Insulinpflichtige Piloten können sicher fliegen

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Insulinpflichtige Piloten können sicher fliegen

Nach Kanada ist Großbritannien weltweit erst das zweite Land, in dem Menschen, die mit Insulin behandelt werden, trotzdem eine Berufspilotenlizenz erhalten können. Ein striktes Protokoll und medizinisches Prüfverfahren sollen die Sicherheit gewährleisten. Eine nun durchgeführte Analyse zeigt, dass dieses Programm sehr gut funktioniert.

Anhand einer Studie konnten britische Forscher belegen, dass Piloten auch mit einem insulinpflichtigen Diabetes Flugzeuge sicher führen können. Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden auf dem diesjährigen Kongress der Europäischen Gesellschaft zur Erforschung des Diabetes (European Association for the Study of Diabetes – EASD) vorgestellt, der derzeit (12. bis 16. September 2016) in München stattfindet.

Umfangreiches Prüfprotokoll mit strikten Kriterien soll Sicherheit gewährleisten

Im Jahr 2012 war Großbritannien nach Kanada das weltweit erst zweite Land, in dem Menschen, die mit Insulin behandelt werden, ein medizinisches Attest erster Klasse erhalten konnten, das Voraussetzung ist für den Erwerb einer Berufspilotenlizenz (Commercial Pilot Licence – CPL). Ein Gremium von Medizinern und Luftfahrtexperten hat dazu ein umfangreiches Prüfprotokoll entwickelt. Zertifizierte Piloten müssen anschließend strikte Bedingungen erfüllen, die von der nationalen Luftfahrtbehörde streng überprüft werden – inklusive engmaschiger Blutzuckerkontrollen vor dem Flug und während des Fluges.

Dadurch hat das Vereinigte Königreich mittlerweile die größte Gruppe an insulinpflichtigen Piloten. Die nun präsentierte Studie untersuchte die ersten Erfahrungen und vor allem die Sicherheit dieses Programms. Dazu wurden Daten von allen insulinbehandelten zertifizierten Piloten erhoben. Dies umfasste:

  • Alter,
  • Datum des Erhalts des Klasse-1-Attests,
  • Typ und Dauer des Diabetes,
  • Art der Diabetestherapie,
  • Begleiterkrankungen,
  • Kontrolluntersuchungen für Folgeerkrankungen,
  • alle verfügbaren HbA1c-Werte vor und nach Erhalt der Lizenz
  • sowie alle durchgeführten Flüge mit den dazugehörigen Blutzuckerwerten.
Die Forscher des Royal Surrey County Hospitals in Guildford und der zivilen Luffahrtbehörde Großbritanniens (Civil Aviation Authority – CAA) verglichen die durchschnittlichen HbA1c-Werte vor und nach Erwerb der Berufspilotenlizenz. Außerdem wurden die vor den Flügen und während der durchgeführten Flüge gemessenen Blutzuckerwerte den diesbezüglichen Bereichsvorgaben der Luftfahrtbehörde zugeordnet:
  • Bereich “grün”: 90 bis 270 mg/dl (5,0 bis 15,0 mmol/l),
  • Bereich “orange”: 72 bis 90 und 270 bis 360 mg/dl (4,0 bis 5,0 und 15,0 bis 20,0 mmol/l),
  • Bereich “rot”: unter 72 oder über 360 mg/dl (unter 4,0 oder über 20,0 mmol/l).

Nur 19 von fast 9.000 gemessenen Blutzuckerwerten lagen im roten Bereich

Die Ergebnisse der Datenanalyse: 26 insulinpflichtige Piloten haben das medizinische Attest erster Klasse erhalten. Diese sind alle männlich mit einem durchschnittlichen Alter von 41 Jahren. 85 Prozent von ihnen haben einen Typ-1-Diabetes, die durchschnittliche Diabetesdauer beträgt 8 Jahre und zwischen Lizenzerhalt und Datenerhebung lagen im Schnitt 19,5 Monate. Vor dem Lizenzerhalt lag der HbA1c-Wert im Schnitt bei 7,01 Prozent bzw. 53,1 mmol/mol, bei der Datenerhebung betrug er 7,16 Prozent bzw. 54,8 mmol/mol.

Insgesamt flossen 8.897 Blutzuckerwerte, die während 4.900 Flugstunden gemessen wurden, in die Analyse mit ein. Bei den Kurz- und Mittelstreckenflügen (unter 6 Stunden) waren 96 Prozent (7.829) der Werte im grünen Bereich der Luftfahrtbehörde; bei den Langstreckenflügen (über 6 Stunden) waren es 97 Prozent (1.068). Im roten Bereich waren auf allen Strecken insgesamt nur 0,2 Prozent (19) der Werte. Eine medizinisch bedingte Fluguntauglichkeit eines Piloten aufgrund zu hoher oder zu niedriger Blutzuckerwerte kam nicht vor.

Piloten müssen exzellente Blutzuckereinstellung sowie Diabetes-Kenntnisse nachweisen

Studienleiterin Dr. Christine Hine (Royal Surrey County Hospital) kommentierte die Ergebnisse wie folgt: „Insulinbehandelte Piloten müssen eine exzellente Blutzuckereinstellung sowie Kenntnisse über ihren Diabetes nachweisen können, um ein medizinisches Attest erster Klasse zu erhalten. Eine wachsende Zahl insulinbehandelter Piloten hat sich seitdem in Großbritannien erfolgreich um eine Berufspilotenlizenz beworben. Bislang hat sich das Protokoll der britischen Luftfahrtbehörde als gut funktionierend erwiesen, ohne Berichte über Sicherheitsprobleme sowie ohne Verschlechterung der jeweiligen Diabeteseinstellung.“

„Engmaschiges Blutzuckermessen im Cockpit stellt sicher, das jegliche Schwankung erkannt und frühzeitig korrigiert werden kann“, so Hine weiter. „Ist ein Pilot aufgrund von Anforderungen bezüglich der Flugzeugführung zeitweilig nicht in der Lage, seinen Blutzucker zu messen, muss er laut Protokoll als Vorsichtsmaßnahme 10 bis 15 g leicht absorbierbare Kohlenhydrate zu sich nehmen und dann die Messung innerhalb von 30 Minuten nachholen.“

Die Analyse der Daten insulinpflichtiger Piloten wird zukünftig kontinuierlich fortgesetzt. Sollten bereits lizensierte Piloten eine Diabeteserkrankung entwickeln, können sie von nun an das Prüfprotokoll der Luftfahrtbehörde durchlaufen, um bei Erfüllung der Kriterien ihre Fluglizenz zu behalten.

Irland hat sich dem Programm bereits angeschlossen, andere Staaten zeigen Interesse

Im April 2015 hat sich Irland dem britischen Programm angeschlossen. Laut Hine haben bereits zahlreiche weitere europäische Staaten ihr Interesse daran bekundet. In Deutschland werden Bewerber um ein Tauglichkeitszeugnis der Klasse 1 mit insulinpflichtigem Diabetes bislang noch generell als untauglich beurteilt – können also keine Berufspilotenlizenz erwerben.


von Gregor Hess
Redaktion diabetes-online.de, Kirchheim-Verlag,
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  • uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    @calvin240
    Ich hätte eine Frage zum
    Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute

  • 123novesia postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen

    Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.

    • Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staats­examen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
      Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
      Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena

  • jseiffert postete ein Update vor 2 Wochen, 3 Tagen

    Hallo zusammen,
    heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
    Alle Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-september-26
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