Durch Weiterbildung zum Thema Diabetes kompetent pflegen

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Durch Weiterbildung zum Thema Diabetes kompetent pflegen

Eine Untersuchung hat gezeigt, dass Personen, die Menschen mit Diabetes pflegen, oft nicht genug Wissen über das Thema haben. Das betrifft Pflegende in Kliniken, Pflege-Einrichtungen und ambulanten Versorgungs­einrichtungen. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft sorgt mit unterschiedlichen Weiterbildungen dafür, dass das diabetologische Wissen in diesem Bereich zunimmt und die Qualität der Betreuung steigt.

Durch fehlende diabetologische Strukturen und mangelnde dia­be­to­logische Ausbildung der Pflegenden in Kliniken und Pflegeeinrichtungen ist eine qualitativ hochwertige Versorgung von Menschen mit Diabetes, egal welchen Typs, nicht immer gewährleistet. Untersuchungen des dia­be­tologischen Fachwissens von Pflegepersonal zeigten insbesondere in den Themenbereichen Insulin­dosis­anpassung und Ernährung Wissenslücken. Dies kann gravierende Folgen haben.

Klar ist, dass in Kliniken, Pflegeheimen und in der ambulanten Pflege Verbesserungs­potenziale genutzt werden müssen. Wesentliche Faktoren sind die Einführung bzw. der Ausbau vorhandener diabetologischer Strukturen mit entsprechendem Qualitätsmanagement und die diabetes­spezifische Fortbildung des Pflege­personals.

Fachkräfte für die Betreuung von ­Menschen mit Diabetes

Bereits 1983 etablierte die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) mit der „Weiterbildung zur Diabetesberaterin DDG/zum Diabetesberater DDG“ ihr erstes Bildungsangebot für Angehörige der Gesundheitsfachberufe. Zielgruppe sind Personen aus dem Pflege- und dem Ernährungsbereich.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) bietet viele Weiterbildungen an, um Gesundheitsfachkräften Wissen über Diabetes zu vermitteln.

Im Rahmen einer einjährigen berufsbegleitenden Weiterbildung lernen die Teilnehmenden, Patienten aller verschiedenen Diabetestypen gemäß den aktuellen wissenschaftlichen Leitlinien anzuleiten, zu coachen, zu beraten und zu schulen. Diabetesberater und -beraterinnen DDG erstellen individuelle Maßnahmenprogramme und befähigen Menschen mit Diabetes zum Selbstmanagement ihrer Erkrankung. In der Weiterbildung erwerben die Teilnehmenden Kompetenzen und Fähigkeiten im diabetologischen, ernährungswissenschaftlichen und päda­gogischen Bereich.

Kompetent für Menschen mit ­Typ-2-Diabetes

Ähnliche Kompetenzen und Fähigkeiten erwerben Diabetesassistentinnen und Dia­be­tes­as­sis­tenten DDG. Im Vergleich zu den Beratern und Beraterinnen ist diese Weiterbildung weniger umfangreich und die erworbenen dia­be­to­logischen Kompetenzen befähigen ausschließlich zur Betreuung von Menschen mit Typ-2-Diabetes.

Weitergebildete verlassen oft die Pflege

Die Motivation speziell für Personen aus dem Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflege- sowie dem Altenpflegebereich, sich zum Dia­betesberater bzw. zur Diabetesberaterin weiterzubilden, hat viele Gründe. Sicher sind hohe Belastungen im Pflegebereich, geregelte Arbeitszeiten ohne Schichtdienst und die Hoffnung auf bessere Verdienstmöglichkeiten von Bedeutung. Daraus folgt allerdings, dass die Weiterbildungsteilnehmenden oft einen Wechsel in die Beratung und Schulung anstreben. Somit stehen sie dem klinischen oder ambulanten Pflegebereich nicht mehr zur Verfügung – und dort fehlt dann die so dringend benötigte diabetologische Fachkompetenz.

Basisqualifikation für Notfallsituationen

Um auf diesen Mangel an diabetologischer Fachkenntnis zu reagieren, wurden durch die DDG unterschiedliche Fortbildungen für die so wichtige Gruppe der Pflegenden entwickelt. Zunächst können Pflegende diabetologisches Fachwissen in einer 16 Stunden umfassenden Basisqualifikation erwerben. Einer der Schwerpunkte der Fortbildung ist das Gewährleisten der Patientensicherheit durch das Beherrschen von diabetologischen Notfallsituationen.

Umfassendere Angebote stellen die Weiterbildungen zur Diabetes-Pflegefachkraft DDG dar. In den 180 Stunden umfassenden Weiterbildungen wird nach Einsatzbereich der Teilnehmenden unterschieden. Während der Schwerpunkt der Diabetes-Pflegefachkraft DDG (Langzeit) auf dem Tätigkeitsbereich der Begleitung und Unterstützung des individuellen Diabetesmanagements im Rahmen der Behandlungspflege durch ambulante oder stationäre Langzeitpflege (Pflegeheime) liegt, qualifiziert die Weiterbildung Diabetes-­Pflegefachkraft (Klinik) zur Überwachung des Diabetes-­Managements im stationären Umfeld und zur Weiterbildung des Teams, um eine qualitativ hochwertige Diabetesversorgung in den Kliniken sicherzustellen.

Schwerpunkt Diabetisches Fußsyndrom

Neben den dargestellten Weiterbildungen existieren weitere Fortbildungen, deren Schwerpunkt die Behandlung des Diabetischen Fußsyndroms ist. Pflegekräfte mit Interesse an diesem speziellen Krankheitsbild können sich entweder zum Wundassistenten bzw. zur Wundassistentin oder zum Podologen bzw. zur Podologin fortbilden lassen.

Fortbildung weiterhin herausfordernd

Nicht immer ist es für Menschen mit Diabetes ersichtlich, ob eine medizinische Einrichtung über ausreichend diabetologisch qualifiziertes Personal verfügt. Eine wichtige Hilfe bei der Suche nach einer passenden Behandlungseinrichtung bietet das Zertifizierungssystem der DDG. Wenn eine Einrichtung als Diabeteszentrum DDG, Diabetologikum DDG, Klinik für Dia­be­tes­patienten geeignet oder Fußbehandlungseinrichtung DDG zertifiziert ist, können Patienten sicher sein, dass die notwendigen diabetologischen Strukturen vorhanden sind.

Leider weisen noch zu wenige Kliniken und Pflegeeinrichtungen eine entsprechende Zertifizierung auf, sodass die Fort- und Weiterbildung des ärztlichen und nicht ärztlichen Personals weiterhin eine immense Herausforderung für die Zukunft darstellt, wenn eine gute Versorgungsqualität für Menschen mit Dia­betes in der Fläche erreicht werden soll.

Schwerpunkt „Älter werden und gut und sicher leben“

von Lars Hecht, MSc

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2021; 70 (11) Seite 30-31

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  • moira postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen, 5 Tagen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 1 Monat

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

    • crismo antwortete vor 1 Woche

      Hi Thomas 🙂
      Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
      Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.

      Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!

    • thomas55 antwortete vor 1 Woche

      @crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.

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