- Begleit-Erkrankungen
Diabetes und Bluthochdruck: Eine unheilvolle Allianz
4 Minuten

Wer einen hohen Blutdruck hat, hat ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall – ganz unabhängig vom Diabetes. Kommen Bluthochdruck und Diabetes zusammen, entsteht eine unheilvolle Allianz und die Prognose für den Betroffenen verschlechtert sich dramatisch.
Das Fallbeispiel
Katharina M. ist mit ihren 82 Jahren noch sehr rüstig – sie geht jeden Tag zweimal spazieren, kauft selbst ein und kocht auch selbst. In den letzten Wochen hat sie schon mal vermehrt Luftnot, wenn sie die 10 Stufen in ihre Wohnung steigen muss. Oben angekommen ist ihr immer häufiger auch etwas schwindelig, und sie hat auch einen leichten Druck über der Brust.
Ihre Nachbarin hat ihr dringend dazu geraten, ihren Hausarzt anzurufen, denn sie vermutete ein Herzproblem: Ihr Mann hatte mal ähnliche Beschwerden vor einem Herzinfarkt!
Beim Hausarztbesuch am folgenden Tag (sie war zu Fuß unterwegs) war sie sehr darüber erstaunt, dass die Arzthelferin bei der Blutdruckmessung einen Blutdruck von 240/110 mmHg links gemessen hatte – und ganz aufgeregt den Arzt dazurief: Dieser gab ihr sofort ein rasch den Blutdruck senkendes Medikament.
Höheres Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenschäden
Wer einen Bluthochdruck hat, dessen Risiko für das Auftreten eines Herzinfarkts, Schlaganfalls sowie für Nierenerkrankungen ist erhöht. 70 bis 90 Prozent der Diabetiker haben häufiger auch einen Bluthochdruck, der vom Ausmaß der oft begleitenden Nierenschädigung (Nephropathie) abhängig ist. Außerdem verschlechtert sich das Risiko für den Bluthochdruckkranken durch einen Diabetes nochmals dramatisch.
Schlüsselrolle: Übergewicht
Bei der Entwicklung des Bluthochdrucks spielt das Übergewicht bzw. das krankhafte Übergewicht (Adipositas) eine Schlüsselrolle; weltweit sterben mehr und mehr Menschen durch das gemeinsame Auftreten von Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und Fettstoffwechselstörungen bei den Übergewichtigen bzw. Adipösen.
Die Erkrankungshäufigkeit an Bluthochdruck betrug laut einer Studie in deutschen Arztpraxen (38 873 Patienten/Hydra-Studie):
- bei Normalgewicht, Body-Mass-Index (BMI) 18,5 bis 24,9 kg/m²: 34,3 %,
- bei Übergewicht, BMI 25 bis 29,9 kg/m²: 60 %,
- bei Adipositas Grad 1, BMI 30,0 bis 34,9 kg/m²: 72,9 %,
- bei Adipositas Grad 2, BMI 35,0 bis 39,9 kg/m²: 77,1%,
- bei Adipositas Grad 3, BMI 40,0 kg/m² oder darüber: 74,1 %!
Der Bluthochdruck ist heute nicht mehr nur eine Erkrankung der Älteren. Auch bei Kindern und Jugendlichen wird er häufig diagnostiziert. Das Übergewicht ist in diesem Alter einer der bedeutendsten Risikofaktoren, der unabhängig von der Höhe des Blutdrucks zu strukturellen und funktionellen Veränderungen am Herz-Kreislauf-System führen kann.
Wer einen Typ-1-Diabetes diagnostiziert bekommt, der hat meist keinen Bluthochdruck; dieser entsteht erst im Zusammenhang mit der Entwicklung der diabetischen Nephropathie mit Ausscheidung von kleinen Mengen von Eiweiß im Urin (Mikroalbuminurie). Anders beim Typ-2-Diabetes:
Unterschied bei Diabetestypen
Typ-2-Diabetiker haben zum Zeitpunkt der Diagnosestellung in etwa 50 Prozent schon einen Bluthochdruck (Hypertonus). Nichtdiabetiker haben in nur 15 bis 20 Prozent einen Bluthochdruck – bei Diabetikern steigt dieser Prozentsatz innerhalb von ca. 30 Jahren bis auf 80 Prozent an; bei dieser Gruppe von Patienten führt also über Jahre hinweg der Bluthochdruck zur Nierenschädigung – der Diabetes ist oft noch nicht bekannt!
Blutdruck: Wie hoch?
Nach den aktuellen Empfehlungen der Deutschen Hochdruckliga und der Deutschen Diabetes Gesellschaft sollten sich der obere Blutdruckwert (systolisch) im Bereich von 130 bis 140 mmHg bewegen und der untere Blutdruckwert (diastolisch) im Bereich von 80 bis 85 mmHg. Eine zu strenge Blutdruckeinstellung hat sich laut aktueller wissenschaftlicher Untersuchungen bei Patienten mit Diabetes nicht bewährt – bei ganz strenger Einstellung kam es sogar gehäuft zu schweren Herz-Kreislauf-Problemen (Herzinfarkt, Schlaganfall).
Dass sich eine “gute” Blutdruckeinstellung aber selbst noch im hohen Alter lohnt, hat die HYVET-Studie bei über 80-Jährigen gezeigt: Eine gute Einstellung führte zu einem drastischen Rückgang von Schlaganfällen, der Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und auch einer vorzeitigen Sterblichkeit.
Vermeintlich gesunde Gesichtsfarbe
Leider macht der hohe Blutdruck oft überhaupt keine Beschwerden – im Gegenteil: Patienten mit hohem Blutdruck sehen oft “strotzend gesund” aus, wegen der oft etwas rötlich-braunen Gesichtsfarbe. Patienten mit niedrigem Blutdruck sehen dagegen oft fahl aus, weißlich im Gesicht, und werden eher als krank angesehen; dabei lauert die Gefahr bei dem vermeintlich strotzend gesund aussehenden Menschen. Bluthochdruckkranke klagen gelegentlich über unspezifische Beschwerden (siehe Kasten).
Die Beschwerden: Anzeichen eines Bluthochdrucks (Auswahl)
- häufiges Nasenbluten
- Kopfschmerzen
- Ohrensausen
- Schwindel
- Augen-/Sehprobleme
- Luftnot bei Belastung
- bei nächtlichem Bluthochdruck Schlafstörungen
- Herzklopfen
- Druck über der Brust
Nur durch regelmäßiges Blutdruckmessen in Ruhe – mal morgens, mal abends oder auch mal in der Nacht (z. B. anlässlich eines Toilettengangs!) – lässt sich die Diagnose stellen. Eine weitergehende Diagnostik kann sich dann anschließen (z. B. 24-Stunden-Blutdruckmessung, EKG, Blutuntersuchung, Herz-Ultraschall etc.).
Entscheidend ist die rechtzeitige Diagnose, denn: Ohne Therapie führt der hohe Druck in den Arterien (sauerstoffreiches Blut) Tag für Tag zu Veränderungen der Blutgefäßwände und auch der Organe selbst (Herz, Gehirn, Niere). Dadurch, dass gleichzeitig ein Diabetes vorhanden ist, laufen diese Veränderungen sogar noch sehr viel schneller und dramatischer ab.
Glossar
- KHK: koronare Herzkrankheit, Verengung der Herzkranzgefäße.
- ACE-Hemmer: Angiotensin-Converting-Enzym-Hemmer; verhindert, dass Angiotensin II gebildet wird, das die Gefäßwände verengt.
- AT1-Blocker: Angiotensin-1-Blocker oder Sartane; blockiert die Wirkung von Angiotensin II, das die Gefäßwände verengt.
- Kalzium-Antagonist: Kalzium-Kanal-Blocker; verhindern den Einstrom von Kalzium in die Zellen, so dass sich die Gefäßwände entspannen.
Nach der Diagnose folgt die Therapie
bergewicht/Adipositas und mangelnde Bewegung sind mit die Hauptgründe für die Entstehung eines Bluthochdrucks (aber auch des Diabetes!) – also sollte zunächst hier therapeutisch angesetzt werden. Es ist aber in der Regel illusorisch, anzunehmen, dass die Umstellung liebgewonnener Gewohnheiten rasch geschieht. Deshalb sollte parallel zu den Basismaßnahmen eine medikamentöse Therapie eingeleitet werden.
Dass auch die Wirkung neuerer, moderner Medikamente ständig weiter überprüft und hinterfragt werden muss, zeigt das Beispiel von Aliskiren (Rasilez): Dieser direkte Renin-Hemmer, der seit 2007 auf dem Markt ist, hat in einer Studie (ALTITUDE) bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit (Herzkranzgefäßverengung) und Diabetes bei gleichzeitiger Gabe eines ACE-Hemmers oder AT1–Blockers zu schwerwiegenden Komplikationen geführt.
Vorerst sollte deshalb eine Kombination von Aliskiren und ACE-Hemmern (bzw. AT1-Blockern) bei Diabetikern mit koronarer Herzkrankheit oder Nierenfunktionseinschränkung nicht erfolgen!
Bewährte Medikamente
Folgende Medikamente haben sich dagegen bewährt (Auswahl):
- ACE-Hemmer (z. B. Ramipril),
- AT1-Blocker (z. B. Candesartan),
- Beta-Blocker (bei zusätzlicher koronarer Herzkrankheit, z. B. Bisoprolol),
- Kalzium-Antagonisten (z. B. Amlodipin),
- Entwässerungsmittel (Diuretika, z. B. Hydrochlorothiazid (HCT) in kleiner Dosis).
Bewährte Allgemeinmaßnahmen
Folgende Allgemeinmaßnahmen haben sich bewährt:
- Kochsalzgenuss einschränken (vor allem bei jüngeren Patienten),
- Alkoholmenge reduzieren,
- regelmäßige Bewegung wie Walken, Gehen, Laufen, Schwimmen,
- Nichtrauchen/Rauchen sofort einstellen,
- regelmäßiger, ausreichender Schlaf vor Mitternacht (ca. 6 Stunden),
- Stressabbau (autogenes Training, progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Tai-Chi, Yoga etc.),
- sich mehr Zeit für sich selbst einplanen!
Dadurch lässt sich extrem viel erreichen. So lässt sich zum Beispiel durch eine Gewichtreduktion von ca. 10 kg der systolische Blutdruck meist schon um etwa 20 mmHg senken! Dies entspricht dem Effekt der Kombination von mindestens zwei blutdrucksenkenden Mitteln!
Genau wie der Diabetes selbst wird auch der Bluthochdruck oft zu spät entdeckt – manchmal zufällig. Dabei lassen sich bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung beider Erkrankungen oft schwerwiegende Folgen vermeiden. Überprüfen Sie daher regelmäßig Ihren Blutdruck!
Dr. med. Gerhard-W. Schmeisl (Bad Kissingen) ist Internist sowie Facharzt für Diabetologie, Angiologie und Sozialmedizin und hat jahrzehntelange praktische Erfahrung in der Behandlung und Schulung von Menschen mit Diabetes in Praxis und Klinik. Er schreibt in der Diabetes-Anker-Rubrik „Medizin verstehen“ (vormals Diabetes-Kurs) über die Diabetes-Therapie und alles, was sonst noch mit dem Diabetes zusammenhängt.
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2013; 62 (3) Seite 42-45
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olivers postete ein Update vor 3 Tagen, 18 Stunden
Hallo Zusammen!
Ich bin ein T3er und freue mich Gleichbetroffene zwecks Erfahrungsaustausch zu finden. Bin im Frankfurter Raum, aber auch im Heidelberger Raum unterwegs.
Liebe Grüße
Oliverzojou96 postete ein Update vor 4 Tagen, 19 Stunden
Hallo, ich bin DT1 und trage seit etwa 1 Jahr eine Omnipod-Pumpe. Letztere löst seit mehrere Monaten eine Hautallergie an der Platzierungsstelle aus. Ich habe es bereits mit dem Cavillon-Spray und Pflastern (derzeit Omnifix von Hartmann und Unterpatch von My Sweet Stitch) für empfindliche Haut unter dem Pod probiert. Es hilft aber leider nicht oder nur bedingt, da auch mit Spray die Allergie ausgelöst wird und die Schutzpflaster nicht lange haften. Hat jemand vielleicht eine ähnliche Erfahrung gemacht und eine gute Lösung gefunden? Ich würde gerne weiterhin eine Pumpe tragen, wäre aber auch bereit das Modell zu wechseln, wenn es das Problem mit der Allergie löst. Ich bin um jeden Rat dankbar. Vielen Dank im Voraus 🙂
darktear postete ein Update vor 5 Tagen, 11 Stunden
Hallo,
hat irgendwer der den Libre3 benutzt auch so massive Probleme ?
Mein Kind hat ständig Ärger mit seinen Sensoren,selten wo mal einer durchhält. Entweder dauernd Sensorfehler oder ein neuer Sensor sitzt und nach kurzer Zeit kommt bitte neuen Sensor starten.
Das kann ja nicht sein,ich hab selten mal einen Sensorfehler.
Als ich das letzte mal bei denen angerufen hatte ,meinte dieser “sehr freundliche” Mitarbeiter nur es kann nicht sein das die so viele Fehler haben,es gab keinen Ersatz.
Müßen wir jetzt ernsthaft selber Sensoren bezahlen?
Weil bis der Nachschub kommt dauert es noch 🙁LG Sandra
- olivers antwortete vor 3 Tagen, 18 Stunden
Nun, ich weiß nicht, was ihr alles probiert habt. Aber Handyneustart, Bluetooth neu aktivieren, Akku muss genug Kapazität haben. Vielleicht ist der Sensor auch locker, Schweiss hat auch immer bei mir Schwierigkeiten gemacht (wird beim Kind nicht sein).
Gruß Oliver - darktear antwortete vor 1 Tag, 20 Stunden
@olivers: Haben wir alles gemacht und hat dennoch nicht geholfen 🙁
Wir haben auch spezielle Pflaster zum drauf kleben,aber die machen keine Probleme.
Nun sollten bis mitte nächster Woche die neuen Sensoren kommen und ich hoffe es klappt dann mal ohne ProblemeGruß Sandra



