Krebs-Vorsorge durch gesunden Lebensstil

4 Minuten

Krebs-Vorsorge durch gesunden Lebensstil

Ausreichend Bewegung oder Sport und eine gesunde Ernährung können vor vielen Erkrankungen schützen – auch vor Krebs. Zudem ist es wichtig zu Vorsorge-Untersuchungen zu gehen. Warum durch einen gesunden Lebensstil 40 Prozent aller Krebs-Erkrankungen verhindert werden könnten, erklären Experten der Technischen Universität München. Zudem geben sie klare Empfehlungen, was jede und jeder tun kann.

Etwa jeder zweite Deutsche erkrankt im Laufe seines Lebens an Krebs. Das sind rund 510.000 Krebs-Neuerkrankungen pro Jahr. Experten rechnen mit einem Anstieg auf 600.000 bis 2030. Laut Robert Koch-Institut leben in Deutschland rund 1,7 Millionen Menschen mit einer Krebs-Erkrankung, die in den letzten 5 Jahren diagnostiziert wurde. Zum Weltkrebstags am 4. Februar informierten Experten der Technischen Universität München (TUM), des Comprehensive Cancer Center (CCC) München, der Bayerischen Krebsgesellschaft und der Felix Burda Stiftung über erfolgreiche Wege, um das Krebs-Risiko zu senken.

„Durch einen gesunden Lebensstil könnten 40 Prozent aller Krebs-Erkrankungen verhindert werden. Körperliche Inaktivität, Übergewicht, ungesunde Ernährung, Genussmittel und Schutz vor UV-Strahlung sind beeinflussbare Risikofaktoren für Krebs. Diese gilt es in der Primärprävention zu reduzieren, damit Krebs gar nicht erst entsteht. Die Sekundär- und Tertiär-Prävention zielt darauf ab, ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern und krankheits- oder therapiebedingte Nebenwirkungen und Spätfolgen zu mildern. Das gilt in der Krebs-Nachsorge, aber auch für krebskranke Kinder und Jugendliche, bei denen der Lebensstil nicht Ursache für den Krebs ist“, berichtet Prof. Dr. med. Renate Oberhoffer-Fritz, Dekanin und Ordinaria am Lehrstuhl für Präventive Pädiatrie, Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften an der TU München.

Sport erhöht die Zahl der Killerzellen

„Die Wirkung des Sports für die Krebs-Prävention lässt sich am Beispiel Darmkrebs erklären. Wir wissen heute, dass die Muskulatur bestimmte Botenstoffe über das Blut in unterschiedliche Organsysteme aussendet. Wird die Muskulatur belastet, werden zum Beispiel im Darm bestimmte Muskelhormone freigesetzt. Gelangen sie in die Darmschleimhaut, hemmen sie die Entwicklung von Darmpolypen“, sagt Prof. Dr. med. Martin Halle, Ärztlicher Direktor und Ordinarius Lehrstuhl und Poliklinik für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin, Klinikum rechts der Isar TU München.

Sport beeinflusst indirekt auch Mechanismen des Zuckerstoffwechsels und des Insulinspiegels und er stimuliert das Immunsystem. Durch Bewegung erhöht sich die Zahl der natürlichen Killerzellen, die Krebs-Zellen abtöten können. „Um die Immunkompetenz zu fördern, sollten wir täglich mindestens 10 Minuten höher intensiv trainieren und richtig ins Schwitzen kommen, um die Muskulatur zu aktivieren“, erläutert Prof. Halle.

Gesunde Ernährung wirkt im Zusammenspiel

„Man darf die krebspräventive Wirkung der Ernährung sowie einzelner Nahrungsmittel aber nicht isoliert betrachten. Erst im Zusammenspiel mit Bewegung und einem gesunden Lebensstil kommt sie zum Tragen. Jemand, der sich gut ernährt, aber raucht und keinen Sport treibt, hat dennoch ein erhöhtes Krebs-Risiko“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin Dr. rer. biol. hum Nicole Erickson, Koordinatorin für Gesundheitskompetenz und E-health am Klinikum der LMU München.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine ausgewogene Mischkost. Dazu zählen mindestens 400 g Gemüse und 250 g Obst am Tag, Vollkornprodukte, täglich max. 150 g Milchprodukte wie Joghurt und Käse. Fisch ein- bis zweimal pro Woche, unverarbeitetes Fleisch (300 bis max. 600 g pro Woche), wenig Alkoho (10 g pro Tag (ein kleines Glas Wein) für Frauen und 20 g pro Tag (ein halber Liter Bier) für Männer). Verarbeitetes, rotes Fleisch gilt als krebserregend, vor allem gepökelte und geräucherte Wurstwaren.

Effektiv vorsorgen

Die Darmkrebs-Prävention ist mit dem immunologischen Stuhltest und der Darmspiegelung (Koloskopie) eine effektive Vorsorgemaßnahme. „Bei der Entstehung von Darmkrebs kennen wir gutartige Vorstufen, sogenannte Darmpolypen. Diese können bei einer Darmspiegelung entfernt werden. Damit wird verhindert, dass sie später zu Krebs entarten können,“ sagt Dr. Berndt Birkner, Facharzt für Gastroenterologe, Internist und Kurator der Felix Burda Stiftung und Vizepräsident des Netzwerks gegen Darmkrebs e.V.

Um möglichst viele Darmkrebs-Erkrankungen zu verhindern oder in einem frühen und somit heilbaren Stadium erkennen zu können, müssten allerdings wesentlich mehr Versicherte die von den Krankenkassen angebotenen Vorsorge- und Früherkennungsmaßnahmen in Anspruch nehmen als es jetzt noch der Fall ist. Die Teilnahme an einem immunologischen Stuhltest ist ein erster wichtiger Schritt zum Verhindern von Darmkrebs. Wenn Blut im Stuhl gefunden wird, sollte die Ursache hierfür unbedingt durch eine Darmspiegelung beim Magen-Darm-Arzt abgeklärt werden.

Für Risikogruppen wie z.B. Angehörige von Darmkrebs-Patienten – die familiäre Risikogruppe – ist die Teilnahme an der Darmkrebs-Früherkennung noch bedeutsamer, da diese Risikogruppe gegenüber der Durchschnittsbevölkerung ein 4-8-fach erhöhtes Risiko hat, an Darmkrebs zu erkranken.

Frauen sollten besonders auf sich achten

Die Prävention und Früherkennung von gynäkologischen Krebs-Erkrankungen ist sehr wichtig, denn etwa die Hälfte aller Krebs-Erkrankungen bei Frauen stammt aus der Gynäkologie. So ist Brustkrebs mit rund 70.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebs-Erkrankung bei Frauen. „Die Sterblichkeit an Brustkrebs sinkt seit den 90er Jahren kontinuierlich, da bei der Mammographie viele Tumore bereits in einem Frühstadium entdeckt werden. Aber auch die frühe Etablierung von zertifizierten Krebszentren trägt zur verbesserten onkologischen Versorgung der Frauen bei“, erklärt Prof. Dr. med. Sven Mahner, Direktor der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am LMU Klinikum der Universität München.

Mit Einführung des PAP-Abstrichs 1971 konnte die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen an Gebärmutterhalskrebs, dem häufigsten bösartigen Tumor bei jungen Frauen, von 16.000 auf 4.300 Fälle gesenkt werden. „Auch die Impfung gegen HPV ist eine Erfolgsgeschichte. Bei einer hohen Durchimpfungsrate bei Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren könnten wir die Zahl der Neuerkrankungen fast auf 0 Prozent senken“, so Prof. Mahner.

50 bis 70 Prozent der Todesfälle durch Krebs vermeiden – durch Prävention und Früherkennung

„Durch Krebs-Prävention und Früherkennung lässt sich die Sterblichkeit deutlich reduzieren. Voraussetzung dafür ist eine hohe Akzeptanz der Vorsorgeprogramme in der Bevölkerung. Es nehmen aber nur etwa 67 Prozent der Frauen (ab 20 Jahre) und rund 40 Prozent der Männer (ab 35 Jahre) daran teil. Deshalb raten wir: Nehmen Sie Krebs-Vorsorge ernst und fördern Sie Ihre Gesundheit durch einen gesunden Lebensstil“, betont Prof. Dr. med. Hana Algül, Direktor des CCC München und Professor für Tumormetabolismus an der TU München.

„Forscherinnen und Forscher sehen europaweit großes Potential in der Krebs-Prävention. Würde das Zusammenspiel von Prävention und Früherkennung optimiert, könnten 50 bis 70 Prozent der Krebs-Todesfälle in Europa vermieden werden.* Durch flächendeckende Präventionsprogramme verbunden mit translationaler Krebs-Forschung und einer verbesserten onkologischen Versorgung wäre im Jahr 2030 in Europa ein krebsspezifisches 10-Jahres-Überleben von etwa 75 Prozent möglich“, erklärt Prof. Dr. med. Volker Heinemann, Direktor des CCC München und Oberarzt am Klinikum der Universität München (LMU). * Wissenschaftlich fundierte Empfehlungen dazu finden Sie hier.

Folgerisiko Fatigue

Eine Studie evaluiert die Fatigue-Sprechstunde der Bayerischen Krebsgesellschaft. Sie ist auf drei Jahre angelegt und analysiert das Angebot der Fatigue-Sprechstunde in 10 Psychosozialen Krebs-Beratungsstellen sowie den Bedarf für Patienten. Betroffene leiden oft an tumorbedingter Fatigue, die sich u.a. durch große Müdigkeit und Erschöpfung, Schlafstörungen, Leistungsabfall oder Depressionen äußern kann.

„Rund 30 Prozent aller Krebs-Patienten entwickeln eine tumorbedingte Fatigue, die das Leben der Betroffenen sehr belastet“, sagt Diplompsychologe Markus Besseler, Geschäftsführer der Bayerischen Krebsgesellschaft. Die Studie ist durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gefördert und wird wissenschaftlich durch das Zentrum für Klinische Studien am Universitätsklinikum Regensburg begleitet.


von Redaktion Diabetes-Anker

Das Redaktionsteam des Diabetes-Ankers besteht aus erfahrenen Journalistinnen und Journalisten – teils mit medizinischem und naturwissenschaftlichem Hintergrund sowie selbst von Diabetes betroffen – die seit vielen Jahren zum Thema Diabetes publizieren.

mit Mateirlaien der Technischen Universität München

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Diabetes-Anker-Podcast: Was ist Doppel-Diabetes und wie bekommt man ihn in den Griff, Herr Prof. Haak?
In dieser Podcast-Folge spricht Diabetes-Anker-Redakteurin Nicole Finkenauer mit Prof. Dr. Thomas Haak über Doppel-Diabetes – also das gemeinsame Auftreten von Typ-1- und Typ-2-Diabetes. Zu diesem Zusammentreffen der beiden Diabetes-Typen gibt es nur wenige Informationen – es wird aber zunehmend relevant und betrifft immer mehr Menschen.
Diabetes-Anker-Podcast: Was ist Doppel-Diabetes und wie bekommt man ihn in den Griff, Herr Prof. Haak? | Foto: zVg/MedTriX

2 Minuten

Cholesterin-Dialog: ein Tag im Zeichen der Herz-Gesundheit
In einem Live-Stream zum Cholesterin-Dialog haben Experten über die Bedeutung der Cholesterin-Werte für die Herz-Gesundheit gesprochen und die Wichtigkeit gesunder Ernährung, Bewegung und regelmäßiger Gesundheitschecks zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen betont.
Cholesterin-Dialog: ein Tag im Zeichen der Herz-Gesundheit

3 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • kety22 postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen

    Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?

    • Hallo!
      Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
      Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
      Vielleicht hilft das etwas – viel Glück

  • katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 2 Wochen, 2 Tagen

    Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Gürtelrose bei Diabetes – Risiken, Symptome und Vorbeugung im Überblick In dieser Podcast-Sonderfolge geht es um Gürtelrose bei Diabetes. Dr. Katrin Kraatz spricht mit Diabetologe Dr. Dietrich Tews über Risiken, Symptome u …

  • mr postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen

    Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.

    • Hallo mr,

      Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.

      Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.

      Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.

      Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?