Prader-Willi-Syndrom und Typ-1-Diabetes: So meistert Annas und Ellas Familie den Alltag

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Prader-Willi-Syndrom und Typ-1-Diabetes: So meistert Annas und Ellas Familie den Alltag | Foto: privat
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Prader-Willi-Syndrom und Typ-1-Diabetes: So meistert Annas und Ellas Familie den Alltag

Anna und Ella sind eineiige Zwillinge und leben mit zwei chronischen Erkrankungen, die bereits jede für sich den Alltag stark beeinflussen: dem Prader-Willi-Syndrom (PWS) und Typ-1-Diabetes. Dass beide Diagnosen gleichzeitig auftreten, ist sehr selten und verlangt der gesamten Familie täglich viel ab.

Ihre ersten Lebensmonate verbrachten unsere Töchter Anna und Ella im Krankenhaus. Die Frühgeborenen benötigten Atem-Unterstützung, tranken nur sehr langsam und fielen durch eine ausgeprägte Muskelschwäche auf. Obwohl zahlreiche Untersuchungen durchgeführt wurden, fanden die Ärzte zunächst keine eindeutige Ursache.

Man sagte uns immer wieder, unsere Töchter bräuchten einfach mehr Zeit. Also nahmen wir uns diese Zeit. Frühförderung, Physiotherapie und regelmäßige Termine in der Frühchen-Ambulanz bestimmten unseren Alltag. Dennoch blieb das Gefühl, dass mehr hinter der verzögerten Entwicklung stecken könnte. Als die Zwillinge mit zwei Jahren noch immer nicht laufen konnten, suchten wir erneut nach Antworten.

Die Diagnose Prader-Willi-Syndrom

Der entscheidende Schritt führte uns schließlich in ein Zentrum für seltene Erkrankungen. Dort wurde nach umfangreichen Untersuchungen die Diagnose gestellt. „Ihre Töchter haben das Prader-Willi-Syndrom“, lautete die Erklärung der Ärzte (siehe folgenden Kasten). Dieser Begriff war uns zunächst völlig unbekannt. Natürlich mussten wir diese Diagnose erst einmal verarbeiten, gleichzeitig waren wir aber auch froh, endlich Klarheit zu haben.

Merkmale des Prader-Willi-Syndroms (PWS

  • seltene genetische Erkrankung
  • lebenslange körperliche, geistige und neurologische Beeinträchtigungen
  • extreme Muskelschwäche im Säuglingsalter
  • späte Entwicklung von Sprache und Motorik
  • unstillbarer Hunger, kein Sättigungsgefühl
  • gepaart mit einem niedrigeren Energiebedarf führt dies unbehandelt zu extremer Adipositas
  • nicht heilbar, aber gut behandelbar
  • notwendige Therapien: Frühförderung, Physio- therapie, Logopädie und Ergotherapie
  • strenge Kontrolle der Kalorienzufuhr und konsequente Strukturierung der Mahlzeiten nötig
  • die Gabe von Wachstumshormonen ab dem Säuglingsalter fördert den Muskelaufbau und das Längenwachstum

Der nächste Schock

Für die notwendige Betreuung suchten wir eine auf das Prader-Willi-Syndrom spezialisierte Endokrinologin auf. Noch vor dem ersten Termin fiel uns auf, dass Ella ungewöhnlich müde war und sehr viel trank. Zunächst dachten wir uns nichts dabei. Doch bei einer routinemäßigen Blutzucker-Kontrolle während des Klinik-Aufenthalts stellte sich heraus, dass Ella an Typ-1-Diabetes erkrankt war – noch eine chronische Erkrankung! Diese Nachricht traf uns völlig unvorbereitet. Wir hatten uns doch gerade damit abgefunden, mit einer seltenen Krankheit umzugehen. Auch bei Anna wurden bei der Kontrolle erhöhte Blutzuckerwerte festgestellt. Es wurde klar: Auch sie hat Typ-1-Diabetes.

Innerhalb kürzester Zeit mussten wir in ein wohnortnahes Krankenhaus wechseln. Dort folgten mehrere Wochen Schulung und intensive Betreuung. Die Worte der behandelnden Diabetologin „Der Diabetes wird Sie mehr beschäftigen als das Prader-Willi-Syndrom“ haben sich im Alltag tatsächlich als zutreffend erwiesen.

Diabetes-Management unter besonderen Bedingungen

Der Alltag mit Diabetes und Prader-Willi-Syndrom stellt uns vor viele Herausforderungen, vor allem bei der Ernährung. Menschen mit PWS haben häufig ein stark ausgeprägtes Hungergefühl. Auch Anna und Ella können ihr Essverhalten allein nicht kontrollieren. Das ist für den Umgang mit dem Diabetes eine Katastrophe, denn er erfordert die exakte Berechnung von Kohlenhydraten, regelmäßige Glukose-Kontrollen und eine präzise Insulindosierung. So verkomplizieren sich die beiden Diagnosen für uns gegenseitig.

Inzwischen wissen wir jedoch, dass sich beide Erkrankungen trotz aller Schwierigkeiten teilweise sogar ergänzen können. Beide Krankheiten fordern feste Strukturen. So werden bei uns Lebensmittel kontrolliert aufbewahrt, Mahlzeiten folgen klaren zeitlichen Abläufen und die Kalorien-Zufuhr wird sorgfältig geplant.

Gleichzeitig profitieren unsere Zwillinge von modernen Diabetes-Technologien. Beide tragen eine Insulinpumpe sowie einen Sensor, der die Glukosewerte rund um die Uhr überwacht. Klar gibt es auch hier manchmal Probleme, zum Beispiel, wenn der Insulinbedarf in den Morgenstunden durch die Wachstumshormon-Therapie so hoch ist, dass das System zur automatisierten Insulindosierung (AID) an seine Grenzen kommt. Dann sind wir oft mit Feinjustierung und Nachkorrigieren beschäftigt.

Doppel-Diagnose PWS und Typ-1-Diabetes

  • PWS plus Typ-1-Diabetes ist eine seltene Kombination.
  • PWS führt zu unkontrolliertem Hunger, Diabetes erfordert aber exakte Kohlenhydrat-Kontrolle.
  • Feste Strukturen bei Mahlzeiten sind essenziell.
  • Moderne Diabetes-Technologien ermöglichen stabiles Management.
  • Schulbesuch und selbstständiger Alltag sind trotzdem möglich.

Alle ziehen an einem Strang

Das Diabetes-Management von Anna und Ella ist für uns längst Familien-Sache geworden. Selbst unsere 13-jährige Tochter kennt sich inzwischen hervorragend mit Insulinpumpen, Sensoren und Alarm-Meldungen aus. Sie hilft selbstverständlich mit und reagiert oft genauso schnell wie wir Eltern. Wir sind sehr stolz auf sie.

Auch unsere Zwillinge selbst gehen erstaunlich selbstverständlich mit ihrer Erkrankung um. Das Anlegen der Technik, das Abwarten des Essensbolus oder das Reagieren auf Alarme gehören für sie zum Alltag. Für die Schule nehmen sie ihr Mittagessen von zu Hause mit. So können wir die Kohlenhydratmengen und die Zusammensetzung der Mahlzeiten optimal planen.

Leben mit zwei chronischen Erkrankungen

Heute leben Anna und Ella seit sechs Jahren mit beiden Diagnosen. Trotz aller Herausforderungen entwickeln sie sich erfreulich, besuchen die Schule und meistern ihren Alltag mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit.

Natürlich gibt es schwierige Tage: Tage mit schwankenden Blutzuckerwerten, unerwarteten Herausforderungen oder Momenten der Erschöpfung. Doch wir haben gelernt, damit umzugehen. Wir geben jeden Tag unser Bestes. Nicht jeder Tag läuft perfekt – aber das muss er auch nicht. Anna und Ella sind Kinder und sie sollen vor allem das sein dürfen: Kinder.
Unsere Geschichte zeigt, wie moderne Diabetes-Therapie, medizinische Begleitung und familiärer Zusammenhalt selbst unter außergewöhnlichen Umständen ein erfülltes Leben ermöglichen können.


Für Beiträge in der Rubrik Eltern und Kind kooperiert der Diabetes-Anker u.a. mit der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische und adoleszente Endokrinologie und Diabetologie (DGPAED). Der Verband setzt sich dafür ein, die Ver­sorgung von Kindern und Jugend­lichen mit Diabetes und anderen Stoffwechseler­krankungen zu erhalten und zu verbessern.


von Sarah und Tobias Mauel

Sarah und Tobias Mauel haben eineiige Zwillingstöchter, die mit Typ-1-Diabetes und dem Prader-Willi-Syndrom (PWS) leben. Über den herausfordernden Alltag mit den beiden chronischen Erkrankungen haben die beiden einen Erfahrungsbericht für den Diabetes-Anker geschrieben.

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (8*9) Seite 46-47

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  • kety22 postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen

    Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?

    • Hallo!
      Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
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  • mr postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen

    Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.

    • Hallo mr,

      Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.

      Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.

      Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.

      Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?