- Behandlung
Einsamkeit hat weltweit epidemische Ausmaße – und auch Auswirkungen auf den Diabetes
2 Minuten
Gefühle von Einsamkeit und soziale Isolation treten speziell bei Menschen mit chronischen Erkrankungen gehäuft auf und können zusätzlich weitreichende gesundheitliche Folgen haben – auch für Typ-2-Diabetes, dessen Management bzw. Erkrankungsrisiko.
Von der New York Times bis zu US-Fachbuch-Bestsellerautoren – kein Medium kommt mehr am Thema Einsamkeit vorbei. Ein Problem, das auch für Menschen mit Diabetes und die sie betreuenden diabetologische Fachkräfte zunehmend von Interesse ist. Denn für die Zusammenhänge zwischen Einsamkeit und Typ-2-Diabetes bzw. dem Typ-2-Diabetes-Risiko liegen etliche Studiendaten vor.
In ihrem Vortrag im Rahmen eines Symposiums auf dem diesjährigen Kongress der US-amerikanischen Diabetes-Gesellschaft ADA klärte Dr. Anne Gaglioti aus Cleveland/USA zunächst die Begriffe: Das Ausmaß, in dem eine Person oder Bevölkerungsgruppe die Bedürfnisse nach sozialen Kontakten erreicht, werde als soziale Vernetzung beschrieben. Als sozial isoliert gelten Menschen mit objektiv wenigen sozialen Beziehungen, wenigen sozialen Rollen, fehlender Gruppenzugehörigkeit und seltenen sozialen Interaktionen.
Dr. Gaglioti warnte jedoch vor Trugschlüssen: Menschen mit vielen Kontakten können einsam sein, während Menschen, die oft allein sind, nicht automatisch Einsamkeit empfinden. Unter Einsamkeit werde eine subjektiv belastende Erfahrung verstanden, die aus einer wahrgenommenen Isolation oder qualitativ inadäquaten Beziehungen resultiert. Letztere sind durch eine Diskrepanz oder ein unbefriedigtes Bedürfnis zwischen der gewünschten und der tatsächlichen Erfahrung gekennzeichnet. Ein hohes Risiko für Einsamkeit weisen u.a. chronisch kranke Menschen auf.
Einsamkeit entgegenwirken: bessere soziale Unterstützung von Menschen mit Diabetes verbessert auch das Selbstmanagement
Der Trend zu Einsamkeit und sozialer Isolation steige, sagte die US-Amerikanerin. Eine Beziehung zwischen sozialer Isolation und vorzeitiger Sterblichkeit bestehe laut Analysen auch unter Berücksichtigung von Gesundheitsstatus, Alter, sozioökonomischer Position und Gesundheitsverhalten. Metaanalysen von Studien hätten gezeigt, dass eine gute soziale Vernetzung Überlebenschancen um 50 Prozent erhöhen können. Fehlende soziale Vernetztheit sei wiederum auf die Gesamtgesundheit bezogen „gefährlicher als 15 Zigaretten am Tag“.
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Bereits vor längerer Zeit wurde durch die MONICA/KORA-Studien belegt, dass fehlende soziale Vernetzung (bzw. mangelnde strukturelle soziale Unterstützung) mit einem erhöhten Diagnoserisiko für Typ-2-Diabetes assoziiert ist – auch nach Adjustierung diverser Einflussfaktoren (Body-Mass-Index, Bluthochdruck, körperliche Aktivität, Depression, familiäre Vorbelastung). Dr. Gaglioti betonte, dass eine bessere soziale Unterstützung von Menschen mit Diabetes mit einem besseren Selbstmanagement verbunden ist. Soziale Vernetzung zu gewährleisten, sei eine wichtige Aufgabe für das Gesundheitswesen und werde auch von der Weltgesundheitsorganisation WHO adressiert.
Menschen mit Typ-2-Diabetes sind vermehrt von Einsamkeit und sozialer Isolation betroffen
Dr. Xuan Wang aus New Orleans/USA sagte, ein höherer Anteil von Menschen mit Diabetes als in der Allgemeinbevölkerung fühle sich sowohl einsam als auch sozial isoliert. Das 20-Jahres-Follow-up der HUNT-Studie habe für Individuen, die sich besonders einsam fühlten, ein zweifach erhöhtes Risiko für die Typ-2-Diabetes-Entwicklung gezeigt.
Einsamkeit während der COVID-19-Pandemie
Dr. Ariana M. Chao, außerordentliche Professorin an der Johns Hopkins School of Nursing, Baltimore/USA, betonte in ihrem Vortrag die starke Zunahme von Einsamkeit bei älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes während der Covid-19-Pandemie. Einsamkeit sei bei älteren Betroffenen mit einer schlechteren kognitiven Leistung verbunden. Die Beziehung zwischen Einsamkeit und Depression sei als bidirektional anzusehen, und die Fähigkeit zum Selbstmanagement werde durch Einsamkeit reduziert. Daher bestehe ein Bedarf für Maßnahmen zur Bekämpfung der Einsamkeit bei Menschen mit Diabetes.
Was hilft? In einer Übersichtsarbeit hätten Haustiere und technische Hilfsmittel in der Langzeitpflege große Effektstärken gezeigt. Deren große Heterogenität, die wenigen Studien pro Intervention und eine niedrige Nachweisqualität schmälern jedoch die Aussagekraft der Ergebnisse. „Noch ist unklar, ob die Veränderungen in den Interventionsstudien bei Symptomen von Einsamkeit zu langfristigen Ergebnissen führen könnten, also zu Verbesserungen im Hinblick auf kardiovaskuläre Erkrankungen und Sterblichkeit bei Menschen mit Diabetes“, lautete Dr. Wangs Fazit.
von Dr. Karin Kreuel
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lelolali postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Für alle Höhen und Tiefen vor 2 Tagen, 22 Stunden
Hallo, ich bin noch ganz neu hier. Ich war heute beim T1day und bin dadurch auf den DiabetesAnker aufmerksam geworden. Ich bin Ende 20 und komme aus Berlin und bin auf der Suche nach anderen Menschen mit Typ 1 Diabetes (ungefähr in meinem Alter) zum Austauschen und Quatschen. Vielleicht hat ja jemand Interesse 🙂
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jasminj postete ein Update vor 3 Tagen, 6 Stunden
Hi,
Ich bin Jasmin und gerade auf dem t1day 🙂 hab seit 23 Jahren Diabetes, aktuell mit Ypsopump und G7. Bin entweder in Hamburg oder Berlin anzutreffen und freue mich auf Kontakte und Austausch!-
lelolali antwortete vor 2 Tagen, 22 Stunden
Hey Jasmin, ich war heute auch auf dem T1day, vielleicht hast du Lust auf Austausch 🙂
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jasminj antwortete vor 2 Tagen, 22 Stunden
@lelolali: Ich würde mich über Austausch und Kontakte sehr freuen. Gerne hier oder anders online und ansonsten bin ich aktuell alle ein bis zwei Wochen in Berlin – also ggf. auch gerne persönlich?
Wie hat Dir der Tag gefallen? -
lelolali antwortete vor 2 Tagen, 21 Stunden
@jasminj: Ja sehr gerne! Ich kann dir hier leider keine private Nachricht schreiben (werde auf die Startseite weitergeleitet) , funktioniert dies bei dir? 🙂
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jasminj antwortete vor 2 Tagen, 20 Stunden
@lelolali: funktioniert bei mir leider auch nicht. Ich wollte es mir morgen nochmal über die Webabsicht anschauen, vllt geht es da 🙂
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gregor-hess antwortete vor 2 Tagen, 2 Stunden
@jasminj & @lelolali: Leider funktionieren die DM aktuell tatsächlich nicht, sorry! Wir kümmern uns schnellstmöglich darum!
LG Gregor aus der Redaktion -
gregor-hess antwortete vor 1 Tag, 12 Stunden
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jasminj antwortete vor 1 Tag, 10 Stunden
@gregor-hess: vielen lieben Dank! Hab es direkt ausprobiert und es sieht gut aus 🙂
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galu postete ein Update vor 1 Woche
hallo,
ich bin d«Deutsche und lebe seit ca.40jahren in Portugal… meine Tochter, deutsch portugiesin, nun 27 ist seit ihrem 11.Lebensjahr Typ1.
Nachdem ich, gleich nach der Diagnose, eine Selbsgthilfegruppe – die jungen Diabetiker der Algarve, gegruendet habe – finden wir nun so einige Beschraenkungen, was Selbsthilfe und relevante Info betrifft….meine Frage an die Gruppe:
Kann mir jemand , irgendwo in Deutschland eine gute Diabetes Kur oder Kuren mit Hauptgewicht auf Diabetes empfehlen?
Wir werden eh alles privat organsieren und bezahlen muessen – also sind eh nicht auf Krankenkassenangebote angewiesen (falls es diese ueberhaupt (wo?) geben sollte)
Irgendwo in Deutschland (vielleicht nicht zuweit weg von internationalen Flughaefen, da wir ja immer aus Portugal kommen muessen.
Hat vielleicht jemand eine Idee? vielen dank im Voraus-
connyhumboldt antwortete vor 1 Woche
Hallo! Die beste Klinik für Diabetes ist in Bad Mergentheim! Ich hoffe Euch damit geholfen zu haben! Die Gesetzlichen Krankenkassen schicken die bei ihnen versicherten Diabetiker alle dahin! Privat geht aber auch? Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland!
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Hey, ich bin Lara und 23 Jahre alt. Ich komme zwar nicht aus Berlin, aber bin im Mai wieder dort. Freue mich trotzdem immer über Austausch, auch wenn es digital ist. Liebe Grüße
@laratyp1life: Hallo, über digitalen Austausch freue ich mich natürlich auch 🙂