testlauf bin ich absolut davon überzeugt, dass die Community jedes bisher in Deutschland konventionell erhältliche System mit ihren Lösungen in den Schatten stellt. Das liegt aber nicht daran, dass die Medizinprodukteindustrie nicht das Gleiche könnte, sondern an der schwierigen Gesetzes- und Zulassungslage für medizinische Produkte, an die man hier gebunden ist.
Es müssen strengste Richtlinien zum Schutz des Patienten eingehalten werden – und das ist auch gut so. Dennoch lohnt es sich, aktiv die Forschung auf dem Gebiet der Behandlungen zu verfolgen. Die Technik bietet heutzutage bereits viele nicht ausgeschöpfte Möglichkeiten.
Die smarte Linse
In den nächsten Jahren wird sich an der Größe eines CGM-Systems sicherlich so einiges tun. Vielleicht wären hier irgendwann sogar Kontaktlinsen denkbar. Bereits jetzt gibt es Prototypen-Studien zu diesem Thema. Besonders diese im folgenden erwähnte Studie habe ich deshalb als Wegweiser für eine mögliche Zukunft herangezogen. Es handelt sich hier um keine Humanstudie, lediglich die Realisierbarkeit wird hier erforscht und geprüft. Durch verbaute Sensoren zur Glukosemessung in der Tränenflüssigkeit und eine Spule für kabellose Energieübertragung funktioniert dieser Sensor im Kleinformat autonom.
Besonders beeindruckend finde ich die Bauform der Linse selbst. Sie hat eine Verformung wie bei einer handelsüblichen Kontaktlinse in der Studie ausgehalten. Durch ihre dehnbaren Materialien und speziell sich in hauchdünnen Schichten überlappenden leitfähigen Teilen soll kein Unterschied im Tragekomfort zu einer normalen Kontaktlinse bestehen. Man würde auch keine zusätzliche Hardware zum Auslesen der Werte benötigen. Die direkte Übertragung auf z.B. ein Smartphone funktioniert, da hier gängige Übertragungsstandards, wie Bluetooth oder Wifi genutzt werden.

Der große Vorteil dieses Systems wäre seine Vielseitigkei. Denkbar sind diese Linsen nicht nur mit der Überwachung des Gewebezuckers, sondern auch für Herz, Kreislauf und weitere Vitalwerte. An weiteren Funktionen für eine smarte Kontaktlinse wird geforscht. Ein CGM in Sehstärke, das wäre doch mal was, oder? In Zeiten von „Augmented Reality“ sehe ich sogar noch viel größeres Potenzial. Irgendwann ist vielleicht sogar eine Darstellung der Werte im Sichtbereich des Trägers auf der Linse selbst denkbar, auch wenn das wirklich noch in weiterer Ferne liegen dürfte.
Bisher braucht es wohl noch etwas Forschungs- und Entwicklungsarbeit zur vollkommenen Marktreife, aber bereits jetzt wäre diese Linse umsetzbar.
Das CGM als temporäres Aufklebe-Tattoo
Wer aber (genau wie ich selbst) mit Kontaktlinsen nie so wirklich warm geworden ist, der setzt sich in Zukunft als CGM vielleicht lieber eines dieser flexiblen Sensor-Tattoos, die als Prototypen bereits getestet werden. Auch hier liegt bis zum fertigen Produkt aber noch viel Arbeit vor den Forschern. Hier würde durch kabellose Strominduktion über eine Spule die Energiequelle im System selbst entfallen. Der Sensor ermittelt durch einen anliegenden Niederstrom mittels reverser Iontophorese den Gewebezucker. Durch die Schichtung des Tattoos wäre eine präzise Messung möglich.
Das Tattoo ist in sich überlappenden Schichten aufgebaut, ebenso die elektronischen Komponenten. Die Haut ist extrem flexibel und dehnbar, ein aufgeklebtes CGM muss diese Bewegungen nicht nur ausgleichen können, sondern dann auch noch ohne Beeinträchtigung funktionieren. Da das Tattoo nur auf der Haut klebt, ohne diese zu verletzen, fallen Vernarbungen im Gewebe durch ständige Punktierungen der Haut weg. Der Sensor könnte also in der Theorie sehr viel länger pro Zyklus an einer Stelle getragen werden und an der gleichen Stelle sofort erneut gesetzt werden. Allerdings ist das nur eine Annahme von mir. Zeiten, in denen ein Typ-1er wegen Vernarbungen keine gute Stelle mehr für einen Sensor findet, wären hiermit endgültig Vergangenheit.

Jedoch würde auch für diesen Sensor gelten, dass man nicht länger auf der Stelle liegen oder sitzen sollte. Das beeinträchtigt die Flüssigkeit im Unterhautgewebe und könnte zu Beeinträchtigungen der Genauigkeit wie auch Verzögerungen bei der Darstellung von Werten führen. Diese Technologie würde sich zukünftig aber ebenfalls nicht nur auf die Messung von Glukosedaten beschränken lassen. Theoretisch können nicht nur weitere Vitalwerte überwacht werden, auch medizinische Wirkstoffe könnten irgendwann über derartige Systeme über die Haut verabreicht werden. Dazu werden weitere Studien durchgeführt. Für Diabetes mellitus wird dies aber aufgrund der Temperaturempfindlichkeit und Konzentration von Insulin derzeit nicht realisierbar sein.
Es kommt noch mehr!
Das war der erste Teil meines kleinen Reports zu neuen Behandlungsmöglichkeiten. Im zweiten Teil wird es spannend weitergehen mit noch tiefgreifenderen Behandlungsmöglichkeiten, die allerdings eher in der fernen Zukunft liegen. Der nächste Teil wird also theoretischer, aber trotzdem sehr spannend und bietet Einblicke in tiefgreifende Änderungen der kompletten Diabetestherapie als Ganzes.
Noch mehr spannende Ausblicke in die Zukunft der Diabetestherapien gibt es von Basti: Smarte Insuline – the next big thing!?
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moira postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 2 Wochen, 6 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 5 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55-
crismo antwortete vor 2 Tagen, 23 Stunden
Hi Thomas 🙂
Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!
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thomas55 antwortete vor 2 Tagen, 22 Stunden
@crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.
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