- Begleit-Erkrankungen
Fettstoffwechselstörungen im Zusammenhang mit Diabetes
4 Minuten

Unter Fettstoffwechselstörungen versteht man krankhafte Veränderungen der Fettzusammensetzung mit einem Zuviel oder einem Zuwenig einzelner Fettbestandteile im Blut. Wir sagen Ihnen, wodurch die Störungen entstehen, welche Bedeutung sie im Zusammenhang mit Diabetes haben und wie man sie behandeln kann.
In den letzten Jahren konnten Studien eindeutig bestätigen, dass ein Zusammenhang besteht zwischen einer Fettstoffwechselstörung, vor allem zwischen einem zu hohen Cholesterinspiegel (Hypercholesterinämie), und Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen der Beine. Vor allem das Senken des schlechten Cholesterins (LDL-Cholesterin) führt zu einer Reduktion dieser Folgeerkrankungen.
Es gibt jedoch auch Menschen, die trotz erhöhter Fette keinen Herzinfarkt oder Schlaganfall erleiden. Also ist die Hypercholesterinämie (mit hohem LDL-Cholesterin) zwar der wichtigste Risikofaktor – bei einer Bewertung des Gesamtrisikos müssen jedoch auch Begleiterkrankungen berücksichtigt werden. Dazu zählen die Schlafapnoe (Atemstörungen während des Schlafs), der Diabetes, die Gicht und der Bluthochdruck, das Metabolische Syndrom sowie übermäßiger Genuss von Alkohol und Zigaretten.
Schnell erklärt
- LDL: Low Density Lipoprotein: geringe Dichte der Fettpartikel; ungesund
- HDL:High Density Lipoprotein: hohe Dichte der Fettpartikel; gesund
- pAVK:periphere arterielle Verschlusskrankheit; Störung der Durchblutung der arteriellen Gefäße
- CSE-Hemmer: Cholesterinsenker (vor allem Statine)
- PCSK9-Hemmer: steigern den Abbau von LDL-Cholesterin über die LDL-Rezeptoren
Geschätzt die Hälfte aller Menschen im Alter von über 40 Jahrenin den westlichen Industrienationen hat erhöhte Blutfette, speziell der Typ-2-Diabetes ist jedoch ein Hochrisikozustand für die Entwicklung von Herzinfarkt, Schlaganfall und Komplikationen an den Beinen (wie eine periphere arterielle Verschlusskrankheit, pAVK). So liegt das Risiko, innerhalb der nächsten 10 Jahre eine koronare Herzkrankheit zu erleiden und einen Infarkt zu bekommen, bei nahezu 20 Prozent. Die Gesamtsterblichkeit bei Diabetikern ist doppelt so hoch wie bei Nichtdiabetikern, die Häufigkeit der koronaren Herzkrankheit ist bei Männern 2-mal, bei Frauen 3-mal höher als bei Nichtdiabetikern.
Wir sprechen heute von primären Fettstoffwechselstörungen, wenn diese genetisch (vererbt) bedingt sind – sie treten jedoch nicht bei jedem Vorbelasteten auf und werden durch den Lebensstil und die Ernährung verändert.
Das Fallbeispiel
Petra M.s Mutter – erst 50 Jahre alt – ist mit einem frischen Herzinfarkt in die Klinik eingeliefert worden. An Risikofaktoren hatte sie einen Bluthochdruck, einen Typ-2-Diabetes seit etwa 8 Jahren und erhöhte Blutfette (ein LDL-Cholesterin-Wert über 230 mg/dl), die allerdings nicht behandelt worden waren.
Erst jetzt wurde im Rahmen der stationären Behandlung des Infarktes ein Fettsenker eingesetzt, obwohl der Vater von Petra M.s Mutter ebenfalls schon früh (mit 48 Jahren) einen Herzinfarkt hatte und auch daran verstarb!
Petra M. (28 Jahre) ließ sich deshalb daraufhin bei ihrem Hausarzt untersuchen – und es bestätigte sich bei ihr eine “familiäre Hypercholesterinämie”!
Sekundäre Fettstoffwechselstörungen …
… das sind Fettstoffwechselstörungen, die begleitend zu anderen Grundkrankheiten auftreten: z. B. gehören dazu der Diabetes, Übergewicht, eine Schilddrüsenunterfunktion, Gallen- und Nierenerkrankungen und hoher Alkoholkonsum.
Besonderheiten beim Typ-2-Diabetes
Typ-2-Diabetiker haben in der Regel eine gemischte Fettstoffwechselstörung mit einer leichten Erhöhung der Neutralfette (Hypertriglyzeridämie) sowie einer Verminderung des guten Cholesterins (HDL-Cholesterin), was sich in der Regel durch ein Optimieren der Blutzuckereinstellung wieder normalisieren lässt.
Mit zunehmendem Übergewicht besonders am Bauch kommt es wegen der Insulinresistenz von Muskulatur und Fettgewebe und der damit verbundenen hohen Insulinspiegel zu einer vermehrten Produktion von Neutralfetten – vor allem bei schlechter Blutzuckereinstellung kommt es deshalb neben der Anhäufung von LDL-Partikeln auch zu einer Erhöhung des Gesamtcholesterins im Blut.
Und beim Typ-1-Diabetes? Meist findet man Fettstoffwechselstörungen, gerade Hypertriglyzeridämien, nur im Rahmen von Stoffwechselentgleisungen, also z. B. im Rahmen einer Ketoazidose. Ursache ist eine Verminderung eines bestimmten Enzyms, der Lipoproteinlipase, die praktisch nur beim absoluten Insulinmangel auftritt.
Gefahr: schlecht eingestellter Diabetes!
Vor allem bei schlecht eingestelltem Diabetes treten sehr kleine, dichte LDL-Partikel auf, die rasch verstoffwechselt (oxidiert) werden und bei Anhäufung die Arteriosklerose fördern. Außerdem können bei einem sehr schlecht eingestellten Diabetes insbesondere die stark angehäuften Triglyzeride im Blut eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung (akute Pankreatitis) auslösen.
- niedriger Anteil gesättigter Fettsäuren und Cholesterin
- hoher Anteil einfach ungesättigter Fettsäuren
- Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl sind eher günstig
- Alkoholkonsum minimieren, max. 1 – 2 Gläser Bier oder Wein pro Tag
- dazu: regelmäßige körperliche Aktivität
Das Lipoprotein (a) ähnelt dem LDL-Cholesterin und wirkt im menschlichen Körper thrombosefördernd, weshalb es zusammen mit den Fettstoffwechselstörungen zu den Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gerechnet wird. Die Konzentration an Lipoprotein (a) ist in der Allgemeinbevölkerung sehr niedrig, es gibt jedoch Menschen mit erhöhten Werten, die durch eine normale Ernährung und gute Blutzuckereinstellung nicht wesentlich beeinflussbar sind.
Bei Werten ab etwa 25 mg/dl verdoppelt sich jedoch das Risiko für Folgeschäden. Eine wesentliche Beeinflussung ist nur durch die in der Therapie der familiären Fettstoffwechselstörung neu eingesetzten PCSK9-Hemmer möglich.
Die Therapiemöglichkeiten
Basismaßnahmen gerade bei Fettstoffwechselstörungen im Rahmen eines Diabetes sind:
- Optimieren der Blutzuckereinstellung,
- Gewichtsreduktion bei gleichzeitiger Änderung der Ernährung mit mehr Ballaststoffen und weniger Kalorien,
- regelmäßige körperliche Aktivität,
- das Meiden größerer Mengen Alkohol,
- aufhören zu rauchen.
Eine Gewichtsreduktion von etwa 10 Prozent– wie sie realistischerweise innerhalb eines Jahres möglich ist, kann zu einer massiven Reduktion der Fettstoffwechselstörungen führen.
Merke: Früh verstorbene Angehörige (z. B. durch Herzinfarkt, Schlaganfall), extrem hohe LDL-Cholesterin-Werte und fehlende Senkung trotz gesunder Ernährung und Bewegung sollten unbedingt an eine “familiäre Hypercholesterinämie” denken lassen und behandelt werden!
Und neue Medikamente?
Aktuell sollte bei Typ-2-Diabetikern, die als Hochrisikopatienten gelten, das LDL-Cholesterin auf unter 70 mg/dl, bei Typ-1-Diabetikern auf unter 100 mg/dl gesenkt werden. Dies ist durch eine Ernährungsumstellung, regelmäßige Bewegung etc. in der Regel nicht möglich! Deshalb werden CSE-Hemmer eingesetzt (meist Statine, gerade bei schon vorhandenen Gefäßschäden). Dadurch lässt sich das Risiko für eine koronare Herzkrankheit z. B. um etwa ein Drittel senken.
Mit der Hemmung der Synthese von Fett in der Leber wird jedoch häufig gleichzeitig die Aufnahme von Fett aus dem Darm gesteigert – und umgekehrt. Deshalb werden heute meist zwei Medikamente eingesetzt, nämlich ein Fettsenker(z. B. Atorvastatin, Simvastatin) und ein Resorptionshemmer (z. B. Ezetrol), der die Fettaufnahme aus dem Darm verlangsamt.
Fibrate sind bei einer isolierten Erhöhung der Neutralfette manchmal sinnvoll – die Kombination mit CSE-Hemmern kann (z. B. wegen Muskelschäden) problematisch werden. Fischöle, die mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren enthalten, scheinen ebenfalls mäßig effektiv zu sein, ebenso Leinöl, Walnuss, Rapsöl, fettreiche Fischsorten wie Hering, Makrele und Lachs. Menschen, die trotz aller Maßnahmen ihr LDL-Cholesterin nicht weiter senken können, haben, wie schon gesagt, womöglich eine angeborene familiäre Hypercholesterinämie.
Zusammenfassung
Fettstoffwechselstörungen sind gerade bei Diabetikern ein Risikofaktor für das Entstehen von Herzinfarkt, Schlaganfall und anderen Durchblutungsstörungen. Die Behandlung der Fettstoffwechselstörung kann – wie eine optimale Blutzuckereinstellung und die Behandlung von Begleiterkrankungen – helfen, schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden.
Dr. med. Gerhard-W. Schmeisl (Bad Kissingen) ist Internist sowie Facharzt für Diabetologie, Angiologie und Sozialmedizin und hat jahrzehntelange praktische Erfahrung in der Behandlung und Schulung von Menschen mit Diabetes in Praxis und Klinik. Er schreibt in der Diabetes-Anker-Rubrik „Medizin verstehen“ (vormals Diabetes-Kurs) über die Diabetes-Therapie und alles, was sonst noch mit dem Diabetes zusammenhängt.
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2018; 67 (8) Seite 30-32
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lena-schmidt postete ein Update vor 4 Wochen
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thomas55 postete ein Update vor 1 Monat, 3 Wochen
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 1 Monat, 3 Wochen
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?- ole-t1 antwortete vor 1 Monat, 3 Wochen
Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße





